Marc Nimpfer wechselte vom Autobauer zum Fahrradschrauber

Marc Nimpfer in seiner Werkstatt.Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Rund zehn Jahre lang hat Marc Nimpfer mit Freunden über einen eigenen Fahrradladen philosophiert, Pläne geschmiedet und Ideen entwickelt. Damals arbeitete der gelernte Automechaniker in der Motorenentwicklung bei einem großen Automobilhersteller in der Region.

Der Wandel in der Branche, die allgemeinen Zukunftsaussichten von Verbrenner-Motoren sowie die Veränderungen, ausgelöst durch die Betriebsübergabe seines Arbeitgebers an einen französischen Konzern zündeten den Turbo für seine lange gehegten Pläne.

Nimpfer wog die Risiken ab, stieg Ende 2019 aus dem Unternehmen aus und gründete im November 2020 zusammen mit Geschäftspartner Paul Maibach Idobike. Am 2. August ging mit der Eröffnung des eigenen Ladens in Ehlhalten sein Traum in Erfüllung, sein Hobby wurde zum Beruf. Idobike leite sich aus dem lateinischen Wort idonium ab, das übersetzt „passend“ bedeute, erklärt Nimpfer. Es sei Teil seiner Firmenphilosophie, dass Rad und Fahrer zur perfekten Einheit verschmelzen.

Dafür berät er seine Kunden ausführlich und berücksichtigt bei seinen Empfehlungen spezielle Vorlieben genauso wie körperliche Eigenschaften oder geplante Einsatzgebiete. Danach werden in seiner Werkstatt alle Details angepasst. Dabei ist er in seinem Element, denn an seinen eigenen Rädern schraubt der 41-Jährige bereits seit dem siebten Lebensjahr.

Fahrradfahren gehörte schon damals zum Familienleben. Zusammen mit seinem Vater war er oft in der Werkstatt. Sein erstes BMX Rad sei nur sehr kurz im Originalzustand gewesen. Jahrelang sei er jeden Tag von Ehlhalten nach Rüsselsheim mit dem Bike zur Arbeit gefahren und habe an seinen Rädern so ziemlich alle am Markt verfügbaren Teile, auch fernab des Mainstreams ausprobiert. „Ich bin immer gefahren, bei strahlendem Sonnenschein genauso wie in strömendem Regen oder bei Eis und Schnee“, beschreibt Nimpfer sein hartes „Prüffeld“ für Rahmen, Stoßfänger, Räder, Bremssysteme, Sattel oder Lenker. Und auch heute bleibt das Auto so weit wie möglich stehen. Die Familie fährt Rad. Nimpfer steigt am liebsten auf sein Gravel Bike, das er selbst aufgebaut hat und ständig weiter optimiert.

Die seit einigen Jahren in Mode gekommenen Gravel-Bikes sind die sportliche Vereinigung von Straßenrennrad und Mountainbike. „Gravel“ ist englisch für „Schotter“. Die sportlichen Bikes finden durch ihre etwas breiteren Reifen mit Profil auch auf Schotter sicheren Halt. Die Trails mit Wurzeln und dicken Steinen bleiben hingegen weiterhin das Terrain der Mountainbikes.

Der gebürtige Schmittener wohnt seit 2014 in Eppsteins kleinstem Stadtteil. Er und seine Familie fühlen sich in dem dörflichen Umfeld pudelwohl. Zwar bleibe ihm neben Job und Familie nur wenig Zeit, aber er fände gerade Anschluss an die Gemeinschaft über seinen ältesten Sohn, der bei der Feuerwehr und den Kerbeburschen aktiv sei.

Zweiräder sind Nimpfers Leidenschaft, Technik ist sein Beruf. So verwundert es kaum, dass Nimpfer neben dem deutschen Hersteller Ghost und dem französischen La Pierre seine Eigenmarke „Idobike“ sowie vollständig kundenspezifisch aufgebaute Räder (Custombikes) im Portfolio hat. Zwar passt Nimpfer jedes Rad an seinen Kunden an, doch seine Custombikes werden komplett aus individuell ausgesuchten Einzelteilen bei ihm in der Werkstatt aufgebaut.

Dort finden Freaks und Spezialisten ihre Fertigungsstätte, wenn sie nicht selbst schrauben wollen. Aber auch besonders große, kleine oder schwere Menschen werden fündig. Custombikes sind laut Nimpfer zudem eine preiswerte Alternative für leichte Räder, denn im Standardangebot großer Hersteller bedeute leicht immer auch teuer. Nimpfer spielt dabei seine Trumpfkarte der individuellen Kleinstserienfertigung aus. Er kann fast jede Komponente am Rad gewichtsoptimiert auswählen.

„Beispielsweise reichen bei einem E-Bike ein kleinerer Motor mit leichterem Akku, wenn die geplanten Touren keine besondere Power oder Reichweite verlangen oder wenn der Fahrer sehr leicht ist“, sagt Nimpfer, der auch Elektromotoren nachrüstet. Auch Kinderräder, Zubehör und Kleidung, deren Designs Partner Maibach entwirft, hat Idobike im Angebot.

„Die Teststrecke für unsere Fahrräder haben wir direkt vor dem Haus“, lobt Inhaber Marc Nimpfer die versteckte Waldrandlage seines frischgegründeten Fahrradgeschäftes Idobike auf dem ehemaligen Firmengelände von Indurest am Ende der Straße „Vor dem Thor“, dem Weg zu Ehlhaltens Friedhof. Der Waldweg führt bis Vockenhausen, Richtung Oberjosbach sind rund 200 Höhenmeter bis zum Kippel zu überwinden.

Trotz seiner versteckten Lage laufe das Geschäft gut an, wohl auch wegen des parallel geführten Online-Handels, so Nimpfer. Die Winterflaute will er durch Service-Angebote abmildern. Wer jetzt sein Fahrrad checken lasse, kann im Frühling direkt durchstarten. ffg

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
9 + 8 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X