Wiedersehen mit Blick in die Welt

Geduldig warteten die Gäste des Neujahrsempfangs auf Reden, Lied- und Instrumental-Vorträge.

Mit seinem Lied „See You again“ traf der Chor „Resonanz“ der Musikschule Epp-stein-Rossert den Nerv des Neujahrsempfangs der Stadt.

Nach zwei Jahren Corona-bedingter Pause freuten sich die Besucher im gut gefüllten Bürgersaal sichtlich, einander wieder persönlich alles Gute fürs neue Jahr zu wünschen und es dauerte eine Weile, bis sich die Konzentration der Bühne zuwandte. Dann harrten jedoch viele geduldig aus bis zum krönenden Abschluss mit dem Harfenisten Iván Goméz und erklatschten sich nach gut zwei Stunden Reden und Ehrungen sogar noch eine Zugabe von dem jungen Musikschullehrer. 

Die Musikschule übernahm anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens 2022 die musikalische Gestaltung des Neujahrsempfangs. Auch die zweite Solistin, Susanne Mauer, erhielt für ihre charmant vorgetragenen Lieder „Ice-Creme“ und „Diamonds are a Girls best Friends“ stürmischen Applaus. Und selbst „Bürger Jordan“, EZ-Kolumnist Volker Steuernagel, hatte gegen Ende noch die Aufmerksamkeit des Publikums bei seinen gereimten Spitzen gegen Politik und Zeitgeist. 

Politik und Zeitgeist waren auch die Themen, die Stadtverordnetenvorsteher Bernhard Heinz für seine Neujahrsansprache gewählt hatte. Eindringlich mahnte er, angesichts zunehmender Ausschreitungen in Deutschland, beispielsweise gegen Rettungskräfte, die Errungenschaften der europäischen Freiheitskultur zu schätzen und betonte, dass Freiheit nie umsonst zu haben sei. Es brauche immer engagierte Menschen, die dafür einstehen.

Wie schwer dieses Einstehen für die Freiheit in totalitären Systemen sein könne, zeige sich im Iran, wo Demonstranten zum Tode verurteilt oder in Russland, wo Dissidenten in Straflagern gequält werden. Autoritäre Regime in der ganzen Welt, von Russland, Iran bis Nordkorea könnten mit ihren Handlungen „ganz schnell unser Leben beeinflussen“, betonte Heinz. Mit Lügen, Willkür, Bevormundung und Rechtlosigkeit unterdrücken sie die Menschen und sichern sich durch Polizeigewalt und Kontrolle der Medien ihre Macht. Die Ukraine, die sich für ein freiheitliches System entschieden habe, werde mit Krieg überzogen. 

Bürgermeister Alexander Simon blickte auf drei schwierige Jahre zurück mit ungeahnten Herausforderungen.

Viele Projekte und Freude übers „unzerstörbare Eppstein-Gen“

2020 und 2021 waren geprägt von der Corona-Pandemie: „Prioritäten verschoben sich. Persönliches, Unternehmerisches und auch Politisches musste neu sortiert werden“, fasste der Bürgermeister in seiner Neujahrsansprache zusammen. Seit Februar 2022 führe Russland einen rechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine und stelle die Kommunen vor neue Aufgaben, „die nicht klassisch in Handbüchern oder Aufgabenbeschreibungen nachzulesen sind“, führte Simon aus und nannte als Beispiel die Unterbringung geflüchteter Menschen; eine Aufgabe die Kreis und Kommunen nicht allein bewältigen könnten. 230 Ukrainerinnen leben inzwischen in Eppstein, etwa 30 waren es vor dem 24. Februar 2022. Viele der Neuankömmlinge leben entweder in Unterkünften des Kreises oder der Stadt, die große Mehrheit jedoch sei in privaten Wohnungen untergekommen. Aber nicht nur Ukrainer suchen in Eppstein Obhut. Er hoffe, dass die Stadt bei der Wohnungssuche auch in den kommenden Monaten auf ihre Bürgerinnen und Bürger zählen könne.

Den Blick über 2023 hinaus richtete Simon bei der Neuauflage des Regionalen Flächennutzungsplans, der bis 2030 mit breiter Beteiligungsmöglichkeit der Bevölkerung neu aufgestellt werden solle. Für Eppstein gehe es nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen für neue Gewerbeflächen und Unternehmen, sowie die ein oder andere Wohnbaufläche.

