Home | Meine Eppsteiner | Geschichte

700 Jahre auf engstem Raum

Trotz Muttertag und der Ankündigung von Sturm und Regen war der Burghof am Sonntagnachmittag bei dann doch anhaltendem Sonnenschein gut besucht. Als Leiterin des Burgmuseums stellte Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith dort die Ausstellung „Rechte und Freiheit verbürgt und gesichert“ am internationalen Museumstag vor.

700 Jahre ist es im Jubiläumsjahr her, dass Eppstein die Stadtrechte dank des politischen Geschicks von Gottfried IV. erlangte. Eine riesige Menge Daten und Fakten hat sich seitdem angehäuft.

Es sei eine Herausforderung für sie gewesen, sagte Monika Rohde-Reith, daraus die Texte für die acht Schautafeln im kleinen Ausstellungsraum in der Sakristei der Burgkapelle zusammenzustellen.

Für jedes der sieben Jahrhunderte Stadtgeschichte fand sie eine herausragende Person, die für ihre Zeit steht und den Besuchern den Zugang zu einer Epoche Eppsteiner Geschichte erschließt.

Wie schon beim Neujahrsempfang, mit einer Spielszene um Gottfried IV., und beim Osterspaziergang, mit Szenen um Agnes und den Untergang der Herren von Eppstein, machte Rohde-Reith die Eppsteiner Geschichte auch bei der Ausstellungseröffnung mit ihren selbstverfassten Dialogen lebendig. Die Burgschauspieler standen als Darsteller zur Verfügung und hatten Ensemble-Mitglied Andrea Mauer um Unterstützung aus deren junger Theatergruppe in der Talkirchengemeinde gebeten. Viele Kinder im Alter zwischen 5 und 9 Jahren waren deshalb im Burghof dabei.

Die erste Szene spielte im 16. Jahrhundert: Der von Agnes zurückgewiesene Eberhard IV. von Eppstein-Königstein starb trotz einer weiteren Ehe kinderlos. Deshalb erbten die Söhne seiner Schwester Anna von Stolberg (Kristin Seemayer) Graf Ludwig II. (Elena Lepp) und Christoph (Jan Simon) die Hälfte der Burg, die nicht an die Landgrafen von Hessen gegangen war.

Ausstellung Rechte und Freiheit verbürgt und gesichert

Graf Ludwig II. hatte in Wittenberg studiert und war von Martin Luther und Melanchthon beeinflusst. Die Mägde (Edith Wißkirchen, Andrea Mauer und Beata Simon) mussten, wie sie lautstark zeterten, ihrem katholischen Glauben 1529/30 abschwören und protestantisch wie ihre neue Herrschaft werden. Träume der Stolberger platzten, die gesamte Burg in ihren Besitz zu bringen. Schlimmer: Sie verloren ihre Hälfte wegen der Kinderlosigkeit der beiden erbberechtigen Söhne und einem angeblich verloren gegangenen Testament zugunsten eines Neffens der beiden. Dahinter steckten wohl die Kurmainzer. Nach einer Belagerung eigneten diese sich die Stolberger Hälfte der Burg an und führten den katholischen Glauben wieder ein. Die Westhälfte der Burg blieb im Besitz der protestantischen Hessen.   

„Es ist viel passiert, das nicht zum Aufschwung Eppsteins beigetragen hat“, so die Archivarin. Der tiefste Einschnitt sei aber die Pest gewesen. Sie brach Anfang des 17. Jahrhunderts aus und flammte im Laufe einiger Jahrzehnte immer wieder auf. Nadja Gneupel spielte eine arme, deutlich von der Krankheit gezeichnete Frau mit an der Pest erkrankten Kindern (Finnya Schwenker und Michelle Machhammer). 

Auf Anordnung des Burgverwalters (Benjamin Peschke) schloss Hauptmann Hermann Wallrabe von Löwenstein (Volker Steuernagel) sie allesamt im Siechenheim ein, das in der Nähe von Staufenstraße und Fischbacher Weg gelegen haben muss. Allein 1606 und 1607 forderte die Pest 62 Opfer. Der Dreißigjährige Krieg mit vielen durchziehenden Truppen brachte ebenfalls harte Zeiten: Nur 50 Einwohner Eppsteins waren nach den Kriegswirren noch übrig. 53 Jahre später lebten schon wieder 170 Menschen in Eppstein, soviele wie 1350. 

