Zeitzeugin Marga Weber zur Ehrenbürgerin ernannt

Bürgermeister Alexander Simon und Erste Stadträtin Sabine Bergold überreichen der neuen Ehrenbürgerin Dr. Marga Weber die Urkunde.Foto: bpa

Vor kurzem erst feierte die Ehrenvorsitzende des Verschönerungsvereins, Marga Weber, ihren 95. Geburtstag (wir berichteten), jetzt verliehen ihr Eppsteins Stadtverordnete in einer außerordentlichen Sitzung die Ehrenbürgerwürde, die höchste Auszeichnung, die die Stadt vergeben kann.

„Menschen wie Sie sind es, die unser Gemeinwesen aufrecht erhalten“, begründete Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz die Entscheidung. Bürgermeister Alexander Simon überreichte der gebürtigen Eppsteinerin die Urkunde in der öffentlichen Sitzung, zu der Familie, Freunde, Wegbegleiter und viele Eppsteiner gekommen waren .

Bisher wurden in Eppstein seit 1977 nur zwei Ehrenbürger ernannt: Gertrud Löns und ihr vor drei Jahren verstorbener Ehemann Jürgen, die sich für Burgverein, Musikschule und vor allem für junge Menschen, beispielsweise in dem von ihnen gegründeten Eppstein-Fonds, eingesetzt haben. Geehrt wurden sie, wie jetzt auch Marga Weber, für ihr Lebenswerk und ihr beispielhaftes Wirken.

Simon zählte in seiner Laudatio Webers Leistungen auf und würdigte sie als „Zeitzeugin und Gedächtnis“ der Stadt. Der Verschönerungsverein, so der Bürgermeister, sei für Weber eine lebenslange Herzensangelegenheit: „Sie sind einfach unermüdlich und voller Energie, wenn es in Ihrer Heimatstadt etwas zu verschönern gibt.“

Marga Weber hat als Vorsitzende den Verschönerungsverein geprägt und für ganz Eppstein geöffnet. Die Verbundenheit zu den Stätten ihrer Kindheit, Burg, Neufville-Turm, Krekelstempel und vor allem zum Kaisertempel mit seiner ungewöhnlichen, an griechische Tempel der Antike erinnernde Architektur und seiner einmaligen Aussicht über Eppstein, bewogen sie 1990 als erste Frau für den Vorsitz des Verschönerungsvereins (VVE) zu kandidieren.

Bis dahin kamen Vorsitzende des VVE immer aus dem Vorstand der ehemaligen Stanniolfabrik und waren auch viele der Mitglieder Stanniolfabriker. In diese Männerwelt platzte die Archäologin, die erst mit 47 Jahren studiert und mit 55 promoviert hatte, mit ihren frischen Ideen. Auf sie warteten große Aufgaben: Die Tempel mussten saniert werden, allen voran der Kaisertempel. Dafür hatte der Verein kein Geld. Zielstrebig öffnete sie „die älteste Bürgerinitiative der Stadt“, wie der Verein sich gern selbst nennt, für alle Stadtteile. Die Zahl der Mitglieder verzehnfachte sich während ihrer Zeit als Vorsitzende von 30 auf 320.

Allein hätte sie das nicht geschafft, betonte die neue Ehrenbürgerin. Einer der wichtigsten Unterstützer sei der 2006 verstorbenene frühere Bürgermeister Richard Hofmann gewesen und die langjährige Schriftführerin des Vereins, Gerda Hoffmeister. Das 100. Jubiläum des Kaisertempels 1994 wurde drei Tage lang gefeiert und alle Eppsteiner Vereine feierten und halfen mit, erinnerte sich Weber an ein rauschendes Fest: „Die Burgschauspieler spielten ein eigens dafür geschriebenes Stück über ,das Modell’ und die Entstehung des Kaisertempels, die Sängervereinigung sang Lieder von Mendelssohn Bartholdy“.

Marga Weber wuchs in der Burgstraße auf und lebt heute wieder in ihrem Elternhaus. Nach der Volksschule machte sie auf Wunsch der Eltern eine Banklehre, und hatte schon mit 18 Jahren die Bankfiliale unter sich. Als der Krieg vorbei war und viele Männer aus der Gefangenschaft und in ihre alten Berufe zurückkehrten, beschloss sie, das Abitur zu machen und lernte beim Mathematik-Nachhilfeunterricht ihren späteren Mann Horst Egbert Weber kennen. Mit dem Studium wartete sie bis die drei Kinder ihr Abitur hatten. Das war ihr wichtig. Nach ihrer Promotion lehrte sie noch zehn Jahre an der Goethe-Universität in Frankfurt. Inzwischen hat sie fünf Enkel, das vierte Urenkelkind ist unterwegs.

Auch nach ihrer Zeit als Vorsitzende hat Marga Weber weitere Impulse gesetzt. So schrieb sie 2013 ein Buch über den VVE und Planung und Bau des Kaisertempels: „Der Verschönerungsverein Eppstein von 1878 – Ein Stück Eppsteiner Geschichte“. Zusammen mit Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith entwickelte sie außerdem etwa 30 Tafeln an historischen Sehenswürdigkeiten in Eppstein und seinen Stadtteilen, die der VVE finanzierte.

In Rohde-Reith fand sie eine ehemalige Studentin wieder, die während ihres eigenen Archäologie-Studiums in Frankfurt Dr. Marga Webers Seminare über antike Tempel und Badekultur besucht hatte. Bürgermeister Simon mutmaßte, „dass es vielleicht doch Bestimmung sei, dass genau dieses an eine antike Vorhalle erinnernde Bauwerk, der Kaisertempel, in Ihrer Heimatstadt Ihr Projekt wurde“.

Der Verein wurde unter Webers Leitung zunehmend auch in den Stadtteilen aktiv: pflanzte Bäume, stellte Bänke auf und setzte sich für die Schaffung eines Denkmals für die Vockenhäuser Schmelz ein, das an die historische Mühle und das Künstlerpaar Ella Bergmann-Michel und Robert Michel erinnern sollte, – „auch wenn die Vockenhäuser das damals gar nicht so gern wollten“, sagte Weber schmunzelnd. Die aus damaliger Sicht exzentrischen Künstler der Moderne blieben zeitlebens in ihrem Heimatort Fremdlinge. Dennoch sammelte der VVE damals 70 000 Mark für das Schmelz-Denkmal.

Jetzt freue sie sich auf das neue Denkmal von Kai Wolf, das nur dem Künstlerpaar Michel gewidmet sei und an zentraler Stelle am Stadtbahnhof stehen soll, sagte Weber. Erste Stadträtin Sabine Bergold, die der neuen Ehrenbürgerin ebenfalls gratulierte, ergänzte, dass das Kunstwerk fertig sei und Ende August aufgestellt werden solle. bpa

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