GV Germania 1889 Bremthal schließt sein Liederbuch

Der Männerchor im Jubiläumsjahr 1964. Damals wurde der Verein 75, der Frauenchor wurde 1963 gegründet. Foto: Vereinsarchiv

„Wer nie weint und niemals trauert, der weiß auch nichts vom Glück, wer nur sucht, was ewig dauert, versäumt den Augenblick.“ Mit diesen Liedzeilen aus „Die Rose“

von Amanda McBroom, mit denen die Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins Germania 1889 Bremthal so oft ihre Stimmen erhoben haben, gelten nun ihnen selbst. Mit sofortiger Wirkung stellt der GV Germania 1889 Bremthal seine Vereins- und gesangliche Tätigkeit ein. Der Traditionsverein wird aufgelöst.

Die Corona-Pandemie, Nachwuchssorgen und damit einhergehender Mitgliederrückgang im aktiven Bereich haben den Vorstand und seine Mitglieder in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 19. August 2021 zu diesem Schritt veranlasst. Erste Vorsitzende Andrea Kleindienst, seit 16 Jahren im Amt: „Die Entscheidung fiel uns sehr schwer, aber wir sind realistisch. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Sängerinnen und Sänger beerdigen müssen, der Nachwuchs blieb aus. Ohne Sänger kein Chor. Wir haben ja auch einen künstlerischen Anspruch.“ Nach 13 Jahren Zusammenarbeit sei auch der Abschied vom beliebten Chorleiter Johannes Püschel allen sehr nahe gegangen. Eine Zusammenlegung etwa mit dem zweiten Gesangverein Liederkranz 1875 aus Bremthal kam nie wirklich in Betracht, erzählte Kleindienst, zu groß seien die „gewachsenen Unterschiede“.

Die Gründung des Gesangvereins Germania 1889 fiel mit dem Jahr der Einweihung der Kirche St. Margareta zusammen – deshalb, so die Erste Vorsitzende Andrea Kleindienst, führte der Verein im September 2019 das Festkonzert zum 130-jährigen Bestehen im genauso alten und im Frühjahr 2019 frisch renovierten Gotteshaus auf. Es war die letzte große Veranstaltung der Germania. 2020 läutete die Corona-Pandemie das Ende des Traditionsvereins ein. Zwar wurde im Oktober 2020 nach fünfmonatiger Pause ein Neustart mit der Wiederaufnahme der Chorproben in der St. Margareta-Kirche versucht, doch von dem dritten Lockdown im vergangenen Winter erholte sich der geschrumpfte Verein nicht mehr.

Kleindienst fasst 132 Jahre Vereinsgeschichte zusammen, erinnert an die schwierigen Zeiten während der beiden Weltkriege und an schöne Feste und großartige Auftritte. Stets sei der Chor für seine Mitglieder ein Ort der Zuflucht, vor allem aber der Freude und Geselligkeit gewesen.

1963 wurde der Frauenchor als zweiter Frauenchor im Main-Taunus-Kreis gegründet, 1964 feierten rund 200 Mitglieder des Vereins im Festzelt mit über 44 Vereinen Freundschafts- und Wertungssingen zum 75-jährigen Bestehen. 1981 wurde Diplom-Kapellmeister Bernhard Seelbach verpflichtet. Der Frankfurter spornte die stattlichen Germania-Chöre zu Höchstleistungen an. Die Zusammenarbeit hielt 27 Jahre.

1989 wurde der Germania-Männerchor 100 Jahre alt, der Frauenchor 25 Jahre. Sie feierten mit 81 Gastvereinen „ein grandioses bis heute unübertroffenes Fest“, berichtete Kleindienst. Damals wurde auch die neue Vereinsfahne eingeweiht. Sie bildet originalgetreu die historische Fahne nach.

Einzigartige Auftritte folgten, beispielsweise zusammen mit anderen Chören in der Alten Oper oder die für viele Chormitglieder unvergessliche Reise nach Rom mit Gesangsdarbietungen im Petersdom und St. Giovanni im Lateran (1996). Seit seiner Gründung probte der Verein im Saal des inzwischen längst geschlossenen Gasthauses Zum Schwanen.

Im November 2014 füllte der Chor beim Festkonzert zum 125-Jährigen die Comenius-Halle mit mehr als 300 Gästen bei seinem Musicalabend mit Melodien aus Film und Musical und einem Tag der Chöre.

Der Gesangverein Germania 1889 Bremthal wird vielen Menschen mit der Präsentation von unvergesslichen Konzerten, Fastnachtsveranstaltungen in der Comenius-Halle, dem Äppelweinfest, dem Backesfest, dem Höfefest und den Adventskonzerten in der Kirche St. Margareta, Vereins- und Chorreisen in Erinnerung bleiben.

Die von der Mitgliederversammlung einstimmig gewählten Liquidatoren, die Erste Vorsitzende Andrea Kleindienst, Schriftführer Klaus Nies und Kassiererin Eva Maria Falkenstein wickeln nun alle erforderlichen Geschäftsbereiche mit anwaltlicher Unterstützung ab.

Kleindienst: „Der Gesangverein bedankt sich bei allen Mitgliedern und Förderern für die vielen Jahre der Treue und der Unterstützung.“ EZ

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