Ein Modell von Eppstein im 17. Jahrhundert, angefertigt von Franz Burkhard und seit vielen Jahren im Museumsmagazin eingelagert, begeisterte die Besucher bei der Ausstellungseröffnung besonders. Es zeigt ein trotz allem recht stattliches Städtchen und die stolze, noch intakte Burg umgeben von Häuserreihen und die bebaute Stadtmauer.

Armut herrschte auch im 18. Jahrhundert und die Auseinandersetzungen über die Religion hielten an. Jakob Ludwig Fliedner (Albert Marthaler) setzte sich als toleranter protestantischer Pfarrer dafür ein, dass es auch eine Schule für die katholischen Kinder geben solle. Eingangs der Spielszene erklärte er den protestantischen Schülern (Sophie und Jana Honomichl, Benjamin Machhammer und Domino Hendriks), dass der Burgturm 38 Meter hoch ist. Zwei Kinder (Casian und Leonie Steuernagel) kamen auf ihrem Weg zur Arbeit vorbei. Sie mussten in die Mühle, weil sie als Katholiken von ihren Eltern nicht in die protestantische Schule geschickt wurden. 

Seiner Frau (Nicola Scherf) erklärte Fliedner: „Die Menschen sind arm, der Boden gibt nichts her und was sie ernten, da machen sie Branntwein draus“. 27 Brennereien hat es damals in Eppstein gegeben. Das war das Stichwort für Mundschenk Ramon Olivella, der diesmal nur einen Satz zu sagen hatte: „Wein sollten sie machen!“ Den schenkte er später zu den von Heinz Reinisch gestifteten Schmalz-broten aus. 

Den Fortgang der Eppsteiner Geschichte wird die Stadtarchivarin bei weiteren Jubiläumsveranstaltungen in Spielszenen vorstellen. Sie gab aber am Sonntag schon einen Überblick, der auch auf den Ausstellungsfahnen nachzulesen ist: Eppstein verlor weiter an Bedeutung. 1805 büßte es sogar die Stadtrechte ein. Dennoch zog der Flecken mit seiner Burgruine im 19. Jahrhundert Touristen in Massen an. Die Eröffnung der Main-Lahn-Bahn 1877 ermöglichte vielen einen Ausflug ins Taunusidyll. Zu den Bürgern Eppsteins, die auf den Stellwänden im Museum Erwähnung finden, gehört im 19. Jahrhundert die Bankiersfamilie Neufville, die die Villa Anna mit dem Bergpark erbaute und sich für Eppstein und seine Bürger stark machte. Auch die Gründung des Verschönerungsvereins fiel in diese Zeit.

 Monika Rohde-Reith sagte denn auch: „Der Reichtum Eppsteins ist der Geist seiner Bürger“. Sie widme die Ausstellung allen Eppsteinern, die Impulse einbringen. 

Sozusagen analog „liken“, mit Zettelchen mit Daumen hoch oder Daumen runter, können die Besucher des Burgmuseums die Persönlichkeiten aus der Geschichte Eppsteins auf einer Litfasssäule in der Sakristei. Bei einem Niederländer, Vater der fünfjährigen Domino Hendriks aus dem Schauspielerteam, hatte Anna von Stolberg einen Stein im Brett. Deren Tochter Juliana wurde mit der Geburt von Annas Enkelsohn Wilhelm von Oranien zur Stammmutter des holländischen Königshauses. Ende des Jahres, wenn die Ausstellung abläuft, werden die Likes zusammengezählt und die beliebteste historische Person ermittelt.    sp

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Hochzeitskulisse wird zur ständigen Heimat
4 Wochen 3 Tage
Auf Postkarten durchs historische Eppstein …
4 Wochen 3 Tage
Pulse of Europe: Wie eine neue Bewegung entsteht
6 Wochen 1 Tag
Kinderfreundliches Deutschland?
6 Wochen 2 Tage
Parkplätze noch bis Juli gesperrt
6 Wochen 3 Tage
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert