Losgelöst vom Moment des Auslösens

QR-Code zur Ausstellung

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Ein Augenblick, festgehalten als Momentaufnahme, mit Langzeitbelichtung, als Mehrfachbelichtung oder einfach aus der richtigen Perspektive und im nächsten Schritt am Computer bearbeitet …

… mit Filtern, Farbeffekten, Wischtechniken, mehreren übereinandergelegten Aufnahmen oder nur mit der richtigen Körnung versehen – und aus Alltagsszenen, Landschaften oder bekannten Gebäuden entstehen einzigartige Bilder, visuelle Experimente, die trotz aller Technik die Handschrift ihrer Erschaffer zeigen. Die Ausstellung „Zeit-Raum-Licht“ der Fotogruppe Aktiv des Kuturkreises ist ein deutliches Bekenntnis zur experimentellen, teilweise abstrakten und artifiziellen Fotografie. Der Moment des Auslösens ist nur einer von vielen Arbeitsschritten. Zur Eröffnung am vergangenen Freitag im Blauen Saal im Rathaus I in Vockenhausen kamen auch viele Freunde, Bekannte und Fotografen anderer Fotogruppen. Von den 40 Hobby-Fotografen und Fotografinnen der Fotogruppe Aktiv nahmen 21 an der Ausstellung teil.

Die beiden Teilnehmerinnen Ulrike Metz und Ines Garrido-Kiesow übernahmen die Aufgabe, in das Motto der Ausstellung „Zeit-Raum-Licht“ einzuführen: Ulrike Metz legte den Schwerpunkt auf die Zeit, die Gruppenmitglieder in Workshops oder auf ihren Touren miteinander verbracht haben: bei über 100 Ausflügen in die Region, neun Tagestouren und sieben Fotoreisen. Die letzte, die Jubiläumsfahrt, führte die Gruppe im Frühjahr zum Fotografieren nach Bilbao. Thema der Reise war „Schwarz-Weiß“.

Den beeindruckenden Ergebnissen war eine ganze Wand des Ausstellungssaals gewidmet. Foto-Kollegin Ines Garrido-Kiesow sprach vom „Raum“, den die 80 Fotos, eine exquisite Auswahl aus zehn Jahren Fotografie, ausfüllten, Ulrike Metz wünschte schließlich den Besuchern viele „Lichtblicke“ beim Betrachten der Bilder und lud sie ein, mit einem Glas Sekt darauf anzustoßen und sich Zeit für die Fotos zu nehmen.

In manchen Fotos nehmen die Fotografen vor der Aufnahme Einfluss auf ihr Motiv, wie Bettina Koch etwa, die in „Schwarz dominiert“ ein Aktmodell fotografiert, dessen mit Heilerde eingeriebene Haut fast den Eindruck einer Skulptur aus Stein oder Metall erweckt oder Raimund Mühlhaus, der den filigranen „Wald der Straßenlaternen“ in Bilbao einfach aus der Froschperspektive zeigt.

Oft nehmen die Fotografen die Veränderung oder Abstraktion erst später am Bildschirm vor: Ines Garrido-Kiesows „Aquarell“ von der Hallig Hooge etwa entstand aus drei Einzelaufnahmen, ein scharfes Foto, ein unscharfes und ein gezoomtes, die in Photoshop übereinandergelegt und ineinander verarbeitet wurden. Das Ergebnis sieht aus, als wäre es gemalt.

Yvonne Winterer, die die Gruppe vor zehn Jahren gegründet und die künstlerische Leitung übernommen hat, lotet in ihren Bildern eine große Bandbreite an Techniken aus: Architekturfotos, wie die Aufnahme im Bahnhof Lüttich, werden von den Linien und Lichteffekten strukturiert. Ihr üppiges Stillleben mit Blumen und Obst ist inspiriert von den alten Malern und von alten Fotografier-Techniken: Ein großer Karton, mit schwarzer Pappe ausgelegt und verschließbaren Kartonklappen und Deckeln, ermöglicht es, mit dem Lichteinfall zu experimentieren und ihn gezielt auf das Objekt zu lenken – anders als etwa Foto-Kollegin Stephanie Robitschko, die am Computer mit dem Freistellen eines im Frankfurter Zoo fotografierten Zebras vor einen schwarzen Hintergrund einen starken Kontrast erzielt.

Bei Winterers fast abstraktem Foto „Hessen tanzt“ habe sie hingegen zum ersten Mal einen KI-Neural-Filter angewandt und mit der Überlagerung mehrerer Fotos verschiedener Tanzpaare per Ebenentechnik gearbeitet, verriet sie im Gespräch während der Ausstellungseröffnung.

Zur Vernissage und an den beiden Ausstellungstagen am vergangenen Wochenende zählten die Veranstalter rund 350 Gäste. Mit jeweils 30 Teilnehmern waren die beiden Vorträge von Werner Schwehm zum Thema Schwarz-Weiß-Fotografie ausgebucht, ebenso die stündlichen Führungen in Kleingruppen durch die Ausstellung. Seit Montag ist die Ausstellung auch im Internet zu sehen: Entweder direkt über den QR-Code oder über die Internetseite kk-eppstein.de.bpa

Am Wochenende war im Blauen Saal im Rathaus I die Ausstellung „Zeit-Raum-Licht“ der Fotogruppe Aktiv zu sehen. Foto: Walter Adler/adler-photoart.de

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