Fischbacher Steine für die Burg

Maurermeister Michael Grimm bearbeitet einen Naturstein, Serezitgneis aus dem Steinbruch in Fischbach, für die Mauerbrüstung.Fotos: Beate Schuchard-Palmert

Der Burghof sieht von oben aus, als sollte dort ein Steinmosaik aus kleinen und großen Quadern entstehen. Zwischen Mainzer Keller und Museum verläuft ein 30 Zentimeter tiefer Graben, der Weg zwischen Juchhe und Kelterhaus ist noch provisorisch mit Spanplatten abgedeckt.

Dennoch ist Bürgermeister Alexander Simon bei einem Rundgang durch die Burg zuversichtlich, dass der Bergfried bis zum Start der Burgfestspiele am 25. Juni fertig ist und sich zusammen mit Burghof, Juchhe und Ostzwinger rundum saniert präsentiert.

Auf dem Burgturm gehen die Arbeiten an der Brüstungsmauer gut voran. Maurermeister Michael Grimm und Kollege Zeljko Zrnic nutzen das gute Wetter aus, um die Brüstung aus Naturstein aus dem Fischbacher Steinbruch zu mauern. Dort wird Serizitgneis abgebaut, wie er schon seit Jahrhunderten für den Bau von Burgen und großen Gebäuden verwendet wurde.

Trotz der Schichtstruktur mit Einschlüssen von Quarz, Glimmer oder Feldspat sei der Stein hart und robust, sagt der Maurer. Schließlich muss der oberste Abschluss des Turmes auch künftig wieder Wind und Wetter standhalten. Da der Turm ursprünglich noch höher war, gibt es keinen optischen Abschluss. Flache Steine bilden die obere Kante mit einer Brüstungshöhe von 1,20 bis 1,30 Meter, „damit auch große Menschen sich nicht einfach über die Brüstung lehnen können“, sagt Grimm.

Er war mit seinen Kollegen schon im vorigen Jahr dabei, als die Außenmauer des Turms saniert wurde.Der gebürtige Thüringer hat schon in seiner Ausbildung in Greiz an Kirchen und historischen Gebäuden Natursteine vermauert – „Serizitgneis, genau wie hier im Taunus“, sagt er und erklärt, wie er die Steine im Verbund setzt, damit das Mauerwerk stabil ist.

Das Prinzip gleicht einem Ziegelmauerwerk in „Läufer- und Binderschicht“ mit längs und quer vermauerten Steinen auf einer Ebene und vielen kleinen Steinen, um die Mörtelschicht zwischen den unregelmäßig geformten Steinen zu binden. Mindestens 30 Tonnen Stein werden am Ende vermauert sein und knapp 2 Tonnen Trassmörtel.

Vier bis sechs Wochen, schätzt Grimm, werden er und seine Kollegen der Eppsteiner Firma Burkhard daran arbeiten. Dabei dauere die Vorbereitung doppelt so lange wie das eigentliche Mauern.

Noch viele offene Baustellen bis zur Festspielpremiere

Bereits im Herbst wurden die Steine zwischengelagert und werden jetzt in einzelnen Wagenladungen auf die Burg gebracht, im Hof nach Größen sortiert und palettenweise mit dem Aufzug auf den Burgturm geschafft. Manche sind quaderförmig, andere flach und länglich. Auf der Turmplattform werden die Steine, wenn nötig geglättet, geteilt oder überstehende Kanten beseitig, damit sie keine Angriffsfläche für Wasser bieten. Hinzu komme, so Grimm, dass die Brüstung nicht einfach eine Rundung ist, sondern zum Teil gerade Mauerabschnitte in unterschiedlich ausgeprägte Rundungen übergehen. Ganz zum Schluss wird die Stelle aufgemauert, an der jetzt der Aufzug ankommt.

Die Arbeit sei anstrengend, aber auch anspruchsvoll. „Man muss seinen Verstand nutzen“, sagt Grimm, denn kein Stein ist wie der andere, die Mörtelschicht darf nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick sein, da muss er häufig nach der passenden Steingröße suchen, damit am Ende ein stabiler, aber auch gleichmäßiger Turmabschluss entsteht.

Im Laufe der Woche wird das Turmhäuschen aus Zink abgebaut und in der Schlosserei der Firma Wohlfahrt, ebenfalls ein Eppsteiner Betrieb, entrostet und sandgestrahlt. Türen und Fenster werden erneuert, Luftschlitze am Dach angebracht, um die Feuchtigkeit aus dem Turm fern zu halten. Am Ende wird auch wieder die Wetterfahne installiert, das einzige historische Bauteil des 1989 errichteten Turmhäuschens. Die Wetterfahne zeigt einen Ritter mit Eppsteiner Wappenschild und einem Wimpel mit der Jahreszahl „1906“.

280 000 Euro hat die Stadt kalkuliert. Allein für das Gerüst waren bis Jahresende 100 000 Euro veranschlagt. Nun kommen die Kosten für die verlängerte Standzeit hinzu. Laut Simon habe sich die Stadt mit der Firma auf Sonderkonditionen geeinigt. Bei der Sanierung von Mauer und Brüstung fallen vor allem Stundenlöhne an, dazu liege die Abrechnung noch nicht vor, sagte der Bürgermeister. Von Kreis und Land gibt es Zuschüsse

Im Burghof wird es dank der neuen Brandschutzverordnung einige Veränderungen bei Veranstaltungen geben. Die Getränke und Snacks dürfen nicht mehr im Burghof verkauft werden, deshalb steht im Ostzwinger bereits ein Zelt für die Bewirtung bereit. Die Stadtwache, die bisher von ihrem Vereinsheim im Mainzer Keller aus Apfelwein und belegte Brote verkaufte, arbeitet laut Hauptmann Klaus Wilke an einem neuen Konzept – „es gibt uns noch und wir sind auch wieder dabei“, sagte er auf Anfrage der Eppsteiner Zeitung.

Der Zeitplan der Burgschauspieler ist für Aufführung und Juchhe-Eröffnung denkbar knapp: Wegen der Baustelle im Burghof „haben wir wahrscheinlich wieder nur wenige Proben für unser Stück auf der Freiluftbühne“, sagt Schauspiel-Chefin Juliane Rödl. Und im Vereinsheim in der Juchhe will Vereinsmitglied Tim Reinhard nach seiner Prüfung Ende Mai, Elektroleitungen für Küche, Beleuchtung und den Sicherungskasten anschließen, damit die Küche bis zur Premiere eingebaut werden kann, sofern es keine Lieferschwierigkeiten gibt. Der Innenausbau ist weitgehend fertig: Der Fußboden ist verlegt, die Decke tiefrot gestrichen.

Vor der Juchhe wird gerade der Sockel mit Sandsteinplatten verkleidet. Bis zu den Burgfestspielen soll – so die Auflage der Landesdenkmalbehörde – das historische Pflaster aus dem 16. Jahrhundert freigelegt und, damit es für weitere Jahrhunderte Bestand hat, mit einem Gitterrost geschützt werden. Nur das Gründach wird erst nach der Sommersaison auf der Burg installiert.

Die letzten noch fehlenden Leuchten für den Burghof, einige Wege innerhalb der Burg und die Nordmauer will die Eppsteiner Firma Wilke, so der Plan, bis zur Premiere anbringen.

Dann könnte der Burgverein den Abschluss der neuen Beleuchtungsanlage, eines seiner größten Projekte, feiern. bpa

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