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„Übergangsfrist, sonst steigen die Kosten ins Unermessliche“

Der Kunstrasen auf dem Bremthaler Sportplatz muss saniert werden.

Auf europäischer Ebene wird derzeit sehr intensiv darüber diskutiert, ob und ab wann der Austrag von Kunststoffgranulat in die Natur verboten werden soll. Solche Kunststoffe werden auch als Füllmaterial auf Kunstrasenplätzen eingesetzt.

„Eine Übergangsfrist ist nicht nur sinnvoll, sondern für die Kommunen unerlässlich“, meldete sich jetzt Eppsteins Bürgermeister Alexander Simon zu Wort. Demnach sei das „ob“ unstrittig, aber das „wann“ des Verbots müsse diskutiert werden. In diesem Zusammenhang seien auch die Belange der Städte und Gemeinden stärker zu berücksichtigen.

Die European Chemical Agency (ECHA) hat einen Beschränkungsvorschlag veröffentlicht, in dem das „Inverkehrbringen von bewusst zugesetztem“ Mikroplastik verboten werden soll. Darunter fällt auch das als Füllstoff (Infill) verwendete Kunststoffgranulat für Kunststoffrasensysteme. Das Verbot soll nach derzeitigem Stand bereits 2021 in Kraft treten. Dies bedeutet, dass das Einbringen des Granulats in die Umwelt ab dem Jahr 2022 vollständig verboten wäre. Bestandsschutz oder Übergangsfristen sind bisher nicht vorgesehen. In Rede steht auch, eine Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren – diese Forderung wurde jüngst von mehreren Verbänden und auch Bundespolitikern gefordert.

„In vielen Fällen steht in den nächsten Jahren ohnehin der Austausch des Granulates an“, so Simon. In Eppstein gibt es zwei Kunstrasenplätze: einen in Bremthal und einen in Niederjosbach.

Auf dem Platz der Sportgemeinschaft Bremthal stehen ohnehin weitreichende Änderungen an. Der Kunstrasenplatz dort soll im nächsten Jahr erneuert werden. In diesem Zusammenhang sei bereits ein Planungsbüro beauftragt worden und es habe mehrere Gespräche mit dem Verein gegeben. Als Füllmaterial ist dort, wie berichtet, entweder Kork oder Sand vorgesehen, heißt es aus dem Rathaus. Für den Fußballplatz in Bremthal werde es demnach nicht notwendig, so Simon, über den Austausch des Füllmaterials zu diskutieren, da dieses im Zusammenhang mit der Erneuerung des Platzes sowieso ausgewechselt wird.

Anders sieht es auf dem Gelände des Turn- und Sportvereins Niederjosbach aus. Auch dort ist die Stadt Eigentümerin des Platzes. Als Füllmaterial werden Granulate aus synthetischem Kautschuk, also ein Granulat aus Ethyl-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM) verwendet. Die Kunstrasenfläche des Spielfeldes hat eine Größe von knapp 6900 Quadratmetern. Die Kunstrasenfläche des Aufwärmfeldes ist 518 Quadratmeter groß – insgesamt eine Kunstrasenfläche von fast 7400 Quadratmetern.

Nach erster Einschätzung der Stadtverwaltung ist mit Kosten für den Austausch des EPDM-Granulats beispielsweise durch Quarzsand sowie die Entsorgung des Altmaterials von mindestens 75 000 Euro zu rechnen. Da bundes- und europaweit mit zahlreichen Kunstrasensanierungen zu rechnen ist, geht die Stadt davon aus, dass die Kosten höher sind und voraussichtlich um die 100 000 Euro betragen.

„Wenn alle Kommunen in Deutschland nahezu gleichzeitig den Austausch des Granulates vornehmen, wird dies zu einer Kostensteigerung bis ins Unermessliche führen“, ist der Bürgermeister der Burgstadt überzeugt. Er fordert deshalb unbedingt eine zeitliche Streckung über mehrere Jahre. „Das Wohl der Umwelt ist zu beachten, aber wir müssen auch die Auswirkungen auf unsere Finanzen sehen“, so Simon. Es gebe ohnehin zahlreiche Plätze, für die ein Austausch des Granulates in den nächsten Jahren anstehe, weshalb aus seiner Sicht ein starrer Zeitrahmen nicht sinnvoll wäre.EZ

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