Nicht nur die Zusammenarbeit im Nachbarschaftsraum mit der Kelkheimer Lukasgemeinde steht zur Debatte, sondern auch, wie die Gemeinde selbst sich künftig aufstellen will, wenn Pfarrerin Heike Schuffenhauer im Sommer nach 33 Jahren im Eppsteiner Pfarrhaus in den Ruhestand geht. Lydia Rauh, die Vorsitzende des Kirchenvorstands der Talkirchengemeinde, weiß, dass Schuffenhauers Abschied einen Einschnitt bedeutet: Sie hat das Gemeindeleben über Jahrzehnte geprägt. Nun wird die Pfarrstelle für Eppstein auf 50 Prozent eingeschränkt. Der Kirchenvorstand sei gerade dabei, die Ausschreibung fertigzustellen, sagt sie. Gesucht werde zunächst eine „Pfarrperson für eine ganze Stelle“, denn auch in Kelkheim wird mit dem Wechsel von Pfarrerin Elisabeth Paulmann im März eine Stelle frei. Idealerweise finde sich jemand, jeweils für eine halbe Stelle im Nachbarschaftsraum – oder eine Teilzeitstelle für Eppstein.
Das Gemeindeleben selbst habe Heike Schuffenhauer bereits so organisiert, dass vieles auch ohne sie bestehen bleibt: Das Familienzentrum mit seinen vielen Treffs und Veranstaltungen sei längst wichtiger Treffpunkt für Ältere ebenso wie für junge Familien. Viele Veranstaltungen werden von Ehrenamtlichen geplant. „Das funktioniert sehr gut“, lobt Rauh. Ein Ausbau des Angebots sei leider nicht möglich, da die Kirchengemeinde die Mittel dafür selbst erwirtschaften müsste.
Das Pfarrhaus samt Pfarrbüro bleibt auch künftig als Bestand im Pfarrplan. Rauh hofft, „dass es als attraktives Wohnhaus in schöner Lage ein Pluspunkt für mögliche Bewerbungen ist“.
Kindergarten und Krippe haben in den vergangenen Jahren einige personelle Krisen erlebt. „Zurzeit sind wir gut aufgestellt“, sagt Rauh und ist überzeugt, dass mit der für 2027 geplanten Übernahme in eine „Gemeindeübergreifende Trägerschaft“, (GüT) in der EKHN die Verwaltung vereinfacht wird, die für den ehrenamtlichen Kirchenvorstand kaum noch zu leisten sei. Auf den Alltag der Kita und der Krippe werde sich der Wechsel nicht auswirken, betont sie.
Wichtig sei es, in der Gemeindeversammlung Wünsche, aber auch Möglichkeiten der Mitarbeit auszuloten. Denn die Talkirche solle ein Ort der Begegnung bleiben und braucht dafür freiwillige Helferinnen und Helfer. So habe Heike Schuffenhauer laut Rauh in den vergangenen Monaten vieles vorbereitet, um den Übergang zu erleichtern: Für die Organisation der Abendmusik habe sie Mitstreiter gefunden, ebenso für die Organisation des renommierten Eppsteiner Klavierfests. Feste Gruppen wie der Hinterbliebenenkreis, der Diakoniekreis oder die Männer-Diskussionsrunde organisieren sich vorerst selbst. Auch für die neue Konfirmandengruppe gebe es voraussichtlich eine Betreuerin, damit die Gruppe sich zur Vorbereitung in Eppstein treffen kann. Die aktuelle Konfirmandengruppe wird noch von Heike Schuffenhauer auf die Konfirmation vorbereitet. Ganz aus dem Gemeindeleben zurückziehen wird sich Schuffenhauer auch im Ruhestand nicht, denn sie zieht nach Vockenhausen. Ihre Abschiedsfeier aus dem Pfarrdienst ist für Samstag, 27. Juni, geplant. Vorher stehen Bilanzgespräche an.
Völlig offen ist derzeit eine neue Gottesdienstregelung und die seelsorgerische Arbeit. Anders als in der Emmausgemeinde Bremthal, wo neben einer Pfarrerin auch einige ehrenamtlich ausgebildete Prädikanten Gottesdienste halten dürfen, habe sich in der Talkirchengemeinde bislang noch niemand für die zeitaufwändige Ausbildung zu Laienpredigerin oder Laienprediger gefunden.
„Unser Kirchenvorstand ist relativ jung“, sagt Rauh, „die meisten von uns sind voll berufstätig und haben Familien mit kleinen oder schulpflichtigen Kindern.“ Da bleibe neben der Vorstandsarbeit keine Zeit für weitere Verpflichtungen. „Aber wir sind eine aktive Gemeinde und hoffen, dass sich weitere Menschen finden, denen die Talkirche ebenso am Herzen liegt wie uns“, sagt sie mit Blick auf die Gemeindeversammlung am Sonntag.
Rückblickend seien die vergangenen zwei Jahre im neuen Nachbarschaftsraum harmonisch verlaufen. Die Nachbarschaftsgottesdienste an wechselnden Orten, insbesondere die Sommergottesdienste, seien oft besser besucht als die Gottesdienste, die jede Gemeinde für sich allein feiere. Durch die Gemeindearbeit, aber auch über die Schulen und die Kinder gebe es bereits viele private Kontakte nach Kelkheim.
„Dennoch werden wir oft gefragt, warum sich die Talkirchengemeinde nicht dem Nachbarschaftsraum Hofheim angeschlossen habe“, räumt Rauh ein. Schon wegen der Bahnlinie wäre das eine naheliegende Option gewesen. „Aber wir haben uns für Kelkheim entschieden, weil uns ein Nachbarschaftsraum bis Kriftel einfach zu groß erschien“, erklärt Rauh den damaligen Prozess. Umso wichtiger sei es nun, so Rauh, „dass wir einen Pfarrer oder eine Pfarrerin für Eppstein finden, der uns im Gottesdienst und vor allem in der Seelsorge begleitet“.bpa

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