Und kurze Zeit darauf kam sogar die Sonne wieder ein wenig hinter den Wolken hervor. Schon in der Bezirksstraße, wo Wagen und Fußgruppen sich aufstellten, herrschte reger Fußgängerverkehr. Familie Kornmann machte es sich dort zusammen mit Nachbarn und Freunden wie jedes Jahr am Hoftor bequem und ließ das bunte Treiben an sich vorüberziehen.
Angeführt von der Feuerwehr Niederjosbach setzte sich der Zug mit seinen fast 30 Wagen und Fußgruppen mit ein paar Minuten Verspätung schließlich in Bewegung. Der Magistrat ließ sich im historischen Borgward der Feuerwehr Ehlhalten kutschieren und verkündete auf seinem Plakat: „Der Magistrat fährt voran, rette sich wer kann.“ Zum ersten Mal in neuer Funktion dabei war Andrea Sehr, die am Freitag ihre Stelle als Erste Stadträtin im Rathaus antritt.
Burgfräulein Nathalie I. und Junker Patrick liefen mit ein paar tapferen jungen Rittern im Gefolge voran und wurden von GCC-Chefin Karin Dostal herzlich begrüßt: Sie freue sich über den hohen Besuch aus Eppstein und hoffe auf weitere gemeinsame Aktionen. Der Vorsitzende des Burgvereins Ramon Olivella nahm dies als Mitglied des Elferrats im Kommitee-Wagen wohlwollend zur Kenntnis.
Den Garden aus Idstein und Schloßborn folgten die Daube Dengler aus Oberjosbach. Sie schlugen ihre Fassdauben getreu dem Motto ihrer Truppe „Immer feste druff“. Der SKV Nieder-Oberrod hatte seine jüngsten Gardetänzerinnen geschickt. Die Niedernhausener hatten, so verriet es die Schrift auf ihrem Zugfahrzeug, mangels eines Einkaufsladens in Niederjosbach ihr „Bickendorfer Büdche gleich mitgebracht zur goldisch Gusbacher Fassenacht“ – selbstverständlich mit einem Stehtisch auf Rollen und einem großen Reservoir an süßem Wurfmaterial.
Am Straßenrand reckten sich dem Zug viele Arme entgegen, die kleinen Zuschauer hofften auf Bonbons, die großen grüßten mit Helau-Rufen. Dort tummelten sich kleine Polizisten neben Prinzessinnen, ein weißer Hai wartete vor einem großen gelben Küken auf Beute, neben ihm tapste ein kleiner Löwe und suchte auf dem Asphalt nach Bonbons, während im Hintergrund die Hörner eines Giraffenkostüms aufragten.
Eine kleine Biene saß sicher auf dem Rücken des Vaters, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Ahoi-Brausen und eine Tüte „Golden Fries“ auf Süßes warteten. Der Schirm einer Lampe als Kopfputz schützte praktischerweise vor dem kurzen Regenschauer. Sogar ein Elvis mit schwarzer Haartolle und eine Freiheitsstatue mit Strahlenkranz hatten sich nach Niederjosbach verirrt.
Die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins waren ganz bodenständig als Hühnerhaufen verkleidet und verkündeten auf einem farbenprächtigen Plakat „Ausgerückt vom Hühnerstall – flattern wir jetzt überall“. Der TuS Niederjosbach blieb sportlich „fair und bunt, egal ob eckig oder rund“– So stand es auf dem Transparent der Sportler.
Anscheinend zum ersten Mal dabei war der Carnevalverein aus Schierstein, während die darauf folgenden Vockenhäuser Hexen von vielen Zuschauern wie alte Bekannte begrüßt wurden. Die Frauengruppe aus Vockenhausen verteilte Frühlingsblumen und versprühte gute Laune.
Das Damenkomitee der Hofheimer Karnevalgesellschaft nahm die Hofheimer Verkehrssituation auf die Schippe und verkündeten: „Baustelle außer Betrieb! Schrubber-Mädels feiern!“ Die Bremthaler Kerbegesellschaft verschlug es in den Wilden Westen der USA, den sie mit Büffelschädel am Wagen und Cowboy-Hut auf dem Kopf nachstellten.
Die Bremthaler Wanderzwerge hatten Pech mit ihrem Zuggefährt: Kurz vor dem Start wollte es nicht anspringen, so schoben sie die Schubkarre mit den gesammelten Gold-Schätzen „für‘s arme Eppstein“ vorneweg, den alten Kinderreim „Ein Loch ist im Haushalt, oh Eppstein, oh Eppstein“ auf den Lippen, einige Zugnummern später war das Auto doch noch angesprungen und so verkündete der Pleitegeier auf dem Anhänger „Grundsteuer liebt der Geier sehr, denn davon will er immer mehr“, während eine Krake gierig ihre Tentakeln nach den städtischen Immobilien ausstreckte und ein weiteres Plakat die Lösung des Problems verkündete: „Die Stadt hat ja ‚nen Esel, der Dukaten kackt.“
Der Ruppertshainer Motivwagen der „Generation Ruppsch“ hatte „Formel 1“ als Motto, während sich die Bremthaler Faschingsfreunde dem „Après-Ski“ widmeten und eine „Kuss-Haltestelle“ eingerichtet hatten. Die Mitglieder kämen inzwischen aus Eppstein und Fischbach, erzählte Jennifer Martin aus Niederjosbach, aber der Name sei geblieben. Mit ihrer Musik animierten sie auch die Zuschauer am Rand zum Mittanzen.
Die drei Freundinnen Nina, Selina und Daniela etwa waren samt Kindern und Männern aus Bremthal gekommen, drehten ihre Hände und schwangen ihre Arme synchron zum jüngsten Party-Hit „Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune“. Sie feiern gern und oft, erzählen die drei Frauen, „deshalb sind unsere Kinder mit Partymusik groß geworden, wie andere mit Pop oder Rock“, sagten sie lachend.
Bei den Fischbacher Zwergen liefen wieder einige Eppsteiner mit. Die Gruppe verkündete auf ihrem Motivwagen: „In Fischbach sind sogar die Zwerge groß.“ Mit Zwei Motivwagen, Komiteewagen und vier Gardegruppen war der Fischbacher Carnevalverein auch dieses Jahr beim Umzug des GCC wieder stark vertreten.
Die GCC-Gardemädchen läuteten schließlich das Ende des Zuges ein. Ihnen folgten Damenrat und Knaller-Damen in rosafarbenen Torten-Kostümen und zum Abschluss der Komitee-Wagen des GCC. bpa











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