Burgverein: „Wir müssen gemeinsam für die Burg brennen“

Der Vorstand des Burgvereins wurde einstimmig bestätigt (v.l.): Museumsleiterin Monika Rohde-Reith, Erste Stadträtin Andrea Sehr, Stefan Sperzel, Patrick Klein, Benjamin Peschke, Joachim Souverein, Ramon Olivella, Annette Kapp, Ralf Weitbrecht, Michaela Glöckner, Nicole Mackovic und Franziska Zander.Foto: privat

Der Vorstand des Burgvereins wurde einstimmig bestätigt (v.l.): Museumsleiterin Monika Rohde-Reith, Erste Stadträtin Andrea Sehr, Stefan Sperzel, Patrick Klein, Benjamin Peschke, Joachim Souverein, Ramon Olivella, Annette Kapp, Ralf Weitbrecht, Michaela Glöckner, Nicole Mackovic und Franziska Zander.Foto: privat

Das Motto des Abends war schnell gefunden: „Wir müssen gemeinsam für die Burg brennen“, sagte Ramon Olivella, der qua Amt schon lange für die Burg brennt – und mit ihm das weitere Vorstandsteam des Burgvereins.

Dass Olivella in seinem Ehrenamt als erster Mann des größten Eppsteiner Fördervereins einstimmig wiedergewählt wurde, passte ebenso zu diesem harmonischen Abend wie die Wiederwahl seiner Vorstandskollegen Stefan Sperzel (Erster Kassenverwalter), Jochen Souverein (Zweiter Kassenverwalter), Ralf Weitbrecht (Pressesprecher/Öffentlichkeitsarbeit) und Marcus Berggötz (Beisitzer Vereinsausflüge). Neu im Führungsteam des Burgvereins ist Schriftführerin Franziska Zander, die schon vor Monaten interimsmäßig die Aufgaben der aus Eppstein ins Allgäu gezogenen Kerstin Schmitz übernommen hatte.

Für Andrea Sehr war es, wie sie sagte, „eine Herzensangelegenheit“, in der gut besetzten Kemenate das Wahlprozedere der jährlichen Mitgliederversammlung zu leiten. Die Erste Stadträtin, die gemeinsam mit Alexander Simon dem Vorstand des Burgvereins angehört, genoss es sichtlich, an diesem Abend in der Kemenate zu sein. Alexander Simon war zur gleichen Zeit in der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr. In ihrer kurzen Ansprache betonte Andrea Sehr, „dass wir auf Unterstützung angewiesen sind. Wir als Stadt allein können das nicht leisten. Mit unserer Burg haben wir etwas ganz Besonderes.“

Gut also, dass es den Burgverein gibt, der mit seinen vielen Freunden und Helfern ausnahmslos Gutes im Schilde führt. Die Renovierung des Mainzer Kellers schreitet voran, auch das Projekt „Stall am Westaufgang“ soll 2026 forciert werden. Das kleine Fachwerkhäuschen ist feucht und muss dringend saniert werden, damit es nicht einstürzt.

Im Mainzer Keller sind die Rohbauarbeiten quasi abgeschlossen: Bodenbeläge und Wandputz haben Helfer des Burgvereins seit Herbst soweit wie möglich entfernt. Vorige Woche nahm der Burgen-Experte Joachim Zeune die Baustelle unter die Lupe. Er bestätigt, dass sich die rund fünf Zentimeter dicke Zement-Putzschicht auf dem Gewölbemauerwerk aus einer früheren Sanierung wohl nicht mehr entfernen lasse, ohne das historische Mauerwerk zu beschädigen. Damit die Luft trotzdem im Raum zirkuliert und weitere Schimmelbildung verhindert wird, wird eine Lüftung eingebaut.

Das Nutzungskonzept des Burgvereins sieht vor dass der Verein den hinteren Raumteil durch eine Art Lettner abteilt, um ihn als Vereinsraum zu nutzen. Der vordere Teil soll öffentlich zugänglich sein. Wie der Raum konkret genutzt werden kann, hängt auch von der Entscheidung des Denkmalschutzes ab, der das Konzept genehmigen muss.

Denn der um 1400 errichtete Keller ist ein Relikt des 1823 abgebrochenen zweigeschossigen Kelterhauses. Laut Zeune wurde der Raum mit dem gemauerten Gewölbe von Anfang an als Lagerraum genutzt. Dafür spreche der leicht abschüssige Untergrund aus geglättetem Felsen, der erst in den 1970er Jahren einen Holzbodenaufbau erhielt.

Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith ergänzt, dass das Gebäude darüber seit 1410 als herrschaftlicher Wohnsitz genutzt wurde und nach der Übernahme der östlichen Burghälfte 1581 durch das Erzbistum Mainz als kurmainzischer Verwaltungssitz diente. Trotz seines Namens gehörte der Keller eine Zeit lang zum hessischen Teil der Burg. Die Mauern des Kellers datieren um 1400, die südliche Mauer am rückwärtigen Ende des Kellers, also die innere Burgmauer, wurde bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet.

1970 übernahm die Stadtwache den Raum. Damals wurde er erstmals restauriert. Vor allem für diese Baumaßnahmen wird der Löwenteil des Geldes verwendet, das der Burgverein zur Verfügung stellt: Mitgliedsbeiträge, Spenden, Erlöse aus dem Burgfest und anderen Aktivitäten. Finanzfachmann Stefan Sperzel präsentierte der Mitgliederversammlung die aktuellen Zahlen. Das Vermögen des Burgvereins beläuft sich auf 110 736 Euro. Gleichzeitig sind im vergangenen Berichtsjahr die Ausgaben wegen allgemeiner Kostensteigerungen auf 34 737 Euro gestiegen. „Wir hatten vor allem mit höheren Beschaffungskosten zu tun.“

Die beiden Kassenprüfer Peter Keller und Ulrike Hermann bescheinigten dem Finanzteam eine mehr als ordentliche Kassenführung und lobten die Umstellung auf ein neues Digitalsystem. Da Ulrike Hermann turnusmäßig als Kassenprüferin ausscheidet, wurde ihre Tochter Caroline Reiser einstimmig als Nachfolgerin gewählt.

Erfreulich: Der Burgverein erfreut sich weiterhin großer Wertschätzung und Beliebtheit. Wenige Stunden vor Versammlungsbeginn gelang es dem Vorstand beim Neubürgertreff auf dem Wochenmarkt, sieben neue Mitglieder anzuwerben.

So hat der Burgverein nach neuester Rechnung aktuell 737 Mitglieder. Diejenigen, die unter den rund 40 Besuchern der Mitglieder­versammlung in der bestens besuchten Kemenate dabei waren, wurden einmal mehr davon überzeugt, dass es eine gute Sache ist, den Burgverein zu unterstützten und sich für den Erhalt des Eppsteiner Wahrzeichens einzusetzen – gemeinsam für die Burg. raw/bpa

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