Burgverein hofft auf schwarze Null: „Das war ein soziales Event“

Lauschige Abendstimmung im Halsgraben.

Nicht mitgezählt sind die Zaungäste, die sich ein Plätzchen am Spielplatz oder in der Rossertstraße vor der Wooganlage suchten und dem Treiben lauschten.

Das Angebot war abgespeckt, auf dem Grill bruzzelten aber Würstchen und Steaks, Getränke gab es aus Flaschen oder Pappbechern, um den Aufwand gering zu halten, erklärte Olivella. Lediglich am Wein- und Sektstand im Halsgraben konnten die Besucher einen guten Tropfen aus Gläsern genießen, die zum Spülen in die Küche der Burgkemenate geschleppt werden mussten. Auf den Verkauf des sonst üblichen Flammkuchens oder der beliebten Cocktails verzichtete der Burgverein. Auch im Landsknechtlager im Ostzwinger, dem wegen der Bauarbeiten im Burghof einzig zugänglichen Teil der Burganlage, war das Angebot reduziert. Zum süffigen Dunkelbier ließen sich die Besucher statt der sonst üblichen Spareribbs Bratwürste schmecken und versammelten sich zu später Stunden an den wärmenden Feuerschalen.

Die Eppsteiner Band Bassweg genoss ihren ersten Auftritt nach langer Abstinenz. Erst eine Woche zuvor hatten sich die vier ehemaligen Schulfreunde wieder zur ersten Bandprobe getroffen, seitdem täglich und freuten sich am Samstagabend über ausgelassene Fans. „Egal wie jung, Hauptsache wieder Fans vor der Bühne“, so Sänger Jan Kristinus angesichts der vielen Kinder, die sich vor der Bühne nach Seifenblasen reckten und zu den Rockklassikern mit ihren Eltern tanzten. Seit einigen Jahren spielt Bassweg als Vorgruppe für den Hauptact „Faltenrock“ mit Frontmann Klaus Rißmann. Auch die Oldies der Coverband spielten wie seit Jahren unentgeltlich für den Burgverein und lockten mit Rock’n’Roll, Rock und Soul die Besucher auf die Tanzfläche. Der Eppsteiner Arzt Rißmann dankte „dem Wohltäter der Stadt“ Markus Rösmann, der der Band in seiner Eventlocation Percuma einen großen Lagerraum für die Proben unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte.

Am wolkenverhangenen Sonntag kamen trotz längerer Nieselregeneinlagen etwa 200 Besucher zum Fest. Beim Jazzfrühschoppen mit der Hot Four Creole Jazzband und nachmittags beim Konzert der Big Band Hofheim suchten sie Schutz in den Pavillons in der Wooganlage. An der Kuchentheke am Ende des Halsgraben hielten die Helferinnen eine reichhaltige Auswahl mit mehr als 30 selbstgebackenen Kuchen bereit. Derweil zeigte die Eppsteiner Rotte im Ritterlager im Ostzwinger Waffen und Alltagsgegenstände spätmittelalterlicher Burgbewohner. Die Männer gaben den Besuchern bereitwillig Auskunft über Helme, Rüstungen und Waffen. Die auf drei Aktive geschrumpfte Gruppe, die eine mittelalterliche Burgbesatzung aus Wehrknechten darstellt, half beim Anlegen von Kettenhemd und Schwert oder spannte den großen Bogen, um Pfeile Richtung Zielscheibe zu lenken. Benjamin Peschke, Tausendsassa im Burgvereinsvorstand, zeigte am Sonntag in der Uniform eines Soldaten aus der Zeit um 1780 den Einsatz eines Schießstocks aus dem 15. Jahrhundert. „So eine Waffe war zwar nicht sehr treffsicher, schreckte durch den lauten, feurigen Knall aber doch effektiv Angreifer ab“, warnte er die Zuschauer am Fuße des Bettelbubs und riet ihnen den Mund aufzusperren und die Ohren zuzuhalten.

Patrick Klein und Franco Nungesser von der Eppsteiner Rotte pflegen ihr Hobby mit viel Enthusiasmus. Anhand von Abbildungen aus einer französischen Kreuzfahrerbibel von 1250 bauen sie Rüstungen, Waffen und Alltagsgegenstände wie Trinkgefäße oder Küchengeräte nach. Das Kettenhemd, das Franco Nungesser aus zigtausend Metallringen selbst genietet hat, wiegt an die 30 Kilo und wird von ihm bei Schaukämpfen getragen. Durch Corona ruhte auch bei den Geschichtsfans die Gruppentätigkeit, mittelalterliche Märkte und Feste fanden nicht statt. „Aber das wird ja auch wieder anders und wir freuen uns, wenn interessierte Menschen zu uns kommen. Wir stellen eine Burgbesatzung des 11. bis 13. Jahrhunderts dar und üben uns im militärischen Drill und Linienkampf mit Schwert, Schild und Spieß. Da wir in normalen Zeiten regelmäßig trainieren, sind Vorkenntnisse nicht nötig. Gefolge, Frauen und Kinder, sind ebenfalls willkommen, auch wenn die Rotte selbst nur aus Kämpfern besteht“, so Franco Nungesser. Kontakt kann unter eppsteinerrotte auf Facebook oder Instagram aufgenommen werden.

Burgvereinsvorsitzender Ramon Olivella und Schatzmeister Joachim Souverein zogen am Montag Bilanz: „Der Umsatz stand diesmal nicht im Fokus. Wir sehen das Fest als soziales Event und das war ein voller Erfolg. Das bescheinigen uns auch viele Gäste“, so Olivella. Dankbar sei der Verein für den tollen Einsatz des Bauhofs, der bei Auf- und Abbau tatkräftig mit anpackte. Etwa 100 Dienste stemmte der Verein bei den viertägigen Arbeiten rund um das Burgfest. „Wenn wir mit einer schwarzen Null rauskommen, sind wir zufrieden. Und vielleicht motiviert es ja den ein oder anderen, unseren Verein in welcher Form auch immer weiter zu unterstützen.“ jp

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