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St. Laurentius: Turmbrüstung bröckelt, Sanierung verschoben

Thomas Joppen vor einem Brüstungselement, das noch nicht so stark zerfressen ist…

Der Glockenturm von St. Laurentius ist seit einigen Wochen eingerüstet. Dachdecker und Verputzer sollten eigentlich nur einige undichte Stellen unterhalb des Schieferdaches beseitigen und der Turmfassade einen neuen Anstrich geben.

Jetzt stellte sich heraus, dass der Schaden deutlich größer ist als gedacht. Schon vor einiger Zeit hatte die Kirchengemeinde Wasserflecken an der Turmdecke entdeckt und wollte verhindern, dass sie sich ausbreiten. Dank des Gerüstes konnte der Schaden nun auch von außen genau unter die Lupe genommen werden.

„Als wir jetzt bei der ersten Besprechung die Umwehrung von Nahem sahen, waren wir entsetzt über ihren Zustand“, berichtete Klaus Nies vom Verwaltungsrat der Pfarrei. Das Bistum hat inzwischen Gutachter beauftragt, darunter einen Steinrestaurator aus Stuttgart, um den Schaden aufzunehmen. Diese Arbeiten dauern noch mindestens bis Mitte September. Danach wird das Gerüst wieder entfernt und Pläne für die Restaurierung erstellt. Architekt Thomas Joppen aus Kelkheim rechnet frühestens in einem Jahr mit dem Beginn der Turmsanierung. Bei der Planung muss auch die Brutzeit des Turmfalkens berücksichtigt werden, den der NABU dort beobachtet.

Ursprünglich setzte das Bistum 40 000 Euro für die Arbeiten an. Das wird bei Weitem nicht ausreichen, befürchtet Nies. Ein genauer Kostenplan könne erst erstellt werden, „wenn wir wissen, was alles gemacht werden muss“, ergänzte Joppen.

Nahezu die gesamte Umwehrung aus Naturstein, die sich unterhalb des Turmdachs als Zierbrüstung um den viereckigen Turm zieht weist starke Schäden auf. Teilweise lösen sich Gesteinsbrocken, die vier Wasserspeier an den Ecken drohten herabzufallen. Seit einigen Monaten schon ist der Haupteingang gesperrt, weil Gesteinsbrocken herabgefallen sind. Seitdem nutzen Kirchenbesucher den Seiteneingang. Auch an den seitlichen Stützpfeilern müssen die Abdeckungen erneuert werden. Trotz dieser schlechten Vorzeichen ging die Gemeinde zunächst davon aus, dass am Turm einfache Reparaturarbeiten ausreichen, um ihn abzudichten.

Nun steht fest, dass die dekorativen Brüstungselemente erneuert werden müssen. Die Kirchenbauer ließen sie 1903 aus gelblichem Tuffstein aus der Eifel herstellen, der traditionell für Steinmetzarbeiten verwendet wird. Er hat eine große kulturhistorische Bedeutung in Bildhauerei und Architektur, ist aber auch sehr weich.

Joppen wies auf Spuren früherer Renovierungsversuche hin. Unterlagen, wie Pläne oder Rechnungen, die Aufschluss über die Arbeiten geben könnten, habe die Pfarrei anscheinend nicht aufgehoben, sagt Joppen. Auch im Bistum sei man noch dabei, das Archiv zu durchsuchen. So bleibt ihm nur Spekulation angesichts der unterschiedlichen Befunde. Bei genauem Hinsehen könne er drei unterschiedliche Sanierungsversuche, vermutlich aus drei verschiedenen Zeitphasen ausmachen.

So wurden einige Brüstungsteile bereits in früheren Jahrzehnten durch Steinmetzarbeiten erneuert. Sie sind am besten erhalten. Vermutlich aus den 1980er Jahren stammen Ergänzungen aus Kunststein oder Steinergänzungsmörtel, der eigens entwickelt wurde, um Steinmetzarbeiten durch gegossene Elemente einfacher und kostengünstiger zu ersetzen. Diese Kombination von Kunst- und Naturstein hat sich zumindest am Turm von St. Laurentius nicht bewährt. Irgendwann in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurden diese Brüstungselemente schließlich mit einer wasserabweisenden Farbe gestrichen, vermutlich in bester Absicht, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.

Diese wasserundurchlässige Schicht wurde dem Turm nun zum Verhängnis: Die Feuchtigkeit drang nur umso intensiver ein, konnte nicht Verdunsten und zersetzte so den Stein: Kreuzblumen und Wasserspeier sind korrodiert, die Form zum Teil nicht mehr erkennbar. Beim Entfernen dieser Farbe wurde nun erst das Ausmaß der Schäden offensichtlich.

Beim Rundgang um die Turmbrüstung wird deutlich, dass West- und Nordseite des Turms stärker unter der Witterung gelitten haben als Süd- und Ostseite, deutlich zu sehen ist das auch an der Holzverkleidung der Schalllöcher der Glockenstube, die unterschiedlich stark verwittert sind, oder an den Wasserspeiern: Auf der Nordseite wurde das auskragende Steinelement bereits komplett durch Kunststein ersetzt, Richtung Süden ist er verwittert, aber noch erhalten.

Die Wasserspeier sind das problematischste Element: Sie fangen das Wasser auf, das vom schiefergedeckten achteckigen Turmhelm auf die kleinen Eckbrüstungen des viereckigen Turms fließt. In diesen kleinen Zwickeln sammelt sich nicht nur Wasser; vor allem im Herbst verstopfen Blätter die beiden Ablaufrinnen hinter den vier kleinen Eck-Brüstungen. Diese Eckzwickel werden vorerst provisorisch mit einer flüssigen Kunststoffmasse abgedichtet, da die Zinkblechabdeckung teilweise undicht ist. „Eine dauerhafte Lösung ist das nicht“, betont Joppen, Die Abdichtung soll jedoch den Turm bis zum Beginn der eigentlichen, fürs kommende Jahr geplanten Sanierung vor Feuchtigkeit schützen.bpa

 

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