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Fototage: Länder, Menschen und Natur mit Licht gezeichnet

Winfried Schwolgin erklärt Erika und Werner Mitsch und Heinz Seelig von der Krifteler Fotogruppe wie er digitale Bilder in analoge umwandelt.   Fotos: Beate Palmert-Adorff

„Wir sind mutiger geworden in Technik und Ausdruck“, zog Hartmut Amberger nach zweitägiger Fotoausstellung Bilanz.

Der Niedernhausener ist seit Jahren Mitglied in der Fotogruppe des Eppsteiner Kulturkreises und hat selbst bei seinen Herbst-Impressionen experimentiert, die er im Rahmen der 15. Eppsteiner Fototage am vergangenen Wochenende im Rathaus I in Vockenhausen zeigte. Wie gemalt sahen seine Fotos aus, bei denen er die Kamera während der Aufnahme von leuchtend gelben und roten Laubbäumen in schneller Bewegung meist von unten nach oben „gerissen“ hat. Dank langer Belichtungszeiten entstanden Bilder, die bei aller Unschärfe des Herbstlaubs die Baumstämme mit klaren Konturen abzeichneten.

Fotografieren sei nichts anderes als „Zeichnen mit Licht“, hatte Kulturkreis-Chef Horst Winterer in seiner Einführung zur Vernissage den Begriff übersetzt und fand viele weitere Beispiele dafür in der Ausstellung: Leuchtende Blütenblätter, in denen Fotografin Ingrid Fröhlich erste Frühlingsboten sah, aber auch ganz und gar abstrakte Fotoexperimente in leuchtenden Farben und schwarz-weiße Architekturaufnahmen, Bilder, die in exotischen Ländern oder direkt vor der Haustür enstanden. Frank Ickstadt hatte bei seinem schwarz-weiß-Foto eines Clownsfischs in seiner Anemone auf Farben verzichtet, um die Struktur der Anemone hervorzuheben.

In die – farbige – Unterwasserwelt der Mecklenburgischen Seen tauchte der 78-jährige Arnd Rödiger ein. Eigentlich fotografiert er entweder mit einer professionellen Spiegelreflex-Kamera oder eine günstigere Bridge-Kamera, die die Eigenschaften von Spiegelreflexkameras und Kompaktkameras vereint. Für sein Ausstellungsprojekt entschied er sich bewusst für eine technisch sehr einfache Kompaktamera: „Ich wollte einen Kontrapunkt setzen zu den teuren und technisch ausgefeilten Ausrüstungen und Objektiven, mit denen wir sonst fotografieren“, sagte Rödiger und präsentierte sonnendurchflutete Seelandschaften mit Algen und Gräsern.

Regen und Schneegraupel bestimmten die Motive des internen Wettbewerbs „Schlechtes Wetter“, so auch Wolfgang Krischkas Siegerfoto einer „Überfahrt nach Harris“, das den Blick durch die regenverschleierte Windschutzscheibe eines Bootes zeigt. Beeindruckende Portraits gelangen Hartmut Amberger bei einer seiner Trekkingtouren durch Nepal. Sechsmal schon besuchte er in den vergangenen zwanzig Jahren das Land am Himalaya und engagierte sich in sozialen Projekten direkt in Nepal. Inzwischen, so der Hobbyfotograf, unterstütze er den Verein Kinderhaus Katmandu.

Hobby-Fotograf Rainer Grett druckt seine Bilder selbst aus und erläuterte, wie Computerprogramme, kallibrierte Bildschirme und Drucker längst die Arbeit der analogen Fotografie im Fotolabor mit Entwicklerflüssigkeiten abgelöst haben. Aber noch immer sei es der schönste Moment, wenn das Foto auf Papier greifbar werde.

Auch die unterschiedlichsten Bildträger kamen in der Ausstellung zum Einsatz: hoch glänzendes Acrylglas, glattes Alu dibond-Material, Hartschaumplatten oder – recht neu auf dem Markt – ein Fotopapier aus Bambusfaser mit samtig matter Oberfläche, das, so Grett, „Grüntöne noch einmal besonders leuchten lässt“. Auf den besonderen Effekt von Leinwandstruktur setzte Yvonne Winterer bei ihren Venedig-Bildern: Eine rote Backsteinbrücke über einer spiegelnden Wasserfläche gefiel den Kollegen besonders gut.

Eine Dreifachbelichtung mit einer rissigen Hauswand als Untergrund für alte Backsteinfassaden über denen sich der leicht gedoppelte Markusdom wölbte, kam dafür beim Publikum sehr gut an.

Winterer hat sich Anfang des Jahres von der Fotogruppe getrennt und geht eigene Wege mit ihrer neuen Gruppe Foto aktiv. „Fotografieren ist absolut angesagt“, hat Winterer beobachtet und organisiert deshalb für interessierte Laienfotografen Ausflüge und besondere Events in der Gruppe.

Die Fotogruppe des Kulturkreises freute sich am Wochenende über einige Anfragen von Foto-Neulingen, die sich nach den wöchentlichen Treffen der Gruppe montags im Backhaus in Bremthal erkundigten.

Auch von befreundeten Fotogruppen aus der Region fanden viele den Weg in die Ausstellung und zu den einzelnen Vorträgen. Insgesamt blieb der Besuch an beiden Tagen dennoch hinter den Erwartungen der Gruppe zurück. „Das schöne Wetter war wohl Schuld“, vermutete Hartmut Amberger in seiner Bilanz.

Sehr gut angenommen wurde Winfried Schwolgins Mitmachaktion. Etliche Besucher brachten Dias oder Negative mit. Schwolgin zeigte ihnen, wie sie mit einfachen Halterungen ihre analogen Schätze fixieren und abfotografieren und im nächsten Schritt digitalisieren können.   bpa

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