„Kommunalpolitik in einer kleinen Stadt hat Spaß gemacht“

Auf 37 Jahre in der Kommunalpolitik blickt der Niederjosbacher Elmar G. Alhäuser zurück – mit hauchdünnem Vorsprung sei er 1989 in den Ortsbeirat gewählt worden, erinnert sich Alhäuser. Die CDU errang damals erstmals einen vierten Platz im Ortsbeirat.

Alhäuser kandidierte auf Platz vier und zog in die Politik ein. In der konstituierenden Stadtverordnetenversammlung im April diesen Jahres wurde er verabschiedet nach über 30 Jahren in der Stadtverordnetenversammlung, der er von 1993 bis 2016 als Stadtverordneter angehörte und seit 2016 als ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat teilnahm.

In Niederjosbach, wo das Ehepaar Alhäuser seit 1979 lebt, gibt er ehrlich zu, war seine Frau immer bekannter als er: Sie arbeitete vor Ort in der Hausarztpraxis, trat sofort in den TuS Niederjosbach ein und engagierte sich in Kirchengemeinde und Caritas und später auch im Kirchenchor. An seine erste Ortsbeiratssitzung 1989 erinnert sich Alhäuser noch gut: „Damals wurde die sechste Variante einer Straße im Hollergewann diskutiert. Hoffnung auf ein Baugebiet machte sich kaum noch jemand.“ Regierungspräsidium und damaliger Umlandverband schoben sich gegenseitig die Zuständigkeiten zu. Zu dritt fuhren deshalb der damalige Bürgermeister Richard Hofmann, Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz und Alhäuser als Ortsvorsteher nach Darmstadt zum RP und von dort direkt zum Umlandverband nach Frankfurt – und plötzlich war das Baugebiet samt Straße wieder im Rennen. Hofmanns Nachfolger Ralf Wolter setzte es schließlich um.

„Dabei war ich damals beruflich sehr eingespannt“, erinnert sich der 81-Jährige. Für eine Unternehmensberatung war der Diplom-Kaufmann nach der Wende von 1992 bis 1995 in den neuen Bundesländern unterwegs, Alhäuser: „Für mich eine einmalige Gelegenheit diesen unbekannten Teil Deutschlands besser kennenzulernen.“ Er war vor allem in Sachsen unterwegs, um Unternehmen beim Übergang in die Marktwirtschaft zu betreuen. Sein Fazit: „Es gab ein paar schöne Erfolge, aber auch einige Niederlagen.“ Aus heutiger Sicht hätte einiges dort anders laufen müssen, „aber letztlich hatten Treuhandanstalt und die Banken das Sagen“.

Zu Hause stieg Elmar G. Alhäuser schnell zum Ortsvorsteher auf. Das G. stehe übrigens für Georg, der Name seines Großvaters, beantwortet Alhäuser eine lange gehegte Frage. Das Amt gab er ab, als er 2001 den Vorsitz in der Stadtverordnetenfraktion übernahm, 2006 wurde er Mitglied in der Kreistagsfraktion. Nach dem beruflichen Wechsel zum Verwaltungschef beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach hatte er schon vor seiner Rente 2010 mehr Zeit für die Kommunalpolitik als zuvor. Neben dem Fraktionsvorsitz war er im Haupt- und Finanzausschuss, zeitweise als dessen Vorsitzender.

In Eppstein begann 2001 auch ein neuer Bürgermeister sein Amt: Ralf Wolter. Alhäuser gehörte damals zum Team um CDU-Parteivorsitzende Christiane Nolte, das die Wahlkampagne für den auswärtigen Kandidaten in Eppstein leitete. Unter Wolters Regie wurde das Baugebiet Hollergewann, einige Jahre später die Bahnunterführung in Niederjosbach realisiert, das Bahnhofsgebäude in Eppstein gekauft, saniert und ein guter Pächter gefunden. Die Bahnhofssanierung sei gelungen, das Ergebnis eine gute Symbiose mit Bahn, Bus und Kulturlokal, so Alhäuser. Die Stadtentwicklungsgesellschaft und die Bürgerstiftung wurden gegründet und das umstrittene Baugebiet Bienroth auf den Weg gebracht. Im Hintergrund wirkte Alhäuser mit und sorgte für Konstanz in der Fraktion.