Eile geboten sei dagegen bei den Plänen für die neue Kindertagesstätte an der Embsmühle. Dennoch wolle die Stadt die Bedenken der Anwohner prüfen, vor allem die Eingaben zur Verkehrsentwicklung und zum Lärm. Auch über die Zukunft der ehemaligen Sparkassenakademie werde sich die Stadt Gedanken machen. Die Nacht- und Nebelaktion mit der sich der Sparkassen- und Giro-Verband nach über 40-jähriger Partnerschaft aus Eppstein verabschiedet habe, sei „geradezu unanständig“ gewesen, kritisierte Simon den Sparkassenverband unverblümt. Nun wolle die Stadt nach vorne schauen und die Bevölkerung bei der städtebaulichen Entwicklung des Areals beteiligen.

Definitiv weiter gebaut wird auf der Burg. Der Turm sei zwar saniert, dafür steht nun die Mauer zwischen Kemenate und Museum als nächstes großes Projekt bevor. In der Cuntzstraße werden neue Wasser- und Kanalleitungen verlegt, die Kernstadt bekommt Glasfaserleitungen und mit dem neuen Kunstrasenplatz für den TuS Niederjosbach werde ein Großprojekt umgesetzt.

Die Jugendarbeit ruft zum Mitmachen beim Projekt „Mach5“ auf. Der Startschuss fällt am Freitag, 10. Februar. In wenigen Wochen werde die Fastnacht gefeiert, im Sommer stünden zahlreiche Feste in allen Stadtteilen an.

Obwohl die Eppsteiner in der Pandemie sehr umsichtig waren und Eppstein oft die Stadt mit den niedrigsten Inzidenzen war, sei der Drang der Eppsteiner sich zu treffen ungebrochen. Die Geselligkeit liege den Eppsteinern wohl in den Genen, vermutete der Rathauschef launig. Dieses „Eppstein-Gen“ sei unzerstörbar frohlockte er und erinnerte an die gut besuchten Veranstaltungen, Adventsmärkte in den Stadtteilen, Adventsfenster und den Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Die Stadt brauche Menschen, die positiv in die Zukunft sehen, die für andere da sind und soziale und gesellschaftliche Aufgaben wahrnehmen, das sei das Eppsteiner „Geselligkeits-Gen“, so Simon, „es ist noch da“. 

Urkunden und Ehrungen für soziales Engagement

Das „Eppstein-Gen“ führte auch die Erste Stadträtin Sabine Bergold an, als sie Karoline Schimek und Volker Pottmann auf die Bühne holte, stellvertretend für die vielen anderen ehrenamtlichen Helfer, die sich um geflüchtete Menschen kümmern. Beide haben sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine um ukrainische Flüchtlinge gekümmert. Karoline Schimek und ihre Familie nahmen zwei ukrainische Mütter und ihre Kinder in ihrem Haus auf, organisierten Hilfsgüter, private Unterkünfte und halfen beim Aufbau eines Netzwerks. Ehemann Jan wurde später von DRK-Chef Stephan Racky zusammen mit Christoph Striedter für ihren Einsatz als Ärzte im Gesundheitsteam in der Flüchtlingsunterkunft in der früheren Sparkassenakademie ausgezeichnet und Striedter zusammen mit dem Bürgermeister für die Organisation der Impf-Aktionen in Eppstein.

Volker Pottmann vom Asylkreis unterstützte die Sozialarbeiterinnen des Main-Taunus-Kreises in der ehemaligen Sparkassenakademie, organisierte Krankenfahrten, Deutsch-Kurse und Gespräche mit Ämtern und baute Kleiderkammer und Spielzimmer auf. „Unvergessen ist das Sommerfest, das Sie auf dem Gelände organisiert haben“, lobte Bergold. Simon zeichnete neun Helfer der Eppsteiner Feuerwehren für ihren Einsatz bei der Flutkatastrophe im Juni 2021 an Ahr und Erft aus. Sie folgten damals dem Einsatzbefehl des Landes und rückten innerhalb von drei Stunden Richtung Erftstadt aus. Am Sonntag erhielten sie dafür die hessische Einsatzmedaille und eine Urkunde des Landes Nordrhein-Westfalen.

Frank Kilb aus Ehlhalten erhielt den Ehrenbrief des Landes Hessen für sein, so Simon, „herausragendes Engagement für die Bürger dieser Stadt“. Der 55Jährige war fast 20 Jahre CDU-Stadtverordneter, Mitglied in Fachausschüssen, Ortsbeirat und in zahlreichen Ehlhaltener Vereinen.

Auch die Bürgerstiftung lud im Rahmen des Neujahrsempfangs die Gewinner ihres Jugendpreises ein (wir berichteten) und überreichte Preisgeld in Höhe von insgesamt 1000 Euro.bpa

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