Frauen aus Nigeria zwischen Angst und Hoffnung

Der Weltgebetstag im Emmaus-Gemeindezentrum war gut besucht.
            Foto: Helga Mischker

Der Weltgebetstag im Emmaus-Gemeindezentrum war gut besucht.

Foto: Helga Mischker

Dank der Initiative von Anja Kaiser und Iris Wirth, musikalische Leiterin der Musikgruppe Mayim, fand nach einem Jahr Pause wieder der Weltgebetstag der Frauen in Eppstein statt. Der Zuspruch war enorm, sämtliche Stühle im Gemeindezentrum Emmaus waren besetzt.

Die überwiegend weiblichen Teilnehmer feierten einen stimmungsvollen ökumenischen Gottesdienst und waren eingeladen, ihre Sorgen und Nöte in Form eines Steins, der am Eingang ausgegeben worden war, abzuwerfen. Das Motto war: „Kommt! Bringt eure Last.“

Frauen aus Nigeria verfassten diesmal die Liturgie des Gottesdienstes, hatten Liedstücke und Texte in alle Welt gegeben. In mehr als 120 Ländern feierten Gläubige am 6. März einen Gottesdienst und verbanden sich mit dem Leben der nigerianischen Frauen, also auch mit ihrem Leid.

Die Menschen in dem westafrikanischen Land sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Obwohl das Land dank großer Vorkommen an Öl, Gas und Gold reich an Bodenschätzen ist, leiden viele Menschen unter großer Armut. Das tägliche Leben ist außerdem geprägt von Gewalt, ob zu Hause oder auf der Straße. Zudem ist das Ökosystem des Nigerdeltas durch die Erdölförderung zerstört mit gravierenden Folgen für Fischerei und Landwirtschaft.

Nigeria ist mit 230 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land in Afrika, 60 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Im Süden leben überwiegend Christen, im Norden Muslime. Unabhängig von ihrer Herkunft erleben Frauen großen Druck, früh zu heiraten und Kinder zu gebären.

Das von Gift Amarachi Ottah geschaffene Titelbild „Ruhe für die Erschöpften“ des diesjährigen Weltgebetstags bringt die Bürde der Frauen zum Ausdruck. Es zeigt zum einen vier aufrechte Landfrauen mit sichtbaren Lasten auf dem Kopf, zum anderen drei gut gekleidete Stadtfrauen unter dem Einfluss unsichtbarer Belastungen, denn ihre Minen sind besorgt und finster. An ihren Trachten ist zu erkennen, dass sie die drei Hauptreligionen des Landes verkörpern: Christentum, Islam und traditionelle Religion. Auch wenn diesem Bild ein „Hoffnungsschimmer“ fehlt, lautet die Botschaft der nigerianischen Christinnen: „Wir schöpfen Kraft und Hoffnung aus unserem Glauben.“

Birgit Schmickler am Klavier und Christina Graf an der Geige begleiteten die Lieder im Gottesdienst musikalisch. Zu den Sängerinnen gehörten neben Kaiser und Wirth auch Ulrike Meyer, Michaela Stadler und Doro Seidel.

Acht Sprecherinnen wechselten sich beim Lesen der Texte aus der Gottesdienst-Broschüre ab. Berichtet wurde über Schicksale von Frauen, die trotz ihrer Sorgen die Hoffnung nicht verlieren. Beatrice beispielsweise erzählt, wie sie nach dem Tod ihres Mannes erst ihren Platz in der Gesellschaft verlor und diskriminiert wurde, sich dann aber mit anderen Witwen vernetzte und Hilfe organisierte, um das tägliche Leben ihrer Familie zu bewältigen. Die Christin Jato wiederum erzählt von ihrer Angst, dass ihre Tochter von islamistischen Terrorgruppen wie der Boko Haram entführt werden könnte und wie sie Kraft im Gebet findet.

Das Organisationsteam erntete viel Zuspruch nach dem Gottesdienst. „Das habt ihr gut gemacht“, sagte Gundy Sauer und Marianne Schmidt pflichtete ihr bei. Von so viel Leid zu hören, habe sie streckenweise aber auch traurig gemacht.

Wie in früheren Jahren gab es hinterher ein Buffet, das zahlreiche Helferinnen mit nigerianischen Köstlichkeiten bestückt hatten. Viele Teilnehmerinnen nutzten die Gelegenheit sich zusammenzusetzen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Letztes Jahr hat etwas gefehlt“, empfand Kaiser wie so viele andere Frauen, „deshalb sind wir, nachdem sich das ‚alte‘ Organisationsteam zurückgezogen hatte, selbst aktiv geworden, um den Weltgebetstag in Eppstein wieder zu ermöglichen.“ mi

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