Heimat Shoppen startet in Eppstein – Standorte stärken

Dr. Alexander Theiss, Ulrich Caspar von der IHK Frankfurt, Diana Schmidt-Theis, Valentina Scheu (IHK) und Markus Rösmann (v.l.) werben in der Altstadt für „Heimat Shoppen“.Foto: J. Palmert

Im Lockdown hätten die Menschen gemerkt, „wie arm die Innenstädte ohne Einzelhandel und Gastronomie sind und welche Bedeutung Unternehmen vor Ort haben“, sagte Ulrich Caspar, Präsident der IHK Frankfurt bei der Auftaktaktion zu „Heimat Shoppen“ in Eppstein am vergangenen Donnerstag.

Orte der Begegnungen waren versperrt, gleichzeitig hätten die Menschen durch den Zwang, online einzukaufen, neue Wege kennengelernt. Das verschärfe die Situation für den Einzelhandel, hat die IHK beobachtet. Es müsse alles getan werden, den stationären Einzelhandel zu stärken. „Denn ein Einkauf ist mehr, als sich nur Waren zu besorgen“ so Caspar. Es müsse noch deutlicher herausgestellt werden, „dass die Kunden durch ihr Verhalten mit entscheiden, ob Strukturen aufrecht erhalten bleiben“.

Mit der Aktion „Heimat Shoppen“ will die IHK Frankfurt gemeinsam mit lokalen Gewerbevereinen die Standorte stärken. Bei ihrer Rundreise durch den Main-Taunus-Kreis verteilten die Vertreter tausende Papiertüten mit dem markanten Schriftzug und der Aufforderung „Heimat Shoppen“. Weitere Werbemittel wie Plakate oder Bierdeckel werden bis zum offiziellen Start Anfang September an die teilnehmenden Kommunen verteilt.

Für Eppstein mit seinen Stadtteilen wird diese Aktion etwas anders aussehen als für die Städte mit einem umfangreichen Einzelhandelsangebot. Hier möchte der Gewerbeverein alle Stadtteile, die Gastronomie und auch Dienstleister mit einbeziehen. Auf Social Media haben die Teilnehmer in speziell eingerichteten Kanälen die Möglichkeit, ihr Unternehmen, Projekte und Produkte zu präsentieren. Start in Eppstein soll am 11./12. September sein.

In Hofheim wird der beliebte Wochenmarkt durch die Öffnung für regionale Direktvermarkter erweitert. Auch die Stadt Kelkheim setzt auf die Aktion „Heimat Shoppen“. Beim Auftakttermin mit der Führungsriege der IHK Frankfurt in Eppstein wurden Vertreter der Stadt vermisst – zu kurzfristig sei die Einladung gekommen, hieß es aus dem Rathaus.

Eppsteins IHH-Chef Markus Rösmann und Regina Martin begrüßten die IHK-Delegation im Burg-Café und betonten, dass das Café ein Hoffnungsschimmer in der Krisenzeit sei. Nach zweijähriger Schließung wagte der neue Inhaber, Gastwirt Abel Chamoun vom benachbarten „Pflasterschisser“, mitten im Lockdown den Sprung und öffnete das Café mit Lounge-Bar am Wernerplatz. Er setzt auf ein hochwertiges Sortiment an Bio-Backwaren, italienischem Eis und hausgemachten Torten und bietet auch lokalen Erzeugern die Möglichkeit, ihre Produkte wie Honig oder selbstgemachte Brotaufstriche zu verkaufen. Auch eine Kooperation mit der Weinhandlung Eppsteiner WeinPresse ließe sich gut an, so Chamoun. Der lebhafte Besuch an den neu geschaffenen Plätzen vor dem Café entlang der Burgstraße und auf dem Gottfriedplatz bestätigt, dass ein Café in der Altstadt ein wichtiger Magnet ist.

