In 175 Jahren auf unzähligen Wettbewerben, Chorkonzerten und Reisen

175 Jahre Sängerbund: Feste im Jubiläumsjahr

Der Männerchor des Gesangverein Sängerbund Vockenhausen im 125. Jubiläumsjahr 1976.
            Foto: privat

Der Männerchor des Gesangverein Sängerbund Vockenhausen im 125. Jubiläumsjahr 1976.

Foto: privat

Mit ihrem Auftritt beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar starteten die beiden Chöre des Gesangvereins Sängerbund stilvoll ins doppelte Jubiläumsjahr: Der Männerchor wird 175 und der Frauenchor 50 Jahre alt.

Um Johanni, also Ende Juni des Jahres 1851, trafen sich acht junge Männer in Vockenhausen unter der Leitung des damaligen Lehrers Horst, aus „Liebe zum Gesang“, wie es im Protokollbuch aus dem Jahr 1890 zu entnehmen ist, und gründeten den „Gesangverein Sängerbund Vockenhausen“.

Auch die Namen der acht Gründer hat der damalige Vorsitzende Philipp Wolf aufgeschrieben: Franz Driesler, Friedrich Ickstadt, Johann Schmidt, Valentin Schütz, Adam Sossenheimer, Georg Wink, Franz und Josef Zimmermann trafen sich fortan regelmäßig zu den Gesangsstunden. In den ersten Jahrzehnten fanden die Proben in der Schule statt. Dabei war der Vorstand nicht zimperlich: Der Verein, so die Chronik, legte großen Wert auf den Besuch der Gesangsstunden und auf Pünktlichkeit. Unentschuldigtes Fehlen und Zuspätkommen wurden mit Geldstrafen geahndet.

1895 trat der Verein dem Nassauischen Sängerbund bei und erzielte in den Jahren darauf etliche Erfolge bei Gesangswettstreiten. Das 50-jährige Bestehen wurde 1901 gefeiert, von der 60-Jahr-Feier 1911 stammen die ältesten noch erhaltenen Fotos des Gesangvereins: Ein Gruppenfoto und ein Foto vom Festumzug durch die mit Birkenreisig geschmückten Straßen Vockenhausens. Damals zählte der Verein über 100 Sänger

Der Erste Weltkrieg brachte einen großen Einschnitt. Das Vereinsleben kam zum Erliegen. Zu den ersten Gesangsstunden nach dem Krieg trafen sich die Sänger 1920 und feierten 1921 das 70-jährige Bestehen. An der Feier zum 80-jährigen Bestehen 1931 nahmen 30 Vereine teil, die Sänger beteiligten sich beim Sängerbundfest in Frankfurt und Wertungssingen in Hofheim sowie dem Gausängerfest in Wiesbaden. 1940 wurden die Gesangsproben im Folge des Krieges eingestellt. Durch den Krieg verlor der Chor 16 Mitglieder. Am 26. Mai 1948 trafen sich 30 Mitglieder zur ersten Zusammenkunft nach dem Krieg – und danach wieder wöchentlich im Vereinslokal „Nassauer Hof“.

1951 feierte der Sängerbund drei Tage lang sein 100. Jubiläum. Dazu wurde ein Festzelt aufgebaut, ein großer Fackelzug mit befreundeten Gesangvereinen, Blaskapellen und Spielmannszügen aufgestellt und ein Wertungs- und Freundschaftssingen organisiert. 1957 verlieh der damalige Bundespräsident Theodor Heuss dem Verein die „Zelterplakette“, die höchste deutsche Auszeichnung für Amateurchöre.

1975 gründete der Verein einen Kinderchor. 60 Kinder nahmen an den Gesangsstunden teil. Im gleichen Jahr ließ sich der Sängerbund als eingetragener Verein beim Amtsgericht Idstein registrieren und bereitete sich auf das 125. Festjubiläum im September 1976 vor. Wenige Tage darauf, am 17. Oktober 1976 fassten sich die Frauen ein Herz und gründeten den Frauenchor unterm Dach des Sängerbund.

Von den Gründerinnen ist heute nur noch Gerda Menke dabei. Sie trat schon 1970 dem Gesangverein bei. Damals gab es noch keinen Frauenchor, aber ihr Mann Gerhard war Sänger und Vorstandsmitglied. Ihn wollte sie unterstützen und wurde bald als zweite Kassiererin in den Vorstand gewählt. Die Aktiven zahlten die Vereinsbeiträge während der Singstunde. „Bei den passiven Mitgliedern holten wir die Beiträge noch persönlich zu Hause ab“, erinnert sich die 78-Jährige. Ihre beiden Söhne gehörten zu den ersten Kindern, die im Kinderchor mitsangen. Als der Frauenchor gegründet wurde, war Gerda Menke unter den 20 Gründungsmitgliedern. Die Chorproben leitete damals der Dirigent des Männerchors, Peter Josef Ernst.

Menke erinnert sich an viele Feste und Auftritte, Fastnachtssitzungen mit Gesangseinlagen, Pfingstfrühschoppen und Herbstfeste. In 25 roten Fotoalben hat sie hunderte von Fotos chronologisch sortiert und so ein visuelles Gedächtnis aus 50 Jahren Vereinsgeschichte geschaffen.

