... am 14. Oktober 2001 hatte Volksfestcharakter. Knapp 1000 Eppsteiner drängten sich rund ums Festzelt und auf Gleis 1 und klatschten begeistert als pünktlich um 11.10 Uhr die erste S-Bahn am neuen Bahnsteig hielt und wenige Minuten zuvor auf Gleis 2 ein Sonderzug aus Hofheim geladene Gäste gebracht hatte. Gemeinsam mit dem damaligen Kreisbeigeordneten Jürgen Hielscher schnitten der damals neu gewählte Bürgermeister Ralf Wolter und der damalige Ortsvorsteher Helmut Kleindienst das Rote Band durch und gaben Brücke und Bahnstation offiziell frei.
Sonderausstellung zum Jubiläum im Heimatmuseum
Helmut Kleindienst hatte gemeinsam mit dem früheren Bürgermeister Richard Hofmann jahrelang um den neuen S-Bahn-Halt gekämpft. Seine Erinnerungen fließen auch in die geplante Sonderausstellung des Bremthaler Heimat- und Geschichtsvereins zum Jubiläum des S-Bahnhalts ein, die am Samstag, 24., und Sonntag, 25. Oktober, jeweils von 15 bis 17 Uhr im Heimatmuseum an der Alten Schule zu sehen ist. Neben Fotos, Plänen und Unterlagen zeigt der Verein einen der Spaten, ein Stück des Roten Bandes und ein Modell des S-Bahnhaltes, das die Baufirma der Stadt bei der Einweihung überreichte. Vereinsmitglied Lothar Herrmann hat es für die Ausstellung entstaubt und wieder instandgesetzt.
Kleindienst, der im Beirat der Immobilienfirma der Bahn und später im Aufsichtrast der DB tätig war, knüpfte seinerzeit Kontakte zu den verschiedenen Bahn-Vorständen, um das Projekt voranzutreiben. Im September 2000 gehörte er zu den fünf Männern beim ersten Spatenstich für die Bahnbaustelle.
Die Bahn musste die Eröffnung übrigens um rund sechs Monate verschieben: Die neue Haltestelle sollte eigentlich schon zum 1. Mai mit Beginn des Sommerfahrplans in Betrieb genommen werden. Wegen fehlender Genehmigungen aus dem Eisenbahn-Bundesamt und weil der Bau der Bahnsteige aus massiven Betonteilen länger dauerte als geplant, wurde der Halt erst im Oktober fertig.
Als Vorsitzender des Bremthaler Heimat- und Geschichtsvereins kennt Kleindienst außerdem die Historie seit dem Bau der Bahnlinie zwischen Höchst und Limburg 1877 durch die Hessische Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft. Einen ersten Vorschlag dieser Gesellschaft zum Bau eines Bahnhofs in Bremthal um 1890 lehnten die Bremthaler ab. Auch die Niederjosbacher machten damals nicht mit. 1913 jedoch zahlten sie die geforderten 12 000 Reichsmark und bekamen ihren Bahnhof. Die Bremthaler lehnten auch dieses Angebot ab. 87 Jahre später gab es in Bremthal immer noch etliche Gegenstimmen zum Bau des Bahnhaltepunkts. Davon ließen sich Befürworter wie Kleindienst und Richard Hofmann nicht beirren. Kleindiensts Traum reichte noch deutlich weiter: „Wir wollten damals eigentlich eine Art Ringverkehr mit festen Umsteigebeziehungen zwischen Frankfurt, Niedernhausen und Wiesbaden aufbauen. Auch Eppstein mit seinen drei Stationen sollte davon profitieren. „Einige Teilverbindungen gibt es inzwischen, aber ohne Zusammenhang oder Umsteigebeziehungen“, sagt er rückblickend und hält die Teilprivatisierung und die damit verbundene Gebietsaufteilung dafür mit verantwortlich. Auch ein Halt der Regionalbahn in Eppstein ist bis heute Wunschdenken geblieben.
Für viele Eppsteiner brachte der neue S-Bahn-Halt auch Nachteile, erinnert sich Kleindienst: Mit seiner Eröffnung kappte die ESWE ihre Buslinie nach Eppstein und fuhr nur noch bis Bremthal und Niederjosbach. Eppsteiner mussten den damals teureren RMV-Tarif bezahlen und konnten erst in Bremthal in den Bus nach Wiesbaden umsteigen oder mussten vom untersten Ende Bremthals zu ihren Zielen wie das Gewerbegebiet Valterweg am oberen Ende laufen.
„Davon war nie die Rede, als wir den Bremthaler Bahnhof planten“, sagte Kleindienst bei der Eröffnung. Rückblickend stellte er fest, dass 2001 ohnehin mit etlichen Einschnitten bei den Tarifzuschnitten zu rechnen war: Damals standen Neuverhandlungen über Tarifzuschnitte zwischen dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Wiesbadener Verkehrsgesellschaft ESWE an. Sie hätten auch ohne den neuen Bremthaler Bahnhof etliche Kürzungen für grenzübergreifende Linien gebracht.
So ist der Bremthaler S-Bahn-Halt für Kleindienst eine Erfolgsgeschichte: Bremthal wurde mit der eigenen Haltestelle „direkt an die zentrale Blutbahn des Rhein-Main-Gebiets“ angeschlossen, formulierte es der damalige RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann bei der Eröffnung am 14. Oktober 2001.
Unter den Neugierigen waren an diesem Tag auch der Bremthaler Otto Seibert mit seiner Frau Monika und den drei Kindern. Sie warteten auf Schwiegermutter Anneliese Sosnowski, die aus Hofheim angereist kam, um mit der Familie den 51. Geburtstag des Schwiegersohns zu feiern. „Eigentlich war es Zufall, dass wir genau zur Einweihung am S-Bahn-Halt waren“, erinnert sich Otto Seibert. Aufregend sei es trotzdem gewesen. Seine Schwiegermutter war unter den ersten Passanten, die über die neue Fußgängerbrücke liefen.
Für Seibert bedeutete der neue Halt in Bremthal eine große Erleichterung: „Vorher bin ich jeden Tag rund 20 Minuten nach Niederjosbach gelaufen, um von dort mit der Bahn zur Arbeit bei der Hoechst AG zu fahren und abends den gleichen Weg zurück.“ Seitdem brauchte er nur noch 5 Minuten zur Station. bpa



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