Helt Oncale – Musik wie der tiefe Süden Louisianas

Der Musiker Helt Oncale gründete vor 30 Jahren in Eppstein sein Musikgewerbe. Foto: bpa

Der Musiker Helt Oncale gründete vor 30 Jahren in Eppstein sein Musikgewerbe. Foto: bpa

Seit rund 15 Jahren bereichert der Brem­thaler Musiker Helt Oncale den Music Brunch der Stiftung der evangelischen Emmausgemeinde mit dem künstlerischen Part dieser jährlichen Veranstaltung.

Doppelt so alt ist das Musikgewerbe, das der US-Amerikaner vor genau 30 Jahren bei der Stadt Eppstein angemeldet hat. Daran erinnerte Bürgermeister Alexander Simon bei Südstaaten-Musik und Brunch mit leckerem Buffet am vergangenen Sonntag. Simon gratulierte dem Bremthaler Musiker während der Veranstaltung und nannte ihn einen „hervorragenden Botschafter der Burgstadt“. Was vor 30 Jahren mit Mut, Leidenschaft und einer klaren Vision begann, so Simon, habe sich zu einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte entwickelt.

Der Musiker, der offensichtlich nichts von der Ehrung gewusst hatte, freute sich umso mehr und spielte spontan ein Lied, das er selbst am Ufer des Mississippi geschrieben habe: „On the river“ erzählt von Kindheit und Aufwachsen am „muddy River“. An seiner Seite, kongenial Yannik Monot mit seiner Blues-Harp. Das Publikum im Saal der Em­maus­gemeinde applaudierte begeistert. Hansjörg Gerny von der Emmaus-Stiftung weiß: „Viele Gäste kommen hauptsächlich wegen Helt Oncale zum Brunch.“ Gerny hätte sich allerdings noch mehr Zuspruch gewünscht. 50 bis 60 Besucher zählte er am Sonntag:. „In guten Jahren kamen doppelt so viele.“ Doch die Stimmung im Haus und auf den Bänken davor war gut, auch dank Thomas Klug-Gottron, der für Auf- und Abbau und die Organisation des Buffets zuständig war.

Helt Oncale erinnert sich noch gut an seine ersten Jahre im Taunus: 1996 war der Musiker gerade mit seiner Familie nach Eppstein gezogen, in eines der Häuser in der Lorsbacher Straße im Lorsbachtal Richtung Hofheim. Da Renate in Frankfurt arbeitete, suchte das Paar eine Wohnung im Rhein-Main-Gebiet, die groß genug für die wachsende Familie war: „Mit jedem Kind zogen wir in eine größere Wohnung um“, erinnern sich beide lachend. Zwei Jahre später zog die Familie nach Bremthal ins damals noch recht spärlich bebaute Wohngebiet rund um den Hessenring.

Beide Töchter sind in Bremthal aufgewachsen. „Mir gefiel es, dass die Kinder genau wie ich in meiner Kindheit in der Natur spielen und auf Bäumen klettern konnten“, sagte der Musiker. Die beiden sind mit 31 und 28 Jahren längst erwachsen. Über den Konfirmandenunterricht der Töchter, vermutet Ehefrau Renate, könnte seinerzeit der Kontakt zur Emmausgemeinde zum Music Brunch entstanden sein.

Kennengelernt haben sich die gebürtige Bonnerin und der in New Orleans geborene Musiker während Renates Auslandssemester als Jura-Studentin in New Orleans Mitte der 1980er Jahre. Oncale verdiente sich schon in den 1970er Jahren sein Studium der Economic Sciences mit seiner Gitarre in sogenannten Coffee-Houses, wie die vielen Kleinkunstbühnen damals genannt wurden, tourte als 19-Jähriger mit seiner Gitarre, Fiddle, Mandoline und Banjo durch die Vereinigten Staaten, spielte sich durch die Clubs und Bars der weltberühmten Bourbon Street in New Orleans und ergatterte als junger Musiker dort ein festes Engagement an einer offenen Bühne. „Da kommt die ganze Welt vorbei“, erinnerte sich Helt Oncale. Eines Tages lief ihm die junge Studentin aus Deutschland über den Weg.

Schnell stand für die beiden fest, dass sie zusammen bleiben wollen. „Meine Eltern waren damals ziemlich geschockt, als ich anrief und erzählte, ich hätte da so einen Musiker kennengelernt und wolle nicht mehr weiter studieren“, erinnert sich Renate Oncale lachend. Zurück in Deutschland, Ende der 1980er Jahre, arbeitete sie in der Verwaltung unterschiedlicher Unternehmen, unter anderem in der Hotelbranche. Inzwischen ist sie Projektmanagerin bei einer IT-Firma. Ihre Eltern waren schnell versöhnt und schlossen den Schwiegersohn ins Herz, sagt Renate Oncale. Er war als junger Familienvater viel auf Tourneen, kennt seitdem, wie er sagt, sämtliche Autobahnen Deutschlands und etliche Nebenstrecken.

In den 1990er Jahren standen die neuen Bundesländer auf seiner Route. Viermal gewann er den Award der GACMF, der German American Country Music Federation als „Musiker des Jahres“.

Corona habe einen herben Einschnitt gebracht, sagt der Vollblutmusiker. Zuerst lief gar nichts mehr. Viele Veranstaltungsorte machten damals für immer dicht, andere sind nur noch eingeschränkt geöffnet. Dennoch sei er immer noch voll im Geschäft und findet, dass Künstler in Deutschland vergleichsweise gut behandelt werden.

Seine Musik, so der 74-Jährige, passe in keine Schubladen. Er spiele Blues, Jazz, Swing, Boogie, Rock-Oldies und Cajun-Musik – der Klang seiner Heimat Louisiana. Ihr widmet er sich im „Cajun-Trio“ mit seinen Musiker-Kollegen Yannik Monot und Biber Herrmann.

Voriges Jahr feierten die drei das 20-jährige Bestehen ihres Trios mit einer Jubiläums-Tour. Am kommenden Wochenende sind sie beim „Sound of Idstein“, 19. bis 21. Juni, in der Idsteiner Altstadt zu hören. Sie spielen am Freitag um 21.30 Uhr vor dem Idsteiner Hotel Felsenkeller, am Sonntag sind sie beim Apothekerfest in Wiesbaden zu hören und am 4. Juli beim Festival auf der Army Military Base, ebenfalls in Wiesbaden.bpa

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