Chamoun, der seit einigen Wochen samstagsabends im Biergarten des „Pflasterschissers“ auf dem Wernerplatz für Musik und ein entspanntes, sommerliches Flair sorgt, wünscht sich dabei mehr Unterstützung von der Stadt. Die Gäste seines Restaurants und der umliegenden Gastronomie genießen die musikalische Unterhaltung und bestätigten das mit Applaus und guter Laune. Die Bewohner des Fliednerhauses säßen regelmäßig an ihren geöffneten Fenstern und lauschten dem angeregten Treiben auf dem Platz. Anonyme Anrufer jedoch hätten sich beim Ordnungsamt über Ruhestörung beschwert, wurde Chamoun mitgeteilt: „Die Stadt muss sich entscheiden, was ihr wichtig ist – eine belebte Altstadt bedeutet auch Trubel auf dem Platz.“ Er hofft auf mehr Verständnis auch von seiten der Behörde. Selbstverständlich würden die gesetzlich erlaubten Zeiten eingehalten, fügt Chamoun an und wünscht sich einen besseren Zusammenhalt mit seinen Nachbarn, deren Gäste die Musik aus dem Biergarten des „Pflasterschissers“ offensichtlich ebenfalls genießen .

Markus Rösmann stellte der IHK-Runde die Pläne für das Projekt „Ein Dach für Eppstein“ der Gruppe „Eppstein lebt“ vor – der Förderantrag beim Landesprogramm ,Zukunft Innenstadt’ für eine wetterfeste mobile Überdachung am Gottfriedplatz rückt gezielt die Altstadt als Ort für unterschiedlichste Aktivitäten in den Mittelpunkt (die EZ berichtete). Die IHK bot eine Prüfung zur Unterstützung des Vorhabens an.

Auch die Notwendigkeit eines Hotels in der Burgstadt wurde angesprochen. Die Wiederinbetriebnahme des lange verwaisten Campingplatzes Niederjosbach wurde gelobt. Die Coronazeit habe insbesondere den inländischen Tourismus in der Region angekurbelt, Hotelbetriebe könnten durch den Wander- und Radtourismus, der in der Coronazeit starken Zulauf fand, Ausfälle beispielsweise an Messegästen auffangen. IHK-Präsident Caspar nutzte die Kampagne auch, um bekannte Ziele bei den Kommunen anzusprechen: Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, Schaffung von Parkraum für die Innenstädte und Ausweisung von Baugebieten, „damit neue Kunden herziehen können“, so Caspar.

Dr. Alexander Theiss, bei der IHK zuständig für Standortpolitik, Tourismus und Einzelhandel, betonte, dass die Kampagne „Heimat Shoppen“ keine Eintagsfliege sei. Anfang 2022 werde Resümee gezogen. Die Städte könnten für ihr Marketing auf einen Ideenpool, Förderprogramme und fachliche Moderation der IHK bei der Entwicklung eines Leitbildes für die Stadt zurückgreifen.

Boutique-Inhaberin Diana Schmidt-Theis von „schoenesundmehr“ am Wernerplatz wünscht sich mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten. Sie würde ihren Kunden gerne Zeit zum Stöbern am Wochenende oder nach Feierabend einräumen, doch die strikten Ladenöffnungszeiten und bürokratische Hürden bei Sonntagsöffnungen wären ein Hindernis, das gerade im Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen überdacht werden sollte. In die gleiche Kerbe schlägt der Handelsverband Hessen und forderte am vergangenen Freitag, die Hürden für verkaufsoffene Sonntage zu senken. Das wäre ein wichtiges Signal und eine effektive Maßnahme für einen Restart der Innenstädte. „Als Erlebnismoment bietet es den Städten ein gelerntes Instrument, um die Besucherinnen und Besucher in die Städte zurückzuholen. Zudem gäbe es dem Handel die Chance, zumindest in Ansätzen den verlorenen Umsatz aufzufangen“, so Tatjana Steinbrenner, Vizepräsidentin des Handelsverbandes Hessen. „Wir erwarten vom Hessischen Sozialministerium im Sinne unserer Innenstädte und Stadtteile zu handeln – Aussitzen und Nichtstun darf nicht die Lösung sein, denn das können wir uns nicht mehr leisten“, so Steinbrenner. jp

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02. September 2021 - 07:01

Musik beim Pflasterschisser

Sehr geehrte Damen & Herrn,

ich sage dazu nur:

Es kann der frömmste nicht in Frieden leben wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt!!!

Mit freundlichen Grüßen
Karin Sandmann



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