„Die Klappläden geben dem Haus wieder ein Gesicht“

Peer Steyer blickt aus einem der Fenster mit den frisch aufgearbeiteten Läden.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Peer Steyer blickt aus einem der Fenster mit den frisch aufgearbeiteten Läden.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Mit den Klappläden für die drei Fenster auf der Wetterseite seines Hauses in der Bahnstraße 10 hat Peer Steyer sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und freut sich riesig: „Mein Elternhaus hat mit diesen Läden wieder ein Gesicht!“

Die Idee hatte er schon, als er zusammen mit seiner Frau Rita Karrasch das Haus vor sechs Jahren der Vorbesitzerin abkaufte. „Der Preis war fair, aber es gab auch viel zu erneuern“, erinnert sich Steyer. Die Fensterläden sind für ihn das i-Tüpfelchen nach jahrelanger Renovierungsarbeit.

Damit schließe sich ein Kreis, sagt Steyer: Sein Großvater Heinrich Steyer stammte aus Oberjosbach, seine Frau Johannette aus der Obergasse. Sie bauten das Haus 1938, kurz darauf musste Heinrich in den Zweiten Weltkrieg einrücken, aus dem er aber wieder zurückkehrte. Schließlich wohnte die Familie dort mit drei Kindern, später blieb Peer Steyers Vater Ernst im Haus und zog mit seiner Frau ins Obergeschoss, wo nach und nach vier Kinder dazukamen, Peers Großeltern lebten im Erdgeschoss. Als die Familie wuchs, verkaufte Vater Ernst das alte Haus und baute in den 1970er Jahren direkt nebenan ein neues Haus für die Familie.

Peer Steyer kam mit seinem Beruf als Maschinenbau-Ingenieur weit herum: „Wir lebten eine zeitlang in England und später sechs Jahre in Melbourne“, erzählt er. Dann erhielt er ein Angebot für eine Niederlassung in Frankfurt und nahm an. Wie sich herausstellte war der Großraum Frankfurt gemeint, der Standort der Firma war Bremthal.

Die Familie wohnte zunächst in Idstein und bekam das Angebot, Steyers Elternhaus zurückzukaufen. „Das war ein richtiges Nachhause­kommen für mich“, erinnert sich der 65-Jährige, der selbst zwei erwachsene Kinder hat. Als ältester von vier Geschwistern verbrachte er seine ersten 14 Lebensjahre in dem Haus. Er rechnete nach und kam auf 13 Familienmitglieder, die im Laufe der Jahrzehnte in dem Haus gelebt haben – mit Ausnahme der rund 25 Jahre in denen das Haus nicht der Familie gehörte. Auf dem Dachboden fand er ein gerahmtes Foto von seinen Großeltern als junges Ehepaar. Heute hat es wieder einen Ehrenplatz an der Wohnzimmerwand.

Bei seiner Rückkehr vermisste Steyer die Fensterläden, die die Vorbesitzer vermutlich abgenommen hatten, weil sie auf der Süd-West-Seite am stärksten verwittert waren. „Zum Glück waren sie an der Straßenfront noch erhalten“, sagt Steyer. An vielen Häusern in Niederjosbach oder in Alt-Eppstein mussten im Laufe der Jahrzehnte sämtliche Klappläden modernen Rollläden weichen. Hin und wieder stecken die stumpfen Kloben noch im Mauerwerk, an denen die Läden befestigt waren. Bei Steyers Haus waren auch die weggeflext worden.

Initiativen, wie vor einigen Jahren in Alt-Eppstein, wo sogar Zuschüsse angeboten wurden für optische Maßnahmen wie Fensterläden, laufen meistens ins Leere, weil Hausbesitzer die Kosten scheuen und den manuellen Aufwand, um die Läden zu schließen. „Dabei sind Fensterläden nicht nur ein wesentliches optisches Fassadenelement, sondern auch ein viel besserer Schutz im Sommer als Rollläden“, sagt Steyer, „sie halten die Hitze draußen, lassen Luft durch und geben ein schönes halbdunkles Licht“. Bei großer Hitze geht er mit einem hakenbewehrten Besenstil ums Haus und schließt die unteren Läden. „So muss die Fensterbank im Wohnzimmer nicht abgeräumt werden.“

Zunächst ließ sich Steyer ein Angebot für sechs neue Klappläden machen. Sie sollten 6000 Euro kosten. Dann hatte er die Idee, im Internet über ein Kleinanzeigenforum zu suchen und wurde fündig: Im rheinhessischen Budenheim sollte ein altes Haus mit passenden Fensterläden abgerissen werden – er erstand sie für 25 Euro das Paar. „Wir machten einen schönen Ausflug und holten die Läden ab. Inzwischen hat er fast alle Fensterläden rund ums Haus aufgearbeitet und in einer einheitlichen Farbe gestrichen: Dunkelbraun, als Kontrast auf dem Putz in hellem Orange.

Im Original waren die Läden wohl einmal zweifarbig, die Rahmen rot und die Lamellen weiß. So sind sie auf alten Fotos aus den 1960er und 1970er Jahren zu sehen.

Im Juni war Steyers Bruder Markus zu Besuch, der schon seit Jahrzehnten in Australien lebt, und half gern beim Befestigen der Kloben im Mauerwerk und der Klappläden am Elternhaus. bpa

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