„Im Vorübergehn“ für Jahrzehnte der Chormusik danken

Professor Alois Ickstadt im Gespräch mit der EZ im September 2010.Foto: EZ-Archiv

Professor Alois Ickstadt im Gespräch mit der EZ im September 2010.Foto: EZ-Archiv

Der Figuralchor Frankfurt feiert dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen und gibt zu Ehren seines Gründers, Professor Alois Ickstadt auch ein Konzert in der Kirche St.

Michael in Niederjosbach: Am Sonntag, 21. Juni, um 18 Uhr feiert das renommierte Ensemble den inzwischen 95-Jährigen mit einem A cappella-Konzert. Unter dem Titel „Im Vorübergehn“ interpretiert der Chor Werke deutscher romantischer Komponisten und Komponistinnen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Fanny Hensel, Carl Loewe und Josef Gabriele Rheinberger. Die Besucher erwartet ein hochkarätiges Programm unter der musikalischen Leitung von Paul Leonard Schäffer, seit 2016 Leiter des Figuralchors.

Neben dem Frankfurter Figuralchor gestalten zwei herausragende Instrumentalisten den Abend: Der bekannte Trompeter David Tasa, ehemaliger Solotrompeter des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters und langjähriger Wegbegleiter des Figuralchors und seines früheren Leiters Alois Ickstadt, sorgt gemeinsam mit Helge Brendel an der Orgel für feierliche Klänge im Kirchenraum.

Der Schwerpunkt der Arbeit des Figuralchor Frankfurt liegt auf weltlicher und geistlicher A-cappella-Musik aller Jahrhunderte und auf regelmäßigen Aufführungen bekannter oratorischer Werke. Nicht zuletzt auch durch die jahrelange Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk und führenden Orchestern und Dirigenten hat sich der Figuralchor Frankfurt einen großen Erfahrungsschatz und ein breit gefächertes Repertoire erarbeitet.

Grundlagen für die Arbeit des außergewöhnlichen Ensembles legte Alois Ickstadt, der den Chor 1966 gründete. Damals war Ickstadt, der Germanistik, Philosophie, Geschichte, Musikwissenschaften und Schulmusik studiert und eine Ausbildung zum Pianisten, Dirigenten und Komponisten absolviert hat, noch Lehrer am Goethe-Gymnasium in Frankfurt und wollte mit seinem neuartigen Chor die stimmliche Ausbildung junger Menschen und die allgemeine musikalische Bildung fördern. Der Figuralchor ging aus Ickstadts Arbeit mit dem Kinderchor des HR hervor. Klassische Musik sollte nicht als Fremdkörper, sondern anschaulich als Teil der Kultur erfahrbar werden.

Als Schüler von Theodor Adorno und Max Horkheimer war seine Arbeit von deren freigeistiger, humanistischer Philosophie geprägt, die auch seine zahlreichen musiktheoretischen Abhandlungen und Aufsätze beeinflusste. Daneben beschäftigte den überzeugten Katholik sein Leben lang die Frage, wie neue christliche Traditionen entstehen können, angesichts einer aus seiner Sicht fast zwanghaften Trennung zwischen Religion und Alltag.

1970 wurde Ickstadt zum Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt berufen und blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1995. Den Figuralchor leitete er 45 Jahre lang und gab die Leitung 2011 im Alter von 80 Jahren ab.

Für seine Verdienste auf musikforschendem, kompositorischem, musikkulturellem wie musikerzieherischem Gebiet erhielt Ickstadt 2015 die Orlando di Lasso-Medaille des Allgemeinen Cäcilien-Verbands Deutschland, eine der höchsten Auszeichnungen für Kirchenmusiker.

Noch während der letzten Kriegsmonate, Ende 1944 gründete der damals 14-Jährige Ickstadt zusammen mit dem damaligen Organisten Peter Heinz den Kirchenchor Niederjosbach und studierte mit ihnen schon bald schwierige Formen der Kirchenmusik ein: Mit dem angehenden Schulmusiker wagte sich der Chor an die Werke großer Meister, vor allem des Barock. Der Chor gestaltete Messen und sang in Gottesdiensten.

1969 musste Ickstadt aus beruflichen Gründen die Chorleitung abgeben. Seit 1983 leitet Ickstadts Sohn Thomas Chor und Schola. Sohn Peter begleitet den Chor als Organist. Alois Ickstadt ist zudem Mitbegründer des Fördervereins St. Michael in Niederjosbach, der das Konzert organisiert.

Nun ehrt der Figuralchor Ickstadt mit seinem Konzert „Im Vorübergehn“ für seine Verdienste für die Chorarbeit. Veranstalter ist der Förderverein Niederjosbach. Der Eintritt für das Konzert am 21. Juni in der Kirche St. Michael Niederjosbach ist frei. Über Spenden für den Förderverein Niederjosbach freut sich der Chor.bpa

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