Stadt kritisiert Pläne: Menschen haben keinen vorrangigen Schutz

Unmittelbar neben dem Hessenring verläuft die bestehende Stromtrasse.     Foto: bpa 

 

Die geplante Hochspannungsleitung Ultranet, die Osterath am Niederrhein mit Philippsburg in Baden-Württemberg verbinden soll, beschäftigte am vergangenen Donnerstag den Umweltausschuss und die Ortsbeiräte der von den sogenannten „Trassenkorridoranpassungen“

betroffenen Stadtteile Bremthal, Niederjosbach und Ehlhalten in einer Sondersitzung. Wie berichtet hat die Bundesnetzagentur fünf Alternativen vorgelegt, die von dem von Netzbetreiber Amprion vorgeschlagenen 1000 Meter breiten Trassenkorridor abweichen und fünf Vorschläge innerhalb dieses Korridors. In ihrer Stellungnahme wirft die Stadt der Bundesnetzagentur vor, dass sie sämtliche Vorschläge für Alternativtrassen mit kaum überzeugenden Argumenten „weggewichtet“ habe.

Die Mandatsträger befürworten dennoch einstimmig eine Alternativtrasse auf der linken Rheinseite. Von den in der sogenannten „Nachbeteiligung“ aufgeführten Varianten bevorzugt Eppstein die Alternative A3 West, die eine Stromtrasse zwischen Idstein und Bremthal, unmittelbar entlang der Autobahn vorsieht – allerdings mit der Maßgabe, dass die Trasse dort als Erdkabel verlegt wird.

Bürgermeister Alexander Simon führte in der Sitzung aus, schon jetzt sei absehbar, dass Amprion bei einer Umsetzung ihrer Ultranetpläne ein Drittel der bestehenden Masten um etwa zehn Meter erhöhen will. Er kritisiert, dass der Umweltbericht unzureichend sei und zum Teil nicht den gesetzlichen Anforderungen genüge. Die Mehrbelastung durch Lärm und noch unbekannte Belastungen durch elektrische und magnetische Felder der vorgesehenen Hybridleitung für die betroffenen Anwohner werde ohne qualifizierte Prüfung zementiert, kritisiert Simon. Dem Netzbetreiber Amprion und der Genehmigungsbehörde, der Bundesnetzagentur, wirft die Stadt vor, dass im bisherigen Verfahren die menschliche Gesundheit keinen Vorrang habe und das Schutzgut Mensch viel zu gering eingeschätzt werde. Sie befürchtet, dass mit den vorgelegten Alternativen schon jetzt eine „Vorfestlegung auf die Bestandstrasse“ erfolge.

Zwei in der Bundesfachplanung neu aufgenommene Varianten, die eine Verschwenkung der Trasse zwischen Lenzhahn und Niederjosbach Richtung Ehlhalten vorsehen, lehnen die Mandatsträger ab, mit der Begründung, dass sowohl in Niederjosbach als auch in Ehlhalten neue Betroffenheiten entstünden.

Nicht nur die optische Wirkung einer „Einkesselung“ führt die Stadt als Argument gegen diese Verschwenkung an. Simon sieht darin auch einen „eklatanten Eingriff in die kommunale Planungshoheit“, weil eine Stromtrasse an so exponierter Stelle die bauliche Entwicklung Ehlhaltens einschränken würde. Ortsvorsteher Michael Kilb befürchtet, die neuen Sichtbarrieren würden das wichtige Naherholungsgebiet zwischen Ehlhalten, Oberjosbach und Niederjosbach massiv beeinträchtigen.

Ortsvorsteherin Andrea Sehr aus Niederjosbach gab zu bedenken, dass die betroffenen Gebiete mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur mindestens für die nächsten 50 Jahre leben müssten, deshalb sei aus Niederjosbacher Sicht eine Aufrüstung der bestehenden Trasse inakzeptabel, ebenso die Verschwenkung bei Ehlhalten.

Auch SPD-Sprecher Marcus Berggötz sprach sich für eine Verlegung der Leitung entlang der A3 aus. Denn damit würden im Vergleich zu den anderen Alternativen mehr Menschen entlastet, auch wenn diese Variante für Niedernhausen Nachteile brächte.

Simon wies darauf hin, dass sich Bürgermeister und Landräte der interkommunalen Arbeitsgemeinschaft einig waren, dass die Entscheidungen für oder gegen einzelne Varianten keinen Keil treiben solle. So wird Eppstein sich nicht für die von der Bundesnetzagentur vorgeschlagene Anpassung des Trassenkorridors zwischen Bremthal Richtung Wildsachsen aussprechen, da kaum Bremthaler Gebiet betroffen sei und die Nachteile für Wildsachsen überwögen. „Andererseits wären die von Wildsachsen vorgeschlagenen Alternativen auch für Bremthal vorteilhaft“, führte Simon aus.

Der Bundesnetzagentur wirft er vor, sie schalte sich zu wenig in die Planung ein. So habe Amprion bislang an keiner Stelle geprüft, ob im Zuge der Verschwenkung bestehende Leitungen auch auf einer neuen Trasse gebündelt werden könnten. Die Hessische Landesregierung unterstütze diesen Vorschlag, berichtete Simon. Das Wirtschaftsministerium habe anscheinend erste Gespräche mit anderen Netzbetreibern aufgenommen, führte Simon weiter aus und kritisiert, dass die Bundesnetzagentur nicht von sich aus einen offenen Dialog zwischen Amprion, den übrigen Leitungsträgern und den betroffenen Kommunen eingeleitet habe. Es gebe speziell für die Mitverschwenkung von bestehenden Stromtrassen beschleunigte Verfahren. bpa

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