Über die Sprache der Hühner und Bienen

Die Schülerinnen und Schüler im „Gespräch“ mit den Hühnern auf der Eppstein-Farm.
            Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die Schülerinnen und Schüler im „Gespräch“ mit den Hühnern auf der Eppstein-Farm.

Foto: Beate Schuchard-Palmert

Mit ihrer Naturschule „The Eppstein Farm“ hat Umweltpädagogin Natalie Bach anscheinend eine Lücke entdeckt:

Am Dienstag wanderten die 23 Viertklässler der Comenius-Schule mit ihrer Lehrerin Carla Schreiber zu Fuß zur oberen Wiese des Campingplatzes in Niederjosbach, um das Ergebnis ihres Jahres-Naturprojekts zu begutachten: Unterschiedliche Tomatensorten von der Aufzucht bis zur Ernte, aber auch der Aufbau der Pflanze von der Wurzel bis zur Frucht, war ein Thema, das die Kinder noch im Sachkundeunterricht im dritten Schuljahr begonnen hatten, vom Huhn zum Ei das zweite, Bienen, ihre Sprache und ihre vielfältigen Aufgaben in der Natur, das dritte. Von der Idee eines festen außerschulischen Lernorts auf der „Eppstein-Farm“ sei das gesamte Kollegium schnell überzeugt gewesen, erinnert sich UBUS-Kraft Claudia Vömel, die das neue Projekt an der Comenius-Schule mitentwickelt hat.

Das aktuelle Thema „Sei ein Held für deine zukünftige Welt“ für die dritten Klassen haben Bach und die Lehrerinnen der Comenius-Schule gemeinsam entwickelt. Nach einem Pilotprojekt im Frühjahr 2025 mit zwei Brem­thaler Grundschul-Klassen, startete Bach dieses Frühjahr mit allen drei dritten Klassen das erste über mehrere Monate dauernde Jahrgangsprojekt. In der dritten Woche des Schuljahres stand für alle neuen vierten Klassen auf der Eppstein-Farm der letzte Projekttag auf dem Stundenplan.

Zum Start im März erhielten die Jungen und Mädchen bei ihrem ersten Besuch selbst getrocknete Tomatensamen und Eierschachteln als Pflanztöpfchen. Die eingepflanzten Samenkörner nahmen sie mit in den Klassenraum, wo sie reihum von den Schülern gegossen und gehegt wurden, bis die jungen Tomatenpflänzchen im Frühjahr ins Hochbeet ausgesetzt werden konnten. Vier bis fünf Unterrichtstage verbringt jede Klasse auf der Eppstein-Farm. Jedes Treffen baut auf dem vorigen auf. Allem zugrunde liege das Thema „Nachhaltigkeit“, sagt Bach.

Auch beim Abschlusstreffen verfolgten die Kinder neugierig Bachs Ausführungen, warum ein Tomaten-Hochbeet in vollem Grün und üppigem Fruchtbestand prangte, während sich im benachbarten Beet die Blätter der Tomatenpflanzen rollten. Die Lösung war einfach: den Pflanzen im zweiten Beet fehlte das Wasser. Ein Grund für die unterschiedliche Beschaffenheit sei unter anderem die Schafswolle, die in einigen Beeten der Erde beigemischt worden war und in einigen nicht. Deutlich erkennbar sei, so Bach, dass dort, wo Schafswolle untergemischt war, das Wasser länger an der Oberfläche gehalten wurde als in den Beeten ohne diesen natürlichen Wasserspeicher. Die Wolle stammte von Bachs eigener kleiner Schafherde, die ebenfalls auf der Farm lebt.

Vor dem Schaubeet mit Sonnenblumen und Mais erklärte Bach den Kindern, dass diese beiden Arten wegen der großen Trockenheit längst nicht so hoch gesprossen sind wie in feuchtwarmen Sommern. Vor dem Hühnerstall ermunterte Natalie Bach die Jungen und Mädchen einmal ganz leise zu sein und auf die Sprache der Hühner und ihre mögliche Bedeutung zu achten. Hahn Luciano mit seinen glänzend schwarzen Federn war der Star bei den Kindern und wurde mit Grasrispen angelockt. Er sei sehr fürsorglich und habe seine Hennen sofort darüber informiert, dass es gerade frisches grünes Futter am Zaun gebe, übersetzte Bach den Kindern seine Signale.

Drei Kinder wurden zum Tomatenpflücken abgeordnet und verteilten die Früchte zum verkosten. Das Urteil reichte von Milas überraschtem „voll lecker“ bis zu Mias eher verhaltenem „die schmecken eher speziell“. Während Natalie Bach im improvisierten Klassenzimmer unter einer großen Zeltplane erklärte, wie sie gegen Ende der Tomatensaison die Kerne trocknet und so den Jahreskreislauf schließe, hob Viertklässlerin Anna drei kleine Kerne ihrer roten Cocktailtomate auf, um sie auf einem frischen Papiertaschentuch fürs nächste Frühjahr zu trocknen.

Klassenlehrerin Carla Schreiber hatte während dieser Unterrichtseinheit nur wenig zu tun, mal musste sie zwei kleine Schwätzer trennen, mal den ein oder anderen zur Konzentration ermahnen. Während der Pause suchten die Kinder auf einer Wiese Grashüpfer und Stöcke, um kurz darauf Bekanntschaft mit Honigbiene Sabine zu machen, einer Plüschbiene, die Natalie Bach mitgebracht hatte, um ihnen den Bienentanz zu erklären, mit dem die Tiere kommunizieren. Außerdem gab es den neuen Honig zu kosten: helle Frühjahrstracht und dunklen Waldhonig.

Ihr erstes Jahr seit der offiziellen Eröffnung im Mai 2025 sei einfach „überragend“ gewesen, lautet Bachs Bilanz: Beim Sommerfest vor den Ferien sei sie förmlich von Besuchern überrannt worden. Zum echten Highlight entwickle sich das Schneckenrennen. Auch aus Kitas und von der Burg-Schule habe sie Anfragen für Termine und bemühe sich, allen gerecht zu werden. Immerhin arbeitet die vierfache Mutter hauptberuflich an drei Tagen der Woche als Produktmanagerin.

Feste Öffnungszeit ist während der Saison von April bis Oktober samstags von 11 bis 13 Uhr. Dann stehen Arbeiten im Garten oder bei den Tieren an und natürlich viele Erklärungen. „Neben meinem Bildungsauftrag geht es mir um die Verbundenheit mit der Natur“, sagt Bach. Die sei angeboren und müsse gestärkt werden. Samstags kämen etliche Schüler mit ihren Eltern vorbei. Überhaupt gebe es viele Anfragen von Familien und zunehmend von Erwachsenen, sagt Bach. Vermutlich werde sie ihr Angebot entsprechend erweitern.bpa

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