RMV hält an alten Strategien fest und die Bahn saniert nur schleppend

Stadt stellt Forderungen an RMV

Manchmal hält die Linie S2 tatsächlich noch in Eppstein.
            Foto: Stadt Eppstein

Manchmal hält die Linie S2 tatsächlich noch in Eppstein.

Foto: Stadt Eppstein

„Die nächsten sechs Wochen werden ohnehin schwierig genug, fährt denn wenigstens die S2 zuverlässiger als sonst“, fragte Franziska Sehr in ihrer Begrüßung noch recht hoffnungsvoll den Prokuristen des RMV, Thomas Busch.

Gemeint war die Vollsperrung der B455. Zuvor war Sehr in der ersten Sitzung des neuen Stadtentwicklungsausschusses einstimmig zur Vorsitzenden gewählt worden. Sehr wurde allerdings schnell enttäuscht. Denn auch die Bahn hatte, unabhängig von den Straßenbauplänen von Hessenmobil, bereits umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen rund um den Verkehrsknoten Frankfurt-Höchst angekündigt, mit Einschränkungen für die S2 und die Regionalbahn.

Über die eigene Strategie, wie der RMV künftig Verspätungen oder Zugausfälle zu verhindern versuche, sagte Busch nichts, lediglich die wenig beruhigenden Worte, dass der RMV „auch nicht glücklich über die Qualität der Deutschen Bahn“ sei. Die aktuellen „Fahrplanverschiebungen“ folgten jedoch einer zwischen Bahn und dem Zuganbieter DB Regio abgesprochenen Strategie.

Die Verantwortung für die Misere – Baustellen, veraltetes Stellwerk, zu wenig Personal – schob Busch auf Versäumnisse der Politiker in der Vergangenheit und der DB Infra Go, der für Ausbau und Erhaltung der Infrastruktur zuständigen Bahn-Gesellschaft.

Kritik oder auch Verbesserungsvorschlägen seitens der Ausschussmitglieder nahm der RMV-Vertreter lediglich zur Kenntnis mit dem Hinweis, dass der RMV selten allein entscheide und alle Entscheidungen einer klaren Strategie folgen. So schlug Magnus Fischer (FWG) vor, die S-Bahnen nicht in Hofheim wenden zu lassen, sondern regulär bis Niedernhausen zu fahren und dann diese S-Bahn im nächst möglichen Takt in die Gegenrichtung zu fahren. „Dann fallen zwar auch S-Bahnen aus, aber es stranden nicht so viele Menschen entlang der Strecke“. sagte Fischer. Dass dies nicht realisierbar sei erklärte Busch mit der zwar geplanten, aber noch fehlenden Wendemöglichkeit an den Gleisen, damit zwei Züge gleichzeitig in Niedernhausen stehen können. „Wir kommen gut mit der Planung voran“, sagte Busch, „und hoffen, dass der Bund noch Geld für den Ausbau hat.“

Elmar Döhler, SPD, vertrat seine Kollegin Marion Kütemeyer, und fragte, ob die Lang- und Kurzzüge strategisch besser eingesetzt werden könnten. Auch die Informationspolitik des RMV wurde kritisiert und gefordert, das digitale Nachrichtenportal für Fahrplanänderungen zu verbessern. Andere Apps seien deutlich zuverlässiger.

Immer wieder wies Busch darauf hin, dass es eine fest vereinbarte Strategie gebe, mit der sogenannte „Fahrplanverschiebungen“ aufgefangen würden. Dem Vorwurf, dass diese Strategie eindeutig zum Nachteil von Kommunen an der Peripherie des Schienennetzes im Rhein-Main-Gebiet führe, hatte er offensichtlich nichts entgegenzusetzen. Ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten, so der einmütige Tenor, werde Eppstein komplett abgekoppelt. Anders als Lorsbach sei es nicht an Hofheim angebunden oder habe, anders als Niedernhausen, keinen Regionalbahnhalt.

Schlimmer noch: Bürgermeister Alexander Simon berichtete, es werde vermutlich noch bis mindestens 2029, eher länger, dauern, bis das problematische Stellwerk in Höchst – quasi das Nadelöhr für alle Fahrten Richtung Westen und Nordwesten von Frankfurt – digitalisiert wird. In den kommenden Jahren gehen darüber hinaus die meisten der bislang 18 Stellwärter in den Ruhestand. Es sei also absehbar, so Simon, dass sich die Situation auf der Linie der S2 vorerst nicht entspannt.

Das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet, so Simon, sei Schlusslicht beim Stellwerksausbau der Bahn. Für die Stadt habe das gravierende Folgen, weil sie dadurch zumindest mittelfristig eine ihrer wichtigsten Infrastruktur-Vorteile verliert: die gute Verbindung nach Frankfurt. Simons logische Forderung daraus: Eppstein müsse fest an den Regionalexpress angebunden werden und einen dauerhaften Regionalbahn-Halt bekommen.