Vor genau 25 Jahren, im Oktober 2001, wurde der S-Bahn-Halt in Bremthal eingeweiht. Ein Manko räumt Alhäuser ein: „Uns ist es bis heute nicht gelungen, dass der Regional-Express in Eppstein hält.“ Dabei wäre das aktuell angesichts der Unzuverlässigkeit der S-Bahn eine wichtige Konstante. „Die RMV-Führung hat die Auszeichnung für den Bahnhof des Jahres gerne zur Kenntnis genommen und scheitert seit Jahren an einer Lösung.“

2009 musste die CDU aus dem Stand einen Ersatz für CDU-Bürgermeister Ralf Wolter nominieren, der vorzeitig aus dem Amt schied. Zusammen mit Bernhard Heinz gelang es Alhäuser, den parteilosen Ersten Stadtrat Peter Reus als Bürgermeisterkandidat zu gewinnen – Mit dessen Sieg gewann die CDU Zeit, den eigentlich als Nachfolger vorgesehenen Alexander Simon, damals noch Ortsvorsteher von Brem­thal, aufzubauen. Auch dabei wirkte Alhäuser hinter den Kulissen als Mentor mit. Auch jetzt nahm er Anteil an der Kandidatur von Dirk Büttner für das Bürgermeisteramt in Liederbach. Nach dessen Wahl Anfang September gehörte Alhäuser zu den ersten, die dem neuen Rathaus-Chef gratulierten.

2011 läutete Alhäuser den Generationswechsel in der Eppsteiner CDU ein und machte Platz für Christian Heinz als neuen Fraktionsvorsitzenden. „Dass Christian später in den Landtag nachrücken und nach der vorigen Landtagswahl zum Minister ernannt würde, ist, wie so vieles in der Politik, Zufall und nicht planbar“, so Alhäuser.

Rückblickend sagt der aus Trier stammende Alhäuser: „Kommunalpolitik in einer so kleinen Stadt hat Spaß gemacht.“ Dass er nicht in der Opposition, sondern in der größten Fraktion saß, habe dazu entscheidend beigetragen: „Da konnten wir einiges mitgestalten“. Er ist überzeugt: „Im Eppstein von 1989 will heute keiner mehr leben!“ Schule und Brandschutz etwa seien viel schlechter gewesen als heute. Aber es gehe auch um Verantwortung und manchmal auch um unpopuläre Entscheidungen.

Die Grundsteuererhöhung auf 1450 Prozent 2026 hätte ein Jahr früher kommen müssen. Leider sei das Stadtparlament nicht dem Vorschlag des Magistrats gefolgt, sagt Alhäuser, „So haben wir ein Jahr lang erfahren müssen, dass es die Stadt noch teurer kommt, wenn ein Haushalt nicht genehmigt ist.“ Denn der weitaus größte Teil der städtischen Ausgaben seien Pflichtaufgaben, also unabwendbar.

Bis heute ist er überzeugt, dass die Entscheidung für eine Stadtfeuerwehr mit fünf Standorten in den Stadtteilen richtig war: „Jede Zusammenlegung hätte auch Geld gekostet und hätte unterm Strich die Fahrzeiten verlängert.“ Stattdessen wurde in die bestehenden Standorte investiert und ein neues Gebäude für die Feuerwehr Vockenhausen gebaut. Die Bahnunterführung in Niederjosbach war ein weiteres strittiges Thema „mit gutem Ergebnis“, sagt er. Der Schulbus konnte eingestellt werden „und der weitaus größte Teil der Grundschüler läuft zu Fuß zur Comenius-Schule“. Mit den Kunstrasenplätzen in Bremthal und Niederjosbach ist die Stadt für den Sport gut aufgestellt, die Hallenkapazitäten seien aber eng.

Ein weiteres Projekt, die neue Kita auf dem städtischen Areal an der Embsmühle, ist aus seiner Sicht nicht komplett: „Wenn wie geplant außer der Kita und dem Kunstrasenplatz ein kleines Wohngebiet auf dem restlichen Sportplatzgelände gebaut worden wäre, hätte die Stadt auch Geld eingenommen.“

Als Alhäuser sich 1989 für die Politik entschied, trat er konsequenterweise auch in die CDU ein „Wenn ich etwas mache, dann gründlich“, sagte er einmal in einem Gespräch. Dazu gehört die regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen ebenso wie die Kenntnis der Grundlagen wie Hessische Gemeindeordnung und die Geschäftsordnung der Gremien.

„Kommunalpolitik ist komplex, man kann nicht alles abdecken und muss sich auf seine Schwerpunkte konzentrieren. Fachlich gut besetzte Fraktionen haben es da leichter.“ Als Diplom-Kaufmann war für ihn die Umstellung von der Kameralistik auf die Doppik, das Buchführungssystem der Kommunen, eine spannende Phase gewesen. Die Einführung, die er seit 2007 ebenfalls miterlebt hat, sei „ein Riesenpaket“ für die kleine Verwaltung gewesen. Aber die Mitarbeiter hätten das gut gemeistert. Auf der im Jahr 2012 erstellten Eröffnungsbilanz basieren die städtischen Haushaltspläne bis heute.

Die Zeit in der Kommunalpolitik war für ihn persönlich bereichernd. Es seien etliche Freundschaften entstanden. Aber es gab auch schwere Stunden. Beim CDU-Empfang am 22. Januar 2011 wollte er den Gästen nur das Wahlprogramm vorstellen. Aber er musste als Fraktionsvorsitzender auch die aktuelle Nachricht vom Tod Ursula de Leuw-Schultes, der Ortsvorsteherin von Vockenhausen und einer guten Freundin, mitteilen. bpa

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