Job für Tüftler mit hoher Erfolgsquote

Klaus Christ (re.) und Karin Cloos tüfteln am Spielzeug-Kran, von den Kollegen Stephan Fliegel und Thomas Adams (v. li.) gibt es gute Ratschläge.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Klaus Christ (re.) und Karin Cloos tüfteln am Spielzeug-Kran, von den Kollegen Stephan Fliegel und Thomas Adams (v. li.) gibt es gute Ratschläge.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Zur Feier seines zehnjährigen Bestehens öffnete die Stadt am vergangenen Samstag für das Repair Café den Bürgersaal. Sonst treffen sich die Tüftler und Schrauber jeden dritten Samstag im Monat im katholischen Pfarrhaus. 14 Helfer boten diesmal ihre Dienste an und hatten reichlich zu tun.

Ob Spielzeug oder Dampfreiniger, Kaffeemaschine oder Rasenmäher: insgesamt warteten am Samstag 25 Objekte darauf, gründlich inspiziert und instandgesetzt zu werden. Bei einer Erfolgsquote von etwa 75 Prozent verließen die meisten den Saal wieder funktionstüchtig.

Kleinere Ersatzteile wurden an zwei 3D-Druckern passgenau ausgedruckt. Zum Beispiel eine neue Kurbel für den Playmobilkran von Karin Cloos aus Bremthal. Der Kran stamme noch von ihrem Sohn und wurde am Samstag mit einer neuen Kurbel aus dem 3D-Drucker einsatzbereit gemacht für ihren jüngsten Enkel. Mitgebracht hatte sie ihre Enkel Ben (9) und Laura (7). Ben befestigte glücklich seine reparierte Armbanduhr wieder am Handgelenk. Das Deckblatt hatte sich gelöst und ein Zeiger war verbogen. Unter Frank Schauers und Michael Wegmanns geschickten Händen war der Schaden schnell behoben. Nur Lauras Puppe muss wohl mit ihren schielenden Augen zur Puppenklinik nach Frankfurt. Bärendoktorin Ulrike Weigmann musste passen. Sie sei nur für Stofftiere zuständig. Dennoch sagte Cloos: „Unser Besuch hier war ein voller Erfolg!“ Als Dankeschön durften die Kinder das Sparschwein am Ausgang füttern. Das Geld wird für Werkzeug und für soziale Zwecke verwendet.

Am späten Nachmittag kam dann doch noch ein Puppendoktor: Helfer Yevgenhij Trinov reparierte ausgeleierte Gelenke und machte damit einige Puppensammlerinnen glücklich.

Zum Jubiläum erhielten die Tüftler selbst ein Geschenk: Der Lions Club finanziert ihnen einen Schrank für Werkzeuge, Prüfgeräte, Kabel und anderes Material. Er wird im Keller ihres regulären Treffs im katholischen Pfarrhaus St. Laurentius aufgestellt.

Stammgast Wolfgang Büttner kommt seit fünf Jahren regelmäßig zum Repair Café und ist ein großer Fan, seitdem Helfer Klaus Christ damals seinen 40 Jahre alten, geliebten Philipps-Plattenspieler mit einem winzigen Ersatzteil aus dem 3D-Drucker für den Tonabnehmer wieder zum Laufen gebracht hat.

Mit viel Geduld nahm Ina Krapp eine Eieruhr auseinander, reinigte sie und überprüfte sämtliche Federn und die Mechanik. Mit Anfang 20 sei sie eine der drei jüngeren Helferinnen und Helfer, auf deren Mitarbeit das Repair-Café-Team sehr stolz sei, betonte Arno Müller. Der Architekt hat das Repair Café vor zehn Jahren ins Leben gerufen und freute sich über das geschäftige Treiben im Saal. Auch Bürgermeister Alexander Simon kam vorbei, um zum Jubiläum zu gratulieren.

Am Tisch neben Ina Krapp nahm Rentner Reinhold Herrmann einen Dampfreiniger auseinander. Der ehemalige Sachverständige für Haustechnik beim TÜV bietet seine handwerklichen Kenntnisse sowohl im Repair Café in Fischbach als auch in Eppstein an. Ein kleines Mäppchen mit speziellen Schraubendrehern hat er immer dabei und öffnete den Griff mit dem Starter, pustete zweimal durch die Düse am Handgriff, schraubte ihn zu, sprühte ein wenig Kontaktspray auf die Verbindungsstecker – und das Gerät lief wieder.

In einer Ecke präsentierten Sabine Küst und Nicole Köhler von der Initiative Bike-Kitchen in Vockenhausen zwei Fahrräder, die sie für wenig Geld wieder fahrtüchtig gemacht hatten. Ein paar Teile wie Kette oder Innenlager wurden für insgesamt 30 Euro neu gekauft, „der Rest stammt aus unserem Ersatzteil­lager beim TSV Vockenhausen“, sagte Köhler. Die beiden Räder gehören zwei Studenten, die mit diesen voll funktionsfähigen Fahrrädern keine Angst haben müssen, dass sie ihnen vor der Uni gestohlen werden. Zu den wöchentlichen Treffen dienstags ab 17 Uhr neben der Jahnturnhalle kämen viele Flüchtlinge, aber auch etliche Jugendliche mit ihren Mountainbikes, erzählt Köhler.

In einer anderen Ecke warben Frank Schauer und Stephan Fliegel für ihr zweites Ehrenamt: Jeden 1. Mittwoch und jeden 3. Montag im Monat helfen sie im Rathaus I Senioren als Di@Lotsen beim Bedienen ihres Handys oder Smartphones.

Mit 25 Reparaturen im Laufe des Samstags „haben wir wieder einen sehr guten Schnitt erreicht“, zog Arno Müller am Ende des Tages Bilanz. Auch das Kuchenbuffet sei gut angenommen worden. Gäste und Helfer nahmen sich bei Kaffee und Kuchen Zeit für Gespräche und Fachsimpeleien. bpa

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