Mit einem Mythos räumte Busch auf Anfrage von Ausschussmitglied Andreas Naujoks von den Grünen auf: Eppstein, wie auch die anderen Kommunen zahlen nichts dafür, dass die Bahn sie ans Netz anschließt, auch keine Gebühr für einzelne Linien wie die S2 – und hat dementsprechend keine Sanktionsmöglichkeit. Allerdings ist der RMV zuständig für die Vergabe der Linien- und Netzpakete. Diese werden, so Busch, europaweit ausgeschrieben und unterliegen entsprechend klaren Kriterien. Die nächste Ausschreibung findet erst 2033 statt. So lang fährt das bisherige Unternehmen DB Regio weiter.

Das solle den RMV allerdings nicht davon abhalten, ein Einhalten des Fahrplans einzufordern und gegen Wartezeiten von über einer Stunde vorzugehen, wenn die S-Bahn eigentlich viertelstündlich fahren sollte, forderten die Ausschussmitglieder. „Da reden wir nicht von einzelne Baustellen, sondern teilweise von planmäßigen mehrfachen Zugausfällen, die nicht angekündigt werden“, beschwerte sich SPD-Mann Döhler und forderte, dass wenigstens die Zwischentakte planmäßig fahren, während CDU-Mitglied Guido Ernst an die Verantwortung der Bahn appellierte, „insbesondere für die Schulkinder“. „Da gibt es kaum Alternativen zur S-Bahn“, sagte er. Beide Politiker stellten das aktuelle Notfallkonzept des RMV in Frage und forderten, dass auch bis Niedernhausen ein Notfallbetrieb bereitgestellt wird.

Dem hielt Busch entgegen, dass auch der Notfallbetrieb einer Standardisierung folge, die darauf abziele, dass der reguläre Fahrplan so schnell wie möglich wieder eingehalten werde – das funktioniere bei einem Halt in Hofheim am besten. „Den Preis dafür zahlen immer die gleichen, nämlich die Eppsteiner“, stellte Döhler resigniert fest.bpa

Die Stadt Eppstein hat eine Stellungnahme zu dem Gespräch mit dem RMV-Prokuristen Thomas Busch im Stadtplanungsausschuss vorgelegt: Demnach sind umfangreiche Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen einer der Hauptgründe für Ausfälle und Verspätungen im S-Bahn-Netz. Die Linie S2 ist regelmäßig von Teilausfällen, Schienenersatzverkehr sowie betrieblichen Einschränkungen betroffen.

Die Stadt Eppstein erkenne ausdrücklich an, dass Investitionen in die Schieneninfrastruktur notwendig sind, sagte Bürgermeister Alexander Simon nach der Ausschusssitzung. Sie erwarte dennoch von den Verantwortlichen eine deutlich bessere Abstimmung der Maßnahmen sowie eine frühzeitige und verlässliche Fahrgastinformation.

Die Stadt Eppstein fordere eine spürbare Verbesserung der Betriebsstabilität auf der Linie S2, eine enge Abstimmung zwischen Bahn, RMV und Kommunen, sowie eine frühzeitige Kommunikation bei geplanten Baustellen und kurzfristigen Störungen und einen Halt der Regionalbahn bei Störungen im S-Bahn-Netz.

Ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr ist eine zentrale Voraussetzung für die Mobilität im Taunus, so der Bürgermeister. Deshalb werden die Forderungen der Stadtverordnetenversammlung wiederholt: Der Ausfall von S-Bahnverbindungen nach Eppstein muss reduziert werden:

Auch bei hohen Verspätungen darf die S-Bahn nur dann in Hofheim wenden, wenn ein Ersatz von Lorsbach und den Eppsteiner Haltestellen sichergestellt wird, beispielsweise durch einen außerplanmäßigen Halt der Regionalbahn oder einen Ersatzzug ab Hofheim, der dort als Einsatzreserve zur Verfügung steht. Dabei sei auch die frühzeitige Information der Reisenden zu beachten.

Wenn kein kurzfristiger Ersatz realisiert werden kann, fährt die S-Bahn bis nach Eppstein weiter, um dort zu wenden.

Fallen mehrere S-Bahnen hintereinander aus, was eine Anbindungslücke von mehr als 60 Minuten von und nach Eppstein zur Folge hat, so hat die RB22 außerplanmäßig alle Unterwegsstationen zu bedienen, um Eppstein, Bremthal und Niederjosbach nicht für mehr als eine Stunde komplett vom Bahnverkehr abzuhängen. „Wir bekräftigen unsere Forderung nach einem regulären Halt der Regionalbahn in Eppstein und bitten dies in die Fahrplanplanung aufzunehmen“, schließt Simon die Forderungen der Stadt.EZ

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