In den Jahren darauf folgten etliche Auftritte, Chorkonzerte und Wertungssingen, gemeinsame Chorfahrten und schöne Ausflüge. Beim Weinpreissingen 1979 in Siefersheim in Rheinhessen beispielsweise holten beide Chöre in ihren Klassen die ersten Plätze und fuhren am Abend mit der Siegesprämie von 220 Flaschen Wein nach Hause. Die weiteste Konzertreise führte den Männerchor 1997 nach Spanien.

Seit 1982 nahmen die Sängerinnen und Sänger auch als gemischter Chor an Chorwettbewerben teil. 1988 übernahm Manfred Krieger die Leitung für beide Chöre und 1993 auch die Leitung des Kinderchors. Mit ihm erreichte der Verein weitere Erfolge. 1992 wurde Roland Häuber zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er führt den Verein noch heute.

2001 feierte der Verein sein 150-jähriges Bestehen. Der Männerchor zählte damals 42 Sänger, der Frauenchor 53 Sängerinnen und der Kinderchor 44 junge Sänger. Heute singen 22 Männer und 24 Frauen in den beiden Chören oder treten gemeinsam im gemischten Chor auf. Manfred Blum und Chronist Manfred Kilb sind mit fast 60 Jahren die Sänger, die am längsten aktiv im Chor sind. Kilb schrieb die Chronik zur 150-Jahr-Feier aus dem Jahr 2001 für die neue Festschrift fort und ergänzte sie bis 2025. Bei den Frauen sind Gerda Menke und Sabine Kammer am längsten dabei. Kammer fing 1975 beim Kinderchor an und wechselte später zum Frauenchor.

Der Kinderchor wurde 2010 aufgelöst, „nicht so sehr aus Mangel an Nachwuchs“, sagt Vorsitzender Roland Häuber, „sondern weil sich im Verein keine Betreuer fanden, die bereit waren, im Vorstand mitzuarbeiten. Hinzu kamen Sparmaßnahmen bei der Stadt, die insbesondere die Jugendarbeit der Vereine traf.

Vom Kinderchor der Gründungszeit sind einige Mitglieder noch heute dabei, entweder wie Gerda Menkes Sohn Jürgen im Männerchor oder wie Sabine Kammer, die bis heute im Frauenchor singt.

Bis 1903 war das Gasthaus „Zum Grünen Wald“ das Vereinslokal. Wegen des größeren Probenraums wechselten die Sänger für die Singstunden in den benachbarten „Nassauer Hof“ in der Hauptstraße 104. Gefeiert wurde häufig im Gasthaus „Zum Taunus“ der Familie Mohr in der Hauptstraße 89. Nach Schließung des Nassauer Hofs fanden die Sänger im Gasthaus „Zum Taunus“ ein neues Zuhause. Die Schließung dieses Gasthauses im Frühjahr 2020 traf den Verein hart. Wegen der Corona-Pandemie musste der Verein während der Corona-Lockdowns in den Jahren 2020, 2021 und 2022 ohnehin Zwangspausen einlegen. Geprobt wurde nur während der Sommermonate im Freien auf dem Bauhof des Rathauses Vockenhausen.

In dieser Zeit stellte die Stadt den neuen Vereinsraum, das ehemalige Domizil der Vockenhäuser Feuerwehr im Rathaus I, dem Vereinsring Vockenhausen zur Verfügung. Nach der Renovierung und Übergabe an die Vereine folgte im November 2021 der zweite Corona-Lockdown. Erst im März 2022 wurden die Proben wieder aufgenommen – unter strengen Auflagen. Im September 2022 fand die erste Veranstaltung des Vereins nach den Corona-Pausen statt, ein Herbstfest im Blauen Saal. bpa

Der Sängerbund Vockenhausen hat im Jubiläumsjahr noch einiges vor. Auch nach dem Festwochenende vom 29. bis 31. Mai, sind etliche Veranstaltungen geplant.

Höhepunkt ist nach der akademischen Feier mit geladenen Gästen das „Maitoberfest“ am Samstag, 30. Mai, um 19.30 Uhr im Bürgersaal in der Rossertstraße – „die Mottoparty des Jahres“, werben die Sänger.

Am „Tag des Liedes“ am Sonntag wird mit befreundeten Chören gesungen. Eingeladen sind neben einigen Chören aus der Region auch die Eppsteiner Gesangvereine. Der Liederkranz Bremthal ist mit seinem Projektchor 20vor8Chorisma vertreten, die Taunusliebe Niederjosbach hat ebenfalls zugesagt.

Weiter geht es am Sonntag, 21. Juni, mit einem Ökumenischen Gottesdienst zum 175. Jubiläum in der Kirche St. Jakobus in Vockenhausen – nebenbei auch der letzte Gottesdienst, den Pfarrerin Heike Schuffenhauer offiziell hält, bevor sie in Ruhestand geht.

Am 25. Oktober nimmt der Gesangverein Sängerbund am Kreis-Chorkonzert teil und gibt am 21. November in der Kirche St. Jakobus sein Jubiläums-Abschlusskonzert.

Im Dezember singen die Frauen, wie schon seit Jahren Tradition, im Adventsgottesdienst. Am dritten Adventswochenende gibt es ein Wiedersehen mit den Sängern auf dem Weihnachtsmarkt. Wie seit Jahrzehnten grillen sie frische Thüringer Bratwurst in ihrem Stand.

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