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Viel Aussicht, aber wenig Platz

Zu Füßen des Turms wurden etliche Bäume gerodet, die den Blick zur Altstadt verstellten.

Der Zustand des Neufville-Turms ist besser als befürchtet. Mauern, Turmplattform und das Dach des Saalbau genannten Anbaus sind dicht und weisen keine größeren Schäden auf.

Keller und die ehemalige Pächterwohnung über dem Saalbau haben die ehrenamtlichen Helfer um Peter Arnold in den vergangenen Wochen entkernt und, wie berichtet, vom Schutt befreit, damit Architekt Jan Hoffmann sich ein genaues Bild von der Bausubstanz machen konnte.

„So viel ehrenamtliches Engagement erlebt man selten“, sagte der Baufachmann vom Architekturbüro Dreier in Brechen beim gemeinsamen Pressetermin mit Mitgliedern der neugegründeten Neufville-Turm-Stiftung und lobte auch die fachmännisch ausgeführte Entkernung. Die Bausubstanz sei „erstaunlich gut“, führte er weiter aus. Feuchtigkeit im Keller und einige kleine Risse an der hangseitigen Terrasse zum Eingang und in einer Mauer des Saals seien „überschaubare Schäden“, die sich mit „relativ geringem Aufwand sanieren lassen“, so Hoffmann.

Das hörten die drei Stiftungsratsmitglieder, die zur Baustellenbesichtigung gekommen waren gern, Bürgermeister Alexander Simon, Claudia Piontke, die Vorsitzende des Verschönerungsvereins VVE, und Peter Arnold freuten sich, dass bislang kaum Geld für den Erhalt des Gebäudes aufgewendet werden musste und auch kein Druck für eine grundlegende Sanierung besteht: „Damit gewinnen wir Zeit, um ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.“

Viel Aussicht auf kleinstem Raum charakterisieren das Kleinod im Wald. Selbst der Saal im Anbau ist mit 30 Quadratmeter Grundfläche kaum größer als ein komfortables Wohnzimmer. Der Stiftungsrat hat sich deshalb schon Gedanken über verschiedene Sanierungsansätze gemacht und welche Nutzungen überhaupt möglich sind. Peter Arnold, der den Turm bei der Entkernung genau unter die Lupe genommen hat, sieht allein für die Sanierung verschiedene Möglichkeiten.

Rettende Idee für Neufville-Turm gesucht

Keller, Garten und Außengelände müssten auf jeden Fall renoviert werden, für welche Nutzung auch immer sich die Stiftung entscheidet. Der Wohnraum über dem Saalbau könnte wieder als Wohnraum ausgebaut werden, möglich wäre aber auch ein Abbruch des um 1955 entstandenen Walmdachs. Stattdessen könnte die ursprüngliche Dachterrasse mit gemauerter Brüstung wieder hergestellt werden. Im Saal selbst haben die Helfer unter dem Parkett den historischen Terrazzoboden entdeckt. Er könnte freigelegt und saniert werden. Auch einige Holztüren, die vermutlich noch aus der Bauzeit stammen, wurden beim Entrümpeln hervorgekramt.

Bis vor vier Jahren verpachtete die Stadt den 1894 von dem Frankfurter Bankier Alfred von Neufville errichteten Aussichtsturm, der den mittelalterlichen Burgturm in der Altstadt um etliche Meter überragt, an private Pächter. Sie öffneten den Turm am Wochenende für Besucher und verkauften Getränke und Kuchen. Seit dem Auszug des letzten Pächters stehen Turm und Anbau leer.

Vor rund einem Jahr haben Stadt und VVE gemeinsam die neue Stiftung auf den Weg gebracht. Die Stadt übertrug Turm, Anbau und das städtische, rund 33 000 Quadratmeter große Grundstück rund um den Turm in Erbpacht an den VVE. Bürgermeister und VVE-Vorsitzende sind kraft Amtes für den Stiftungsrat gesetzt, weitere Mitglieder sind Hansjörg Patzschke, Helga Mertens, Peter Arnold und der frühere Eppsteiner Bürgermeister Ralf Wolter. Ziel der Stiftung ist Sanierung und Erhalt des Neufville-Turms und Entwicklung und Umsetzung einer neuen Nutzung, die so wirtschaftlich ist, dass davon der Erhalt des historischen Gebäudes im Wald finanziert wird. Gedanken zur künftigen Nutzung gibt es schon. In den vergangenen Wochen habe er etliche Vorschläge gehört, berichtete Arnold. Als häufigster Vorschlag wurde der Ausbau zu einem Ausflugslokal oder zum Restaurant genannt. Einer der ungewöhnlichsten Vorschläge sieht den Bau von Baumhäusern als Ferienwohnungen in Baumkronen in der Nähe des Turms vor. Der Turm bliebe als Ausflugsziel erhalten, Der Saal könnte als Frühstücksraum und Lounge eingerichtet werden.

Fest steht: Eine Nutzung wie in den vergangenen Jahrzehnten schließt der VVE aus. Wegen unterschiedlicher Auflagen sei das Mischkonzept aus Pächterwohnung und Lokal nicht mehr möglich. Voraussetzung für eine intensivere Nutzung ist der Ausbau der Versorgungsleitungen und der Zufahrt. Allerdings ist es wenig wahrscheinlich, dass die Stadt dafür zurzeit Geld übrig hat.

Bleibt die Hoffnung auf einen Investor, der ein Konzept verwirklicht, das ausreichend Mittel erwirtschaftet für Unterhaltungskosten und Denkmalpflege-Aufwand sowie eine neue Wohnung. Denn, da ist sich Arnold sicher: „Nur, wenn da oben weiterhin jemand wohnt, kann verhindert werden, dass es wie vor einigen Wochen wieder zu Einbrüchen und Vandalismus kommt.“ bpa

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