Burgfestspiele: „Good Vibes Only“

Klaus Nohn, Christina Bents, Christoph Coen, Axel Schmitt, Jörg Bohn, Lukas Port, Matthias Hoff, Markus Pohl und Horst Seibel (v.l.) sind „NoSaxNoFun“.Foto: Helga Mischker

Klaus Nohn, Christina Bents, Christoph Coen, Axel Schmitt, Jörg Bohn, Lukas Port, Matthias Hoff, Markus Pohl und Horst Seibel (v.l.) sind „NoSaxNoFun“.Foto: Helga Mischker

Das vierte Festspielwochenende steht bevor – am Samstag mit einem der Highlights, der Oper „La Traviata“, open air von der Opera Classica Europa auf Burg Eppstein inszeniert.

Angesichts der hohen Temperaturen am vergangenen Wochenende wurde die Kinderaufführung „Rapunzel“ des Laku Paka-Figuren-Theaters vorsorglich in den Bürgersaal verlegt. Dennoch fanden etwa 100 Personen, Familien mit Kindern, den Weg und genossen das originelle Märchenspiel, bei dem die Bühne ein großer Mantel war.

Am Samstagabend dagegen füllte sich der Burghof für ein beschwingtes Musikerlebnis. Der Name ist Programm: „NoSaxNoFun“. Dass Saxophonspielen jede Menge Spaß macht, stellten acht leidenschaftliche Musiker aus Veldenz bei Mühlheim an der Mosel bei den Burgfestspielen eindrucksvoll unter Beweis. Unter dem Motto „Swinging in the Mission of Sax“ entfalteten sie, begleitet vom rhythmischen Klangteppich ihres Cajon-Spielers, einen mitreißenden Big-Band-Sound. Mit ihrer Spielfreude und musikalischen Qualität begeisterten die Rheinland-Pfälzer das Eppsteiner Publikum und sorgten bei der Veranstaltung des Kulturkreises Eppstein für beste Stimmung in familiärer Atmosphäre.

Axel Schmitt, ehrenamtlicher Dirigent und Gründer von „NoSaxNoFun“, brachte auf den Punkt, was die Gruppe antreibt: Beim Musizieren den Alltag hinter sich lassen und gute Laune verbreiten – dann springe der Funke auch auf das Publikum über. Vor zwölf Jahren stellte er zunächst eine Gruppe Jugendlicher zusammen, um ihnen ein attraktives Freizeitangebot zu machen und Auftrittsmöglichkeiten mit dem Saxophon zu eröffnen. Als die Jugendlichen nach und nach ausstiegen, rückte die ältere Generation nach, erzählte Schmitt schmunzelnd. Im Berufsleben leitet er die Ordnungsbehörde und den Bürgerservice der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Sunnyside Up“ von Gernot Dechert – einem Stück über ein einseitig gebratenes Spiegelei mit leuchtend gelber Sonne. Auf dem abwechslungsreichen Programm standen moderne Hits wie „Happy“ von Pharrell Williams ebenso wie die Titelmelodie der Fernsehserie „Raumpatrouille Orion“ sowie zahlreiche Klassiker der BigBand-Ära. Werke von Glenn Miller gehören ebenso zum Repertoire wie „Strike Up the Band“ von George Gershwin. Zu hören war auch Millers berühmter Swing-Klassiker „Chattanooga Choo Choo“, den Udo Lindenberg später für seinen Protestsong „Sonderzug nach Pankow“ adaptierte. Als junger Mann habe er Lindenberg bei diesem Stück auf dem Saxophon begleiten dürfen, berichtete Schmitt, der auch unterhaltsam durch das Programm führte. Mit hörbarem Stolz stellte er zudem mehrere Arrangements vor, die Bandmitglied Markus Pohl eigens für „NoSaxNoFun“ geschrieben hat, darunter „Moten Swing“, „Backjump“ und „Baker Street“.

Fast alle Musiker beherrschen mehrere Saxophonarten. Insgesamt vierzehn Instrumente standen auf der Bühne und kamen im Laufe des Konzerts zum Einsatz: Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophone – allesamt Holzblasinstrumente. Auf Blechbläser verzichtet die Formation bewusst. Sie bezeichnet sich selbst als kleinste Big Band im Landkreis Bernkastel-Wittlich und möchte beweisen, dass sich auch ohne Trompeten und Posaunen ein voller, kraftvoller Big Band-Sound erzeugen lässt.

Seit einem halben Jahr verstärkt allerdings Jörg Bohn die Gruppe am Cajón, der aus Peru stammenden Kistentrommel. Auf ihn möchte Schmitt inzwischen nicht mehr verzichten. „Vorher hat der Rhythmus gefehlt“, resümierte er augenzwinkernd.

Dass der Funke übersprang, war spätestens bei „I Will Survive“ von Gloria Gaynor unübersehbar: Viele Besucher klatschten begeistert im Takt mit.

„Wir sind in Schwingung versetzt“, fasste Manfred Sturm vom Mitveranstalter Kulturkreis den Konzertabend zusammen. Gemeinsam mit Ulrike Canthal und Elisabeth Frake-Rothert leitet er den Fachbereich Musik und zählt zu den großen Fans von „NoSaxNoFun“. Kennengelernt hatte er die Formation bei einem Konzert in der Villa Romana in Veldenz, wo die Musiker regelmäßig proben und vergangenes Jahr ein Benefizkonzert zugunsten des Kinderhospizes Trier gaben. Von der Musik, den „Good Vibes“ und dem sozialen Engagement gleichermaßen beeindruckt, lud er die Gruppe zu den Burgfestspielen nach Eppstein ein.

Am 21. November veranstaltet „NoSaxNo Fun“ erneut ein Benefizkonzert zugunsten schwerbehinderter Kinder. Mit dem Erlös soll ihnen Musikunterricht ermöglicht werden.

Helga Mischker

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