Schon als Kind habe er im Kinderchor mitgesungen, trat im Kinder-Musical auf, bei dem der ganze Ort bei Aufbau und Technik mit anpackte. Später als Konfirmand war er selbst als Helfer dabei. Vorbild seien ihm die damaligen Pfarrer der Gemeinde, das Ehepaar Helms, und deren Jugendarbeit: „In Bibelnächten und Philosophie-Kreis haben wir als Jugendliche stundenlang Sätze diskutiert wie Prechts bekannten Buchtitel: ,Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?‘“, erinnert sich Rindermann.
Anders als sein Zwillingsbruder, der sich früh für Elektrotechnik interessierte und heute in der Automatisierungstechnik arbeitet, zog es ihn zum Theologie-Studium nach Mainz, mit dem Ziel, Pfarrer zu werden. Dass kein Tag wie der andere abläuft, jedes Gespräch, jede Begegnung anders sei, mache für ihn den Pfarrerberuf zu etwas Besonderem, sagt Rindermann. Die Arbeit in einer Gemeinde hänge von den Anliegen und Themen ab, „die oben auf liegen“. Gefragt nach Schwerpunkten seiner Gemeindearbeit nennt Rindermann an erster Stelle „die Begegnung mit den Menschen“.
Da ihm die eigene Jugend noch gut in Erinnerung ist, sei ihm die Altersgruppe zwischen Konfi-Zeit und jungem Erwachsenenalter besonders wichtig und die Frage, wie diese schwierige Zielgruppe zu erreichen ist. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport: Bouldern, Squash-Spielen, Fahrradfahren, aber auch Schach, Billard und Snooker. Er könnte sich vorstellen, das eine oder andere mit Konfirmanden auszuprobieren. Beim Bouldern etwa, dem Klettern ohne Kletterseil oder Gurt, gehe es um Selbstüberwindung und Vertrauen in sich selbst, so Rindermann.
Kita und Krippe sind direkt neben dem Pfarrhaus untergebracht, das gefalle ihm sehr gut. Als Pfarrer wolle er dort präsent sein, ebenso in der Grundschule im Religionsunterricht: „Mit Kindern kann man gut arbeiten. Sie stellen oft tolle Fragen“, weiß er aus seinen Jahren als Vikar, die er im rheinhessischen Wörrstadt-Rommersheim verbracht hat. In der Burg-Schule und beim Schulamt will er sich demnächst vorstellen.
Seinen ersten Gottesdienst in der Seniorenresidenz in der Langenhainer Straße hält er am 3. September und dann alle zwei Wochen im Wechsel mit den katholischen Kollegen. Besuche in den verschiedenen Gemeindegruppen, Föderverein, Stiftung und Gesprächskreisen stehen ebenso auf der Tagesordnung wie die nächsten Kasualien – also Taufen, Konfirmation, Trauungen und Bestattungen. Gleich vier Trauergespräche hat er im Laufe dieser Woche. In diesen Gespräche seien viele Menschen sehr offen, hat er beobachtet. Dieses Vertrauen bedeute ihm viel. Die Trauerfeier selbst sei für viele Menschen eine wichtige Stütze und Hilfe“, sagt er.
Während des Studiums habe er häufig die Angebote der Hessischen Landeskirche an der Universität genutzt. So kam es auch, dass er sich für eine Pfarrerstelle im Gebiet der EKHN bewarb und nicht in der Pfalz. Seine Lebensgefährtin, die er während des Studiums kennenlernte, kommt aus Hofheim. Sie studiert ebenfalls Theologie und schreibt gerade an ihrer Doktor-Arbeit. Deshalb sei es naheliegend gewesen, einen Ort zu suchen, der für beide heimatnah war. „Zunächst sah es ganz danach aus, dass ich nach Alzey gehe“, so Rindermann, doch dann wurde die Stelle im Nachbarschaftsraum Kelkheim-Eppstein ausgeschrieben, für die er sich dann erfolgreich bewarb.
Nach Pfarrerin Heike Schuffenhauers Eintritt in den Ruhestand wurde die Stelle in der Talkirchengemeinde auf eine halbe reduziert. Peter Rindermann wird daher mit einer halben Stelle zusätzlich die Pfarrkollegen Patrick Smith und