Um den Strom zu speichern für die Zeiten, wenn nachts kein Solarstrom fließt oder die Windräder still stehen, aber auch, um mehr Flexibilität zu erreichen und die Preisschwankungen auszugleichen, die beispielsweise durch mittägliche Überproduktion bei der Solarenergie und abendlichen Mehrbedarf bei den Stromkunden entstehen.
Deshalb hat der Magistrat in einer seiner Sitzungen vor der Sommerpause beschlossen, den Netzbetreiber Syna damit zu beauftragen, die Netzverträglichkeit für Batteriestromspeicher für das Ortsnetz von Eppstein prüfen zu lassen. Geprüft werden Chancen und Risiken von zentralen und dezentralen Batteriestromspeichern für das Eppsteiner Ortsnetz sowie die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Bisherige Erfahrungen in anderen Regionen zeigen, so der Magistrat, dass Batteriespeicher die Strommärkte stabilisieren, die Energieversorgung sichern und eine effizientere Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien sichern. Der Markt dazu sei in einer dynamischen Entwicklungsphase.
Laut Bundesnetzagentur hat sich die Gesamtkapazität aller Batteriespeicher in Deutschland seit Anfang 2022 von 3,86 GWh bis Juli 2026 auf über 30 GWh deutlich gesteigert. 80 Prozent dieser Leistung, 22,46 GWh erzeugen private Hausspeicher mit einer Leistung bis 30 kWh, Gewerbespeicher gut 1,5 GWh und Batteriegroßspeicher mit knapp 6,2 GWh etwa ein Sechstel der Gesamtkapazität. Dabei steigt die Zahl der Großspeicheranlagen kontinuierlich. Einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen zufolge setzen elf Prozent der Kommunalen Unternehmen aktuell solche Projekte um, 27 sind in der Planung und 46 Prozent prüfen die Einstiegsmöglichkeiten.
Auch in Eppstein soll die Netzverträglichkeitsprüfung eine Entscheidungsgrundlage schaffen für weitere, konkrete Maßnahmen. Vor dem Hintergrund steigender Anteile an Erneuerbaren Energien, wachsende Anforderungen an Netzstabilität und Versorgungssicherheit gewinne der Einsatz von Batteristromspeichern zunehmend an Bedeutung, begründet Bürgermeister Alexander Simon den Antrag. Denn mit zunehmendem Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen komme es auch vermehrt zu Einspeiseschwankungen. Batteriespeicher können kurzfristige Lastspitzen, etwa zur Mittagszeit, abfedern, Frequenzschwankungen ausgleichen, überschüssigen Strom zwischenspeichern und zeitversetzt ins Netz einspeisen. Damit könne der Eigenverbrauch vor Ort gesteigert und die Abriegelung erneuerbarer Energien minimiert werden, so die Stadt.
Außerdem seien Batterispeicher eine flexible Alternative und Ergänzung, denn der Ausbau klassischer Netzinfrastruktur sei teuer und mit langen Planungszeiten verbunden. Ein Blick auf den Ausbau der Ultranet-Leitung und die Pläne für den Rhein-Main-Link zeigen: Davon ist Eppstein ohnehin aktuell stark betroffen.
Auch die wirtschaftlichen Chancen seien beträchtlich. Die Analyse möglicher Geschäftsmodelle zeige auf, ob sich eine Investiton in Speichertechnologie für die Kommune lohnt oder ob städtische Grundstücke an externe Betreiber verpachtet werden. Aktuell bleiben bis zu 90 Prozent der Gewerbesteuer aus Batteriespeichern in der Kommune.bpa

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