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Nicht jeder Waldweg muss für Wanderer geräumt werden

Vom Oberjosbacher Hang aus sind die abgestorbenen Bäume im Ehlhaltener Wald sichtbar.

„Eppsteins Förster sperrt illegale Mountainbike-Strecken und montiert Verbotsschilder, statt die Waldwege freizuräumen. Von Rückefahrzeugen hinterlassene Spurrinnen sind längst hart wie Beton“

– Mit diesen Vorwürfen wandte sich Eppsteins Nabu-Chef Torsten Wolf an die Eppsteiner Zeitung und kritisierte in einem Leserbrief zu unserem Bericht „Rücksichtslos im Wald unterwegs“, dass die Probleme nicht differenziert genug dargestellt würden.

Wolf ärgerte sich insbesondere über zum Teil seit Monaten nicht geräumte Wanderwege im Stadtwald und zählte sechs Beispiele auf, die ihm aus eigener Anschauung bekannt seien. Außerdem stelle er bei seinen Wanderungen fest, dass „auffallend viele Bäume umgestürzt liegen bleiben“ und ihre Kronen teilweise die Wege versperren. Am Hammersberg in Ehlhalten seien noch Sturmschäden von vor zwei Jahren wegzuräumen. Deshalb wundere er sich, so Wolf, dass die Stadt dem Abtransport von Bäumen nicht mehr Priorität einräume.

Revierförster Peter Lepke, den die EZ zu den Vorwürfen befragt hat, erläuterte, warum nicht alle Wege im Stadtwald instandgesetzt und nicht alle umgestürzten oder abgestorbenen Bäume beseitigt werden: „Die Hauptwanderwege sind frei“, sagte er. Das Forstamt, so Lepke, kontrolliere regelmäßig Waldränder und Bäume entlang dieser Wege und beseitige die Schäden umgehend. Dort greife die sogenannte Verkehrssicherungspflicht der Stadt, „aber viele Seitenwege und ausgewiesene Rückepfade sind davon ausgenommen.“

Der Grund sei einfach: „Unser Wald ist übererschlossen“, sagte Lepke und wies darauf hin, dass Eppsteins knapp 22 Kilometer langes Wegenetz im Stadtwald deutlich größer sei als der hessische Durchschnitt: „Wir sind von der Forstverwaltung sogar angehalten, einen Teil der Wege zu schließen.“ Unterm Strich gebe es viele gut erschlossene Rundwege und Querverbindungen für Wanderer.

Die von Wolf als Beispiele aufgeführten schadhaften Wege, vier in Ehlhaltener und jeweils einer in Eppsteiner und Vockenhäuser Gemarkung, kennt Lepke auch. Rund um Ehlhalten sind Wolf allein vier Wege aufgefallen, die seit Monaten nicht instandgesetzt wurden: Auf einem Wanderweg oberhalb des Friedhofs am Hammersberg, an einem Seitenweg entlang des Dattenbachs, in Höhe der Kläranlage. Querliegende Baumstämme versperrten den Rundwanderweg von Ehlhalten Richtung Vockenhausen am Dornholzberg unterhalb von Eppenhain, eine weitere Stelle entdeckte Wolf in einem Seitenweg Richtung Eppenhain.

Seit Jahren schon bemängelt der Ehlhaltener Jakob Becht den Zustand der Verbindungsstraße Am blauen Stein Richtung Eppenhain. Doch der wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Stadtrat Berthold Gruber, der sich ebenfalls für die Instandsetzung des Waldwegs einsetzt, sieht die Notwendigkeit: „Eigentlich müssten dort Entwässerungsrinnen verlegt werden, auch um darunter liegende Häuser Am blauen Stein vor Sturzregen zu schützen“, sagt er. Doch derzeit gebe es keine politische Lobby – und kein Geld für solche Maßnahmen.

