Europart: Mit Kreativmarkt für Europa werben

Europart-Schatzmeister David Cason an seinem Stand mit Selbstgemachtem.
            Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Europart-Schatzmeister David Cason an seinem Stand mit Selbstgemachtem.

Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Chancen soll man nutzen, wenn sie sich auftun. Am vergangenen Sonntag lebte der einst von der katholischen Kirchengemeinde ausgerichtete und dann aufgegebene Kreativmarkt im Blauen Saal von Vockenhausen durch den Verein Europart als neuem Ausrichter wieder auf.

„Wir haben hier eine schöne Bühne, um unsere Idee der Freundschaften innerhalb Europas zu präsentieren“, erklärte Schatzmeister David Cason. Die noch immer sehr lebendigen Partnerschaften mit England, Frankreich und Lettland würde er gerne ausweiten. „Wir in Europa brauchen uns gegenseitig mehr denn je. Es ist so wichtig, dass man auch persönliche Kontakte mit den Menschen in unseren Nachbarländern pflegen kann“, erklärte er das Anliegen von Europart. Die Euphorie der Gründungsjahre hat sich über die Jahre in beständige, persönliche Freundschaften zwischen Familien verwandelt.

Es war und ist immer der persönliche Einsatz von Menschen, der Dinge ins Rollen bringt. Bereits rund fünf Jahre vor der Gründung des Vereins im Dezember 1991 hatte Gisela Rasper die Partnerschaft mit Langeais in Frankreich vorbereitet. Die guten Kontakte von Wolfgang Wilborn nach Mittelengland gipfelten in der Partnerschaft mit Kenilworth, einer kleinen Stadt in der Nähe von Birmingham. Es folgten, ebenfalls durch persönliche Kontakte der Familie Fluch initiiert, die Partnerschaft mit Aizkraukle in Lettland 1998 und nach der Wende 1990 mit Schwarza in Thüringen.

Immer war das Ziel, die Menschen in dem anderen Land näher kennenzulernen und Vorurteile auf beiden Seiten auf den Prüfstand zu stellen. Bei den gegenseitigen Besuchen gab es schon viele klärende Aha-Erlebnisse, in denen festgestellt wurde, dass man allen Vorurteilen zum Trotz in England gut essen kann, die deutsche Hausmannskost selbst den verwöhnten Gaumen von Franzosen beeindrucken kann und die Haltung der Gabel nicht zwingend Auskunft über die wohlerzogene Kultiviertheit des Gegenübers aussagt. „In vielen Aspekten sind wir uns in Europa sehr ähnlich, mit kulturellen Unterschieden im Detail“, so Schatzmeister David Cason. Der Engländer wuchs in Südafrika auf, arbeitete lange in England und lebt seit vielen Jahren mit seiner Frau in Deutschland.

In zwei äußerst amüsanten Büchern hat er mit aufmerksamem und liebevollem Blick die Feinheiten des täglichen Lebens unter die Lupe genommen. Zusammen mit selbstgemachtem Gelée und alten Stofftieren konnte man „Meet the Germans“ und „Meet the English“ beim Kreativmarkt erwerben.

Europart stellte sich mit Präsentationen und Infotafeln vor und mit Memory, Quiz und Puzzle bauten Kinder ihr Wissen zu Europa spielerisch auf. Kaffee und selbstgemachter Kuchen luden zum Verweilen ein. Für die „herzhafte Fraktion“ hatte Heinz Reinisch Brote mit Seranoschinken und selbstgemachtem Schmalz gespendet. Für sein bereits legendäres Schmalz hatte er Zwiebelchen und Schinken zusammen mit Gewürzen in einer Mischung aus Gänse- und Schweineschmalz gebraten. Ein Genuss, den Besucher von Veranstaltungen auf der Burg bereits zu schätzen wissen.

Im Saal boten 14 Teilnehmer Genähtes, Gestricktes, Gebasteltes, Witziges, Nützliches und Dekoratives an. Den Kontakt zu potenziellen Ausstellern bekam Cason sowohl von Bärbel Vogel, der Organisatorin des Niederjosbacher Hobbymarktes, als auch durch persönliche Ansprache der Aussteller des Bremthaler Höfefestes. So sah man beispielsweise beim Schmuck von Irmtraud Hein und bei den witzigen Drucken von Ute Reinecke bekannte Gesichter vom Höfefest. Reinecke präsentierte ihre experimentellen Radierungen, die sie mit zerschnittenen, geknickten und gehämmerten Zinkdruckplatten oder mit der Chine-collé-Methode herstellte und zu kleinen Leporellos oder Büchern zusammengefügt hat. Das „Tagebuch einer Nähmaschine“ wurde sogar schon im Klingspor Museum Offenbach ausgestellt.

Derzeit arbeitet sie mit einer Freundin an „Analoge Kollage im Kunstdialog“, die Ende 2027 in Bad Soden zu sehen sein wird. Am 27. September wird die herbstliche Ausgabe des Europart Kreativmarktes stattfinden. „Dann kommen wir nicht in Konflikt mit dem Markt in Niederjosbach, der immer am letzten Sonntag im Oktober stattfindet“, verriet Cason die Absprache mit Vogel.ffg

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