Die Teilnehmer begaben sich auf eine Zeitreise in das Jahr 1776.
In ihrer Begrüßung nahm Rohde-Reith Bezug zur aktuellen Situation des Hauses Hessen, das derzeit zahlreiche Liegenschaften und Schlösser abgeben wolle. Sie schloss daraus, „dass wir heute froh sein können, dass die Hessen die Eppsteiner Burg schon 1776 verlassen haben“. Elegant hielt sie so den Roten Faden zum Motto des Spaziergangs und vermittelte die wechselhaften, geschichtlichen Verhältnisse.
Die westliche Burghälfte war damals Sitz eines hessischen Verwaltungsbeamten, nachdem die Herren von Eppstein 1492 verkaufen mussten.
1583 ging die östliche Hälfte an die katholischen Kurmainzer. Eine Burg, ein Landgraf, ein Kurfürst und zahlreiche Alltagsprobleme standen deshalb im Fokus der schauspielerischen Szenen der Eppsteiner Burgschauspieler, die dieses Mal mit 21 Darstellern aufwarteten.
Über den Alltag mit geteilter Burgherrschaft
Wegen der hohen Teilnehmerzahl half Burgschauspieler-Chefin Juliane Rödl zusätzlich bei der Koordination der sieben Spielszenen an den unterschiedlichen Plätzen entlang des Weges mit.
Vor dem alten Eisenbahntunnel trafen die Besucher zunächst auf „Caspar“, der am falschen Wochentag und dazu noch im falschen Gebiet Brennholz gesammelt hat – wegen des großen Holzbedarfs und der beiden Eppsteiner Herrschaften war das Brennholz-Sammeln streng geregelt und jeweils zweimal wöchentlich im hessischen Wald und zweimal im kurmainzischen erlaubt.
Caspar wurde mit vollem Korb vom Schultheißen nebst Gefolge überrascht. Die Museumsleiterin erklärte, dass ein Schultheiß damals auch Polizeiverwaltung innehatte und Bestrafungen durchsetzen durfte. Holzdiebstahl war ein schweres Vergehen, „denn Holz“, so Rohde-Reith, „war der wichtigste Rohstoff im 18. Jahrhundert“ – und entsprechend rar. Er wurde für Haus- und Schiffsbau, für Möbel, Kohle- und Glaserzeugung, und in jedem Haushalt fürs Heizen, Backen und Kochen benötigt.
Szene zwei spielte dieses Mal direkt auf dem Alten Friedhof in der Burgstraße. Beklagt wurde dort der frühe Kindstod, der so typisch für diese Epoche war. Der Verkehr kam aufgrund des großen Besucherandrangs vor dem Friedhof kurzfristig zum Erliegen, was aber von den Autofahrern mit Humor geduldet wurde.
Weiter ging es zum Fliedner-Haus am früheren Kelterhaus. Dort wartete auf die Spaziergänger eine typische Alltagssituation der damaligen Zeit: Zahnschmerz und wie er landläufig behandelt wurde. Heinrich, der so manche Wunde versorgte, sollte sich auf Bitten von Philipps Mutter um den schmerzenden Zahn des Jungen kümmern. Mit viel Wirbel und großem Getöse gelang es Heinrich schließlich, dem Jungen den Zahn mit seiner großen Zange zu ziehen. Natürlich nur gespielt. Lustigerweise für das Publikum, das den beliebten Burgschauspieler erkannt hatte, handelte es sich bei Heinrich mit der Zange um den Eppsteiner Richard El-Duweik, der als Zahnarzt in Niedernhausen praktiziert.
Passend dazu informierte Rohde-Reith über Heilkunde der damaligen Zeit. Ärzte gab es auf dem Land nur selten, so dass viele Patienten oft sich selbst überlassen waren.
Der Nachwuchs der Burgschauspieler bot in der Wooganlage eindrucksvolle Fechteinlagen und bewies sein darstellerisches Talent. Im Halsgraben erwarteten schon Bürger Johann und Bürger Ludovicus von der Bürgerwehr ihr Publikum. Sie klagten über die Frondienste für den Adel. Mit einer kleinen Schieß-Probe amüsierte Ludovicus, gespielt von Benjamin Peschke, die Zuschauer. Selbst beim dritten Versuch, war er nicht mit der Lautstärke des Knalls zufrieden.
Beim Aufstieg zur Burg deutete Rhode-Reith auf den Bettelbub und erzählte, dass dort der Holzdieb vom Bahnhof einsäße bis zum Prozess. Die Szene im Burghof beleuchtete die Zweiteilung der Burg. Volker Steuernagel als Hessischer Keller bezeichnete seine Seite als „wüstes Loch“. Toni Jäckel als Schultheiß versuchte zu vermitteln, war aber wenig erfolgreich. Als der hessische Keller auch noch erfuhr, dass seine Tochter Karoline zum katholischen Glauben übertreten wolle, um Johannes, den Mann ihrer Träume, zu heiraten, eskalierte die Situation. Man verabredete sich im Ostzwinger zum Duell, dem absoluten Höhepunkt des Osterspaziergangs. Es floss von Ludovicus Arm schließlich Blut – glücklicherweise nur Ketchup. Dennoch hatte er gewonnen, nämlich Karoline für seinen Sohn Johannes: die war längst zum katholischen Glauben übergetreten und hatte sich mit dem jungen Mann verlobt. Viele Spaziergänger fanden danach den Weg in die Juchhe, um bei den Burgschauspielern das Osterfest ausklingen zu lassen. sr


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