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Rettung für den Neufville-Turm

Stellvertretend für den neuen Stiftungsrat kamen Claudia Piontke, Alexander Simon, Ralf Wolter (v.li.). Sie zeigten zwei der historischen Fenster aus dem Neufville-Turm. Foto: bpa

Die Stiftung zur Rettung des Neufville-Turms ist gegründet.

Bürgermeister Alexander Simon, kraft Amtes Mitglied des Stiftungsrats, stellte den neuen Stiftungsrat vor und brachte, symbolisch für den 1894 errichteten Neufville-Turm zwei Bleiglasfenster mit, die einst Turmfenster oder Saalanbau schmückten.

Stellvertretend für den Stiftungsrat stellten Simon, die Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Claudia Piontke, und der frühere Eppsteiner Bürgermeister Ralf Wolter die Aufgaben der neuen Stiftung vor. Wolter, der vor zehn Jahren vorzeitig als Bürgermeister abdankte, war bis vor einem Jahr Geschäftsführer der Kur- und Kongress GmbH in Bad Homburg.

Simon hatte ihn angesprochen, ob er in der neuen Stiftung mitarbeiten wolle. „Wir wissen, dass er immer schon Denkmalschutz und Zukunftsvisionen zusammengebracht hat“, sagte Simon und erinnerte an Wolters größtes Projekt in Eppstein, den Umbau des Bahnhofsgebäudes zum Kulturbahnhof. Er fühle sich Eppstein immer noch verbunden, sagte Wolter, der inzwischen das Beratungsunternehmen „Living Monuments“ gegründet hat, das Menschen und Institutionen gewinnen will, um historische Gebäude zu retten. Das Ziel der Neufvilleturm-Stiftung, Altes zu erhalten und eine neue Nutzung zu finden, sei ihm selbst ein Anliegen, sagte Wolter, vor allem, wenn historische Bauwerke die Menschen berühren. Das sei beim Neufville-Turm der Fall. Der im Stil einer mittelalterlichen Burg mit Zinnen gekrönte Turm ist neben der Burgruine und dem Kaisertempel eines der drei Wahrzeichen Eppsteins.

Simon wies auf den finanziellen Spagat hin: „Wir müssen seriös rechnen. So wie bisher, mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen“, lasse der Turm sich nicht wirtschaftlich betreiben. Piontke ergänzte: „Wir müssen ein klares Bild von unserem Ziel zeichnen, um Spender zu überzeugen.“ Der ehemalige Zehnkämpfer Wolter formulierte es sportlich: „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon.“

Stiftung will ein Konzept für Neufville-Turm und Bergpark

Seit über einem Jahr suchen Simon und Piontke Mitstreiter für die neue Stiftung, um die Finanzierung auf mehrere Schultern zu verteilen. Die VVE-Vorsitzende hält das Engagement ihres Vereins in der neuen Stiftung für sinnvoll, schließlich kümmere er sich bereits um den Erhalt des Bergparks.

Schon Anfang des Jahres kündigte der Magistrat an, eine gemeinsame Stiftung zum Erhalt und der notwendigen Sanierung des Neufville-Turms zu gründen. Im April stimmte das Stadtparlament zu, kurz darauf der Verschönerungsverein. Am 7. November unterzeichneten Magistrat und VVE im Rahmen einer Sitzung des Stiftungsrats Satzung und Gründungsurkunde. Der Magistrat ernannte vier weitere Ratsmitglieder: Hansjörg Patzschke, Helga Mertens, Peter Arnold und den früheren Bürgermeister Ralf Wolter.

Ihre erste konkrete Aufgabe sieht die Stiftung darin, die Substanz des Turms und des Anbaus zu erhalten. Ein Baugutachter und ein Architekt seien mit der Bestandsaufnahme beauftragt. Vor allem die Feuchtigkeit setzt dem Gebäude stark zu. Simon räumt ein, dass die Stadt über Jahrzehnte hin „nicht so viel Geld in die Sanierung und die Pflege des Geländes gesteckt hat, wie eigentlich notwendig gewesen wäre.“ Der Turm ist seit über drei Jahren unbewohnt und wird zusehends vom Wald zurückerobert. Nur noch die oberste Mauerkrone ragt über die Baumwipfel.

Die bunten Bleiglasfenster mit gemalten Motiven aus der Geschichte der Bauherrn von Neufville, die Simon mitgebracht hatte, wurden vor Jahrzehnten demontiert und lagern seitdem im Archiv. Sie stehen symbolisch für das Ziel der neuen Stiftung, das burgähnliche Gebäude und das dazugehörige Areal im zweiten Sanierungsabschnitt in alter Schönheit wiedererstehen zu lassen. Denn die Stiftung verstehe sich nicht als „Reparaturbetrieb für einen alten Turm im Wald, der kaum zu sehen ist“, betonte Wolter. Der Turm sei kein Solitär, sondern Teil des gesamten Bergparks mit Taubenhaus, Villa Anna, bis hin zum Clara-Hilda-Felsen oberhalb des Bahnhofstunnels. Deshalb müsse der gesamte Bergpark für Besucher erlebbar, ein Nutzungskonzept erarbeitet und der Denkmalschutz ins Boot geholt werden, sagte Wolter und Piontke ergänzte: „Dazu müssten Sichtachsen zwischen den Gebäuden freigelegt und die Wege neu befestigt werden.“

Bisher stehen rund 200 000 Euro an Spenden für erste Sanierungsarbeiten am Turm zur Verfügung. Laut Simon werde die Neufvilleturm-Stiftung als Projektstiftung geführt, damit die Spenden in die Sanierung des Turms fließen können. Den Kapitalstock der Stiftung hat die Stadt mit 7500 Euro ausgestattet.

Die eigentliche Restaurierung des Turms könne erst geplant werden, wenn eine Entscheidung über die künftige Nutzung gefallen sei und ein Konzept vorliege. „Dafür wollen wir die Menschen gewinnen“, sagte Ralf Wolter. Jetzt sei es wichtig, Mitstreiter zu gewinnen, zu erklären „warum wir das machen“ Auch dafür sei die Stiftung gegründet worden.

Noch seien Formalitäten zu erledigen. Unter anderem muss der Erbpachtvertrag zwischen der Stadt und dem VVE für das Grundstück, auf dem der Neufvilleturm steht, formuliert werden. Der Turm bleibt damit weiterhin im Eigentum der Stadt und wird als Vermögen in die Stiftung eingebracht. bpa

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