Knop sprach am Mittwoch (2. September) im Rahmen der Reihe „Über Gott und die Welt“ der evangelischen Emmausgemeinde in Bremthal.
Die Veranstaltungsreihe steht 2026 unter dem Motto „Verantwortung für das Wir“ und fragt danach, was gesellschaftlichen Zusammenhalt trägt. Knop nahm dabei den Journalismus in den Blick. Vor rund 80 Zuhörern, darunter viele Leserinnen und Leser seiner Zeitung, warnte er vor den Folgen einer Medienwelt, in der journalistische Qualität weder erkannt noch geschätzt werde.
Auf Plattformen wie TikTok würden politische und gesellschaftliche Fragen auf kurze Botschaften und zugespitzte Parolen reduziert, falsche Informationen könnten sich rasch verbreiten. Empörung werde in Teilen der digitalen Öffentlichkeit stärker belohnt als Wahrhaftigkeit. Widerspruch und Kritik seien jedoch gerade Ausdruck einer freiheitlichen Gesellschaft, die eine Grundlage gemeinsam akzeptierter Fakten brauche. Problematisch werde es, wenn Menschen nur noch Informationsquellen nutzten, die ihre eigenen Überzeugungen bestätigten.
Die FAZ wolle Tendenzen mit unabhängiger, aufwendiger Berichterstattung begegnen, sagte Knop. Gerade weil politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge komplex seien, brauche es journalistische Einordnung und die Bereitschaft, auch die eigenen Annahmen zu prüfen.
Besonders groß ist die Herausforderung nach Knops Darstellung bei jungen Zielgruppen. Politische Informationen bezögen manche nahezu ausschließlich über soziale Netzwerke. Die FAZ investiere deshalb stark in digitale Angebote und wolle gerade jüngere Menschen auf diesen Wegen mit verlässlichem Journalismus erreichen.
Die gedruckte Tageszeitung werde mittelfristig nicht fortbestehen, spiele bei der FAZ mit einem Anteil von rund 40 Prozent der Einnahmen derzeit aber weiterhin eine wichtige Rolle. Knop verwies auf das dichte Netz von Auslandskorrespondenten und darauf, dass die Zeitung ihr journalistisches Personal ausgebaut habe. Als Besonderheit der FAZ nannte er zudem ihre Führungsstruktur: Statt eines Chefredakteurs gibt es dort Herausgeber. Diese Konstruktion solle journalistische Unabhängigkeit sichern und die Vielfalt verschiedener Meinungen innerhalb der Redaktion.
Zugleich stehe Qualitätsjournalismus wirtschaftlich unter Druck. Professionelle Berichterstattung sei teuer, sagte Knop. Viele Nutzer bezögen Informationen kostenlos über Suchmaschinen und Plattformen, während ein großer Teil der Werbeeinnahmen aus dem Onlinegeschäft inzwischen bei Unternehmen wie Google, Meta und Amazon lande.
Umso wichtiger seien zahlende Abonnenten. Nach Knops Angaben hat die FAZ ihre Gesamtauflage, alle Medien eingerechnet, auf rund 511 000 gesteigert. Zugleich müsse das Haus sein Produktangebot perspektivisch aus Kostengründen straffen.
Trotz aller Probleme sieht Knop weiterhin eine tragfähige Vertrauensbasis für etablierte Medien. Rund 80 Prozent der Menschen, so sagte er, hielten die Berichterstattung von Presse und öffentlich-rechtlichen Medien grundsätzlich für vertrauenswürdig. Der Begriff „Lügenpresse“, der während der Corona-Pandemie Konjunktur bekommen habe und von der AfD weiter verwendet werde, erreiche daher nur einen begrenzten Teil der Bevölkerung.
In der Diskussion räumte Knop zugleich ein, dass Medien Sorgen und Einwände mitunter stärker aufnehmen müssten. Bei der Berichterstattung über die Corona-Impfung etwa könne neben der Einschätzung der großen Mehrheit der Fachleute auch der Wunsch, möglichst rasch aus den Einschränkungen herauszukommen, die Perspektive mitgeprägt haben.
Auf die Frage, ob die Medien Angela Merkel während der Flüchtlingskrise zu unkritisch beurteilt hätten, verwies Knop auf die große Komplexität der damaligen Lage und die differenzierte Berichterstattung der FAZ über die Aufnahme von Asylsuchenden. Auch bei heutigen Themen wie dem Ausbau der Bundeswehr und dem Ukrainekrieg müssten Hintergründe oft noch verständlicher und ausführlicher erklärt werden.
Die anschließende Diskussion zeigte, wie sehr das Thema das Publikum beschäftigte. Zum Abschluss verabschiedeten die Besucher Carsten Knop mit langanhaltendem Applaus.Bernhard Heinz
Ein Bündis journalistischer Medien hat die Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“ vom 14. bis 19. September ausgerufen. Nach dem Wahlwochenende in Sachsen-Anhalt ist das gemeinsame Signal für Pressefreiheit und die Bedeutung von professionellem Journalismus für eine demokratisch verfasste Gesellschaft eher noch dringlicher geworden.
Mehr zur medienübergreifenden Initiative unter www.viele-stimmen.deEZ


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