Getränkehandel Weyher schließt nach 125 Jahren

Christian, David, Christiane und Gertrud Weyher (v.l.) an ihrem letzten Arbeitstag als Getränkehändler.Foto: Julia Palmert

Nach 125 Jahren ging am vergangenen Samstag in Vockenhausen eine Ära zu Ende. Der Getränkehandel Weyher hat seine großen Hoftore für immer geschlossen. In einer Anzeige in einem „Führer für Fremde und Einheimische“

aus Eppstein und Umgebung aus dem Jahr 1896 wirbt Adolf Kilb aus Vockenhausen als „beste und billigste Bezugsquelle für Kronthaler Mineral-Wasser“. Nach dem Großvater stieg Edwin Weyher ins Getränke- und Speditionsunternehmen ein. Und schon als Kind saß Adolf Weyher (1953 – 2021) in den 1950er Jahren bei seinem Vater mit im Lkw. Im August starb der Vockenhäuser Unternehmer im Alter von 68 Jahren. Seine Witwe Gertrud und Tochter Christiane haben am Samstag den Familienbetrieb zum letzten Mal geöffnet.

Viele treue Kunden kamen auch am letzten Tag und kauften Wasser, Saft oder Bier – was eben bis zum Schluss noch im Keller vorhanden war und bedankten sich bei der Familie für viele Jahre Kundenservice. Da flossen auch einige Tränen. – Die hohen Reihen mit Getränkekisten hatten sich längst geleert.

Für Gertrud Weyher war klar, ohne ihren Mann geht das Geschäft zu Ende. „Der Betrieb war sein Leben. Bis zum Schluss hat er versucht, alles im Sinne seiner Kundschaft zu regeln“, erzählt die 69-Jährige von den Wochen, in denen die Krebserkrankung ihn gezeichnet hatte. Die Stärke von Getränke Weyher war der Service. Schulen, Kindergärten und Kantinen in der Umgebung belieferte der unermüdliche Unternehmer.

Bei vielen Privatleuten genoss er großes Vertrauen, hatte Garagen- oder Kellerschlüssel und versorgte sie mit Getränken bis ins Haus. Vereine – bei vielen war Adolf Weyher selbst Mitglied – konnten bei ihren Festen auf Weyher zählen, der nicht selten auch lange nach Feierabend noch für Nachschub an Getränken bei der Kerb, dem Weinfest oder beim Weihnachtsmarkt sorgte.

Angefangen hat das Familienunternehmen aber vor allem als Spedition für Möbel und schwere Lasten. Bis die großen Möbel-SB-Märkte sich in den 80er Jahren durchsetzten, holte Weyher viele Küchen, Wohn- und Schlafzimmermöbel aus den Werken in Hessen und lieferte sie zum Endabnehmer.

Als Adolf Weyher das Geschäft vom Vater übernahm, erweiterete er 1981 das Angebot im Getränkehandel, bot seit 20 Jahren auch einen Paketshop, der gut frequentiert war, erzählt Gertrud Weyher. In Weyhers Getränkehandel florierte außerdem der Verkauf der Geschenk-Gutscheine des Gewerbevereins IHH. 2010 bekam Adolf Weyher eine Ehrenurkunde für 75 Jahre Geschäftsverbindung zur Firma Hassia Mineralquellen.

Mitarbeiter hatte die Firma nie, die Familie arbeitete immer mit. „Ich musste arbeiten wie ein Mann“, erzählt Ehefrau Gertrud, wie es einem Familienbetrieb häufig üblich ist. Neben Hausfrau und Mutter war sie auch noch berufstätig. Immer wieder mal halfen Freunde oder Verwandte mit. Für Tochter Christiane (34) war klar, dass sie den Betrieb nicht weiterführen würde. Sie wohnt mit Mann und Sohn im gleichen Haus in der Hauptstraße.

Im Hof des Getränkehandels war in all den Jahren ein Teffpunkt entstanden, „das war das Facebook von Vockenhausen“, umschreibt Schwiegersohn Christian Weyher die Bedeutung. Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Fußballergebnisse begossen oder kritisiert, über Politisches diskutiert und Freundschaften gepflegt.

Die „Stammtischbrüder“ wie Bernd Kümmel werden den sozialen Treffpunkt vermissen und hoffen doch, dass Gertrud Weyher die Tischgruppe in einem Eckchen im großen Hof belässt, und man sich wie früher freitagsnachmittags dort trifft.

Das war für viele der Anlaufpunkt vor dem Wochenende, dann ging’s zum Essen „zum Mohr“ in den benachbarten Gasthof „Zum Taunus“, der bereits im Mai vergangenen Jahres seine Türen schloss.jp

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