Er schloss an der Meisterschule in Mayen unter knapp 100 Prüflingen mit der Note 1,23 als Zweitbester bei Fachleiterprüfung und Meister-Prüfung ab. Vater Torsten arbeitet schon seit seiner Lehre im Betrieb seines Vaters Jakob Becht, Patrick hat sein Handwerk von 2018 bis 2021 in Lorsbach gelernt, kam danach jedoch auch in den Familienbetrieb, den Großvater Jakob 1987 gründete und bis 2008 leitete. Seitdem führt Torsten Becht die Geschäfte.
Torsten und Ehefrau Heike sind stolz darauf, dass ihr Sohn die Familientradition fortsetzt und inzwischen mit seiner Freundin im Nebenhaus wohnt. Für ihn sei das keineswegs selbstverständlich, sagt Torsten Becht. Das sieht auch Patrick so. Eigentlich sollte er Abitur machen, hatte aber nach zehn Jahren Schule definitiv keine Lust mehr aufs lange Stillsitzen und suchte eine Lehrstelle. Ein Schülerpraktikum bei einem Schreiner habe ihm Spaß gemacht, vor allem die Kreativität der Arbeit mit den Händen.
Da er schon als Schüler während der Ferien sein Taschengeld im väterlichen Betrieb aufbesserte, sei ihm die Wahl zum Dachdeckerhandwerk nicht schwer gefallen. „Ich bin da so reingewachsen“, meint er rückblickend. „Wir haben ohnehin den Job mit den besten Aussichten“, fügt er nachdenklich hinzu und erzählt von Baustellen in Ruppertshain oder den Hängen von Hofheim mit Blick übers gesamte Rhein-Main-Gebiet. „Allein dafür lohnt sich der Beruf“, findet er. Außerdem sehe man jeden Abend, was man geschafft hat. Die Gespräche nach Feierabend mit den Kollegen seien immer schöne Momente, sagt Patrick.
Gelungenes Beispiel für die Vielfalt der Möglichkeiten ist das Anwesen der Firma in der Langstraße mit seiner Dacheindeckung aus rotem Tonziegel und Schiefer in aufwändiger Ornamentdeckung an den Ortgängen. Das Gebäude, die alte Schule von Ehlhalten, hat Torsten Becht vor gut 25 Jahren gemeinsam mit seinem Vater und seinem Onkel Hans, ebenfalls ein Dachdecker, komplett umgebaut. Damals war er als junger Meister bei seinem Vater angestellt.
Inzwischen lebt Sohn Patrick mit seiner Freundin im Hinterhaus. Der Familienzusammenhalt sei gut, das gemeinsame Frühstück am Sonntagmorgen ein festes Ritual. „Ansonsten achten wir schon darauf, dass jeder seinen Freiraum hat“, betont Torsten Becht. Er ist froh, dass sein Sohn in Ehlhalten verwurzelt ist. Bis zum Beginn seiner Meisterschule gehörte Patrick den Ehlhaltener Kerbeburschen, den Kohlestibbel, an und war einige Jahre lang, wie seinerzeit sein Vater Torsten, Kerbevadder.
Bis zur Ausbildung habe er im Ehlhaltener Tennisclub intensiv Tennis gespielt, wurde mit der Jugend sogar Hessenmeister. Beim Einstieg ins Berufsleben habe er nach und nach die Vereine aufgegeben. Sport sei immer noch wichtig. „Wenn ich mal den Kopf frei bekommen will, setze ich mich aufs Fahrrad oder laufe“, sagt Patrick.
Für sein Meisterstück hat Patrick Becht eine Kehle aus Biberschwanzziegeln gelegt, für das Gegenarbeitsstück, das er an den Prüfungstagen – insgesamt 52 Stunden – ohne vorherige Kenntnis vorgelegt bekam, musste er ein Stück Flachdach mit Folie und Bitumenbahn verlegen und fachgerecht an den Dachaufbau anschließen.
Während der neunmonatigen Meisterschule in Vollzeit wurde ihm noch einmal bewusst, „mit wie vielen, tollen unterschiedlichen Materialien wir Dachdecker in unserem Beruf zu tun haben“, sagt der junge Meister und zählt einige auf: Nicht nur jede Menge unterschiedlicher Ziegelsorten, Betonstein und Schiefer, auch Holz, Metalle und Kunststoffe zählen dazu. Man müsse sich auskennen mit Maschinen, Werkzeugen, unterschiedlichsten Baustoffen und ihren physikalischen Eigenschaften. Moderne Dächer müssen winddicht sein, Niederschlagswasser abhalten und verhindern, dass Feuchtigkeit eindringt.
Das bestätigt auch sein Vater. Vergleiche man die Anforderungen aus der Zeit als er seine Ausbildung gemacht habe mit den heutigen Anforderungen, dann sei die Arbeit im Dachdeckerhandwerk früher vor allem körperlich härter, anstrengender und schwerer gewesen, dafür gebe es heute eine Fülle an unterschiedlichen Materialien und wegen der neuen Wärmeschutzverordnungen einen deutlich höheren Aufwand mit viel mehr Arbeitsschritten als früher. Das gesamte Dach müsse abgedichtet werden, dazu seien viele Detailarbeiten notwendig.
Die Materialfülle führe auch dazu, dass das Lager in der benachbarten Scheune kaum noch ausreicht. Seit Jahren sucht Becht vergeblich nach einem Grundstück für eine neue Halle. Seine Hoffnung auf ein neues Baugebiet in Bremthal sieht er gerade schwinden, denn auf dem von der Stadt vorgesehenen Areal zwischen Bundesstraße und Bauwald will Amprion die neue Stromleitung Rhein-Main-Link verlegen.
Längst können Ziegel am Bildschirm für jedes Dach berechnet und einzelne Anschlüsse passgenau zugeschnitten werden, selbst für nicht normgerechte Altbauten. „Aber man muss genau aufmessen“, sagt Patrick Becht. Ein besonderes Erlebnis sei für ihn die Arbeit am Hexenturm gewesen, dem Wahrzeichen von Idstein. Überhaupt sei Schiefer, wenn er wählen dürfe, das Material, das ihm beim Bearbeiten am meisten Spaß mache. bpa

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