Die Bäume am Rundwanderweg seien inzwischen weggeräumt, sagte Lepke, für die Instandsetzung der anderen Wege seien private Waldbesitzer oder das Land Hessen zuständig. Der Weg vom Blauen Stein nach Eppenhain ist zumindest teilweise städtisch, die angrenzenden Wälder Privatbesitz. Von der Waldfläche auf Eppsteiner Gemarkung sind knapp 1100 Hektar Staatsforst, 613 städtisch und knapp 250 Hektar Privatwald.

In Ehlhalten gibt es besonders große Privatwaldflächen. „Am Spitze Berg Richtung Schloßborn sind 85 Prozent des Waldes in Privatbesitz“, führte Lepke aus. Das erschwert die Bewirtschaftung und macht sie zum Teil unmöglich, weil die Flächen aneinandergrenzen und Wegerechte nicht geklärt sind.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurde in den Privatwäldern noch Brennholz eingeschlagen. Etliche Schonungen wurden mit Fichten bepflanzt. „Weihnachtsbäume waren ein beliebter Nebenerwerb in Ehlhalten“, sagt Lepke. Eigentlich müssten diese Bäume jetzt dringend gefällt werden, weil der Borkenkäfer ideale Brutbedingungen darin findet. Laut Waldgesetz sind auch private Waldbesitzer zur Beseitigung von Schädlingen verpflichtet. „Aber im Moment müssen viel zu viele Bäume gefällt werden, die Forstarbeiter und privaten Firmen kommen kaum nach,“ sagt Lepke.

Drei Harvester mit Rückefahrzeugen seien in Stadt- und Staatswald im Einsatz. Der Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer ist dramatisch. Auch bisher gesunde Fichten sind inzwischen in großem Umfang befallen. „Wir kontrollieren die einzelnen Bestände von Woche zu Woche und markieren viele Bäume erst unmittelbar vor der Ernte, weil sich das Schadensbild nahezu täglich verändert“, beschreibt Lepke die Situation. In der Mark bei Oberjosbach und im Nonnenwald bei Ehlhalten setzt das Forstamt inzwischen – als ultima Ratio – auch Schädlingsbekämpfungsmittel gegen den Borkenkäfer ein.

Für Laien sei der frühe Befall kaum festzustellen, sagt Lepke, „wenn die Rinde abfällt und der Baum offensichtlich tot ist, ist es für die Borkenkäferabwehr zu spät“, dann ist die Käferbrut längst geschlüpft und weitergeflogen. Viele tote Bäume bleiben stehen, weil die Waldarbeiter dort eingesetzt werden, wo die Chance besteht, angrenzende Bestände zu retten.

Sorgen bereitet dem Förster auch der Eichenprozessionsspinner. Ein Spielplatz am Waldrand in Bremthal wurde gesperrt, weil die Eichen befallen sind. Die feinen Haare der Raupen dieses Nachtfalters lösen allergische Reaktionen bei Menschen und Tieren aus.

In Vockenhausen wird ein Rückeweg gern von Anwohnern rund um Berg- und Freiherr-von-Ickstatt-Straße genutzt. Obwohl er als Wanderweg gekennzeichnet ist, gehört er laut Lepke nicht zum offiziellen Wegenetz, das vom städtischen Forstamt gewartet wird, und weist entsprechend tiefe Längsrillen auf. Er werde bei nächster Gelegenheit einen Trupp dorthin schicken und den Weg instandsetzen lassen, sagte Lepke im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung zu.

Nicht zuständig sei er für quer liegende Baumstämme und Baumkronen auf den Wanderwegen unterhalb der hohen Schneise, parallel zur B455, von Eppstein Richtung Fischbach. Der Wald dort sei dem Kelkheimer Revier zugeordnet und werde einschließlich der Wege der Natur überlassen. Die Fläche zähle zu den zehn Prozent Kernfläche im hessischen Staatsforst, die als Naturwald dauerhaft nicht bewirtschaftet werden. Geräumt werden entlang solcher Naturwaldflächen allenfalls Hauptwege, wie der Radweg im Goldbachtal, der ebenfalls an einen solchen Naturwald angrenzt. bpa

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