Reiner Morgenstern: VVE erhalten, Bergpark-Besitzer in die Pflicht nehmen

Glasscheiben am Neufville-Turm zerstört

Reiner Morgenstern will Mitglieder für den VVE werben. Foto: Schuchard-Palmert

Reiner Morgenstern will Mitglieder für den VVE werben. Foto: Schuchard-Palmert

Der Verschönerungsverein (VVE) hat einen neuen Vorsitzenden. In der jüngsten Sitzung Ende Januar wählten die rund 15 anwesenden Mitglieder Reiner Morgenstern zum Nachfolger von Claudia Piontke.

Die bisherige Vorsitzende zieht sich nach zwölf Jahren in die zweite Reihe zurück und übernimmt die Schriftführung. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Werner Seidel, Beisitzer sind Martin Alberts, Thilo Heine und Manfred Karl.

Der 62-Jährige Morgenstern ist ehrenamtlicher Stadtrat aus Brem­thal und gehört dem VVE seit 2023 an. Der gelernte Fernmeldetechniker ist in Bremthal aufgewachsen, hat sein Elternhaus für die Familie in viel Eigenarbeit ausgebaut und ist als ehemaliger Kerbebursch ein Vereinsmensch, wie er sagt und mit seinem Heimatort verbunden. Eigentlich habe er erst über die Arbeit als ehrenamtlicher Stadtrat der CDU seit 2023 einen Blick für die Nöte und Probleme aller Stadtteile bekommen und kam deshalb auch zunächst als Beisitzer zum VVE. „Die älteste Eppsteiner Bürgerinitiative soll nicht einfach sang- und klanglos untergehen“, nennt er seine Motivation, warum er jetzt den Vorsitz übernimmt.

Mit ihm zusammen trat damals auch die Eppsteinerin Natalie Bach dem VVE bei. Sie wollte im Bergpark eine Naturschule für Kinder eröffnen und übernahm deshalb die Aufgabe, die Wege im Bergpark freizuschneiden. Ihr Plan einer Naturschule am Taubenhaus scheiterte, weil der Eigentümer, der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (JJ), laut Bach kein echtes Interesse daran gezeigt habe, den Bergpark für ein festes Besucherangebot zu öffnen – „Obwohl ich auch die jungen Klienten aus dem Bergpark dazu einladen wollte“, sagt sie. Deshalb suchte Natalie Bach weiter, absolvierte in der Zwischenzeit ihre Ausbildung zur Natur- und Umweltpädagogin und eröffnete vor fast genau einem Jahr die Eppstein Farm auf dem Campingplatz-Areal in Niederjosbach. Sie schied in der jüngsten Sitzung aus dem VVE-Vorstand aus.

Reiner Morgenstern fasst die Situation kurz und knapp zusammen: „Der Verein stand kurz vor dem Aus!“ Er sei nun angetreten, um den Verein zu erhalten und deutlich zu machen, dass der VVE mehr sei als Kaisertempelfest und ein Weihnachtsmarktstand. Beide Aktionen musste der Verein einstellen, weil es an aktiven Helfern fehlt. Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren auf 200 gesunken, das Durchschnittsalter ist hoch. „Ich bin noch einer der jüngeren“, sagt Morgenstern. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei deshalb, neue Mitglieder zu finden und Helfer für die ureigensten Aufgaben des VVE: Pflege und Erhalt der elf betreuten Denkmäler und Objekte, allen voran der 1894 eingeweihte Kaisertempel. In Anlehnung an die Laubkehr­aktion früherer Jahre im Kriegerwald, will Morgenstern demnächst zu einer Frühlingsaktion am Wahrzeichen des VVE aufrufen. Mitglieder und Menschen, die etwas für ihre Stadt tun wollen, sollen sich dort oben zu einer Aufräumaktion treffen. Vandalismus und Müll seien ein großes Problem an dem Denkmal, das zwar weithin sichtbar, aber auch abgelegen sei. „Wir brauchen Aktionen, bei denen sich die Mitglieder einbringen und etwas Sinnvolles tun können.“

Darüber hinaus will der Verein eine technische Überwachung einrichten, damit Vandalismus dort nicht weiterhin ungesehen bleibt.

Außer ums Aushängeschild Kaisertempel kümmert sich der Verein um fünf weitere Tempel und einige Aussichtspunkte mit Bänken rund um Eppstein, das Denkmal für die Schmelz an der Bundesstraße und den Brunnen am Rathaus Vockenhausen – und bis vor einem Jahr auch um die Wege im Bergpark.

