… und erinnert sich noch genau daran, wie es war, als sie vor 22 Jahren zum ersten Mal auf den Parkplatz vor dem Rathaus fuhr. „Gehe ich da wirklich rein?“, habe sie sich gefragt. Sie ging rein, verließ große, gut ausgestattete Büros in Wiesbaden und übernahm in dem damals schon zu kleinen Rathaus in Vockenhausen die Aufgabe, das Finanzwesen von der Kameralistik auf die Doppik umzustellen und wurde an der Seite des damaligen Ersten Stadtrats und Kämmerers Peter Reus zur Leiterin der Finanzabteilung. Reus war auch zu Bergolds Abschied in den Blauen Saal gekommen, ebenso wie seine und später Bergolds langjährige Assistentin Karin Fuchs und etliche Mitarbeiter aus dem Rathaus.
Zehn Jahre später, 2014, wurde Bergold als erste Frau zur Ersten Stadträtin gewählt. Das habe damals in der Stadtverordnetenversammlung niemand sonderlich beeindruckt, erinnerte sie sich, umso mehr freue sie sich darüber, dass mit ihrer Nachfolgerin Andrea Sehr wieder eine Frau zur Ersten Stadträtin gewählt wurde.
Wer die Eppsteiner Finanzen macht, der brauche keinen zusätzlichen Adrenalin-Kick mehr, sagte Bergold mit Blick auf den städtischen Haushalt und jährlich neue Finanzierungslücken. Sie verriet auch, wie viel ihr im beruflichen Stress der Rückhalt von Ehemann Jens und den fünf Töchtern bedeute: „Ihr habt oft auf mich verzichtet – und mich genauso oft ertragen“, sagte sie zur Familie gewandt, die im Publikum auf sie wartete. Trotz langer Arbeitstage, finanzieller Hürden und unzähliger Verwaltungsvorlagen habe sie nicht einen Tag mit ihrem Job in Eppstein gehadert, sagte Bergold und gab eine einfache Erklärung dafür: „Irgendwie lebe ich die Finanzen!“
Mit einer Ausnahme: Die private Steuererklärung habe ihr Mann erledigt, verriet Bergold. Dabei kümmert sie sich längst nicht nur um den städtischen Haushalt. Als Erste Stadträtin ist sie auch zuständig fürs Ordnungsamt, die Kinderbetreuung und die Kultur. So lobte Eppsteins CDU-Vorsitzender Christian Heinz Bergold dafür, wie es ihr immer wieder gelungen sei, für alle Kindergartenkinder und ihre Eltern eine Lösung zu finden: „Nicht immer zum gewünschten Tag oder in der gewünschten Einrichtung“, sagte er, aber am Ende gab es für alle Kita-Kinder einen Betreuungsplatz.
Auch erinnerte er daran, wie Reus und Bergold, die damals noch Sabine Backes hieß, „im Doppelpack“ die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise bewältigten und wenige Jahre darauf eine Steuerrückzahlung in Millionenhöhe schulterten. In Bergolds Amtszeit als Kämmerin fielen die Flüchtlingskrisen und die damit verbundene Suche nach immer neuen Unterkünften und die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie fielen in diese Zeit, ebenso der Beginn des Ukraine-Krieges mit all seinen Folgen.
Zonta-Präsidentin Ariane ten Hagen erinnerte an die gemeinsame Gründung des Frauennetzwerks und an Bergolds Kandidatur für das Bürgermeisteramt in ihrem Wohnort Kelkheim. Die Niederlage gegen den bekannten Kelkheimer Politiker Albrecht Kündiger sei ein einschneidendes Erlebnis gewesen und es zeichne Bergold aus, dass sie Verantwortung übernommen und trotz der Niederlage weitergemacht habe in der „Arena der Politik“, wo Frauen aktuell so unterrepräsentiert seien wie lange nicht mehr. Darauf ging auch Bürgermeisterin Eva Söllner aus Liederbach ein: Sie sei aktuell die einzige Bürgermeisterin im Kreis – zeitweise waren sie sechs Frauen.
Bergolds Sachlichkeit, Professionalität und Verlässlichkeit hob Bürgermeister Alexander Simon hervor und zählte ihr breites Aufgabenspektrum in der Verwaltung auf. Sie habe vieles bewirkt, eine nachhaltige Verwaltung aufgebaut, die Burgfestspiele neu aufgestellt. Es gab viele unbequeme Entscheidungen zu treffen, räumte Simon ein und bescheinigte Bergold, sie sei dabei immer sachlich, engagiert und menschlich. Sein Resumee: „Wir waren nicht immer einer Meinung – aber fast immer.“ Die Zahlen habe er ihr gern überlassen, die seien „nicht so sein Ding“, das habe er schon bei seiner Amtseinführung gesagt und dabei sei es geblieben.
Für Herbst kündigte er einen weiteren offiziellen Termin mit Sabine Bergold an: Dann darf sie einen Baum mit einer Widmung pflanzen. Die Baumart, so Simon, dürfe sie aussuchen.
Noch bis zum 19. Februar ist Bergold im Amt und verabschiedet sich endgültig in der letzten Stadtverordnetenversammlung ihrer Amtsperiode am gleichen Abend.
Danach habe sie mehr Zeit für private Interessen: Öfter Reisen, für das Singen und für die Enkel. Demnächst sind es vier. Bei ihrem alten Chor 20vor8Chorisma des Bremthaler Gesangvereins Liederkranz will Bergold künftig wieder häufiger zu den Proben kommen. Bei der Verabschiedung übernahmen die Sängerinnen und Sänger den musikalischen Part und luden Bergold schon mal zum Mitsingen ein. Die sang den Refrain von Herbert Grönemeyers „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ begeistert mit.bpa





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