In den nächsten Wochen stehe die Frühjahrsbepflanzung öffentlicher Plätze, Blumenkübel und Rabatte an. Dieses Jahr will der VVE den Blumenschmuck in der Stadt aus der Vereinskasse bezahlen und keine Spendenaktion starten: „Wir bekommen zum Glück immer wieder Spenden für die Stadtverschönerung, die wir dafür einsetzen können“, sagt Morgenstern. Auch neue Info-Tafeln der Stadt, die an Denkmälern oder besonderen Orten in der Stadt auf deren Historie hinweisen, hat der VVE in den vergangenen Jahren finanziert.

Es seien für den Verein extrem schwierige Jahre gewesen: 2020 habe der VVE zusätzlich zu seinen Vereinsaufgaben die Trägerschaft für die neu gegründete Neufvilleturm-Stiftung übernommen und damit für den historischen Turm und rund ein Drittel des insgesamt knapp 10 Hektar großen Bergparks. Die damalige Aufbruchstimmung sei durch die Corona-Pandemie „voll ausgebremst worden“, sagt Morgenstern: Sämtliche Initiativen rund um den Turm kamen zum Erliegen, hinzu kam die unsachgemäße Sanierung einer Ballustrade am Eingang des Turms. Die Regressforderungen an die ausführende Firma zogen sich damals, wie berichtet, Monate hin.

Ungefähr zur gleichen Zeit gab es Verhandlungen mit einem holländischen Investor, der, wie berichtet, das Bergpark-Areal samt Villa Anna und die dazugehörigen Gebäude kaufen und zu einem Hotel im Bergpark umbauen wollte. Das Geschäft scheiterte, weil der Verein JJ letztlich nicht verkaufen wollte. Seitdem herrschte Funkstille rund um den Turm. Nicht einmal der Stiftungsrat traf sich. Die letzte offizielle Sitzung war im Sommer 2024.

Morgenstern geht davon aus, dass Bürgermeister Alexander Simon als Stiftungsratsvorsitzender demnächst zu einer Sitzung einladen wird. Vorher soll es ein Treffen am Turm geben, um die aktuelle Situation in Augenschein zu nehmen. Geld für die Sanierung der unteren Terrasse sei in der Stiftung vorhanden, „zuvor muss erfasst werden, wie sich die damaligen Schäden entwickelt haben“, sagt Morgenstern.

Damit der Bergpark für Wanderer geöffnet bleiben kann, hat der VVE vor gut zehn Jahren die Pflege der Wege im gesamten Bergpark übernommen, rund 2,5 Kilometer Wanderwege. „Das können wir in diesem Ausmaß nicht mehr leisten“, macht Morgenstern deutlich und appelliert ganz klar an den Eigentümer JJ, der die Sicherheit auf dem Bergpark-Areal, auch im Sinne seiner Bewohner, zu gewährleisten habe und das wertvolle Gesamtkunstwerk erhalten müsse. Als Eigentümer eines von zwei denkmalgeschützten Bergparks in Hessen sei JJ in besonderem Maße dazu verpflichtet. „Der VVE übernimmt weiterhin die Pflege der Wiese rund um das Taubenhaus und für den ehemaligen Gemüsegarten“, sagt Morgenstern. Zweimal im Jahr werde gemäht und gemulcht. Bis vor einigen Jahren übernahm der Bremthaler Richard Kaus die Pflege für den gesamten Bergpark, bis dieser die Aufgabe aus Altersgründen abgegeben hat. Jetzt will Bremthals Ortsvorsteher Guido Ernst einen Versuch mit seinem Traktor zumindest auf dem hoch gelegenen Areal ums Taubenhaus starten.

Hinzu kommen auch am Neufville-Turm Schäden durch Vandalismus. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Anzeigen dazu. Aktuell wurde der Polizei gemeldet, dass eine Fensterscheibe und die Glasscheibe über der Eingangstür eingeschlagen wurden.

Das Problem werde nicht gelöst, solange der Turm leer und ungenutzt bleibt, ist Morgenstern überzeugt. Aus seiner Sicht wäre es das Beste, wenn sich wieder ein Mieter oder Pächter dafür fände und die Stiftung eine technische Überwachung rund um den Turm anbrächte. Von einem Verkauf, „nur um das Gemäuer loszuwerden“, halte er nichts. Viel Geld sei damit ohnehin nicht zu verdienen und die Sanierung auch für private Besitzer schwierig und kostenaufwändig: Abgesehen vom Zustand des Turms und des Nebengebäudes gibt es keine richtige Zufahrt.

Auch eine Rückabwicklung der Stiftung löse nicht das grundsätzliche Problem. Wichtiger wäre aus Sicht des neuen VVE-Vorsitzenden, das Gespräch mit JJ über die Pflege des Bergparks zu suchen und über ein zeitgemäßes Konzept nachzudenken, „heute wollen die meisten Menschen möglichst schnell, möglichst viel Geld verdienen“, sagt Morgenstern, das sei mit dem Neufville-Turm aber nun mal nicht möglich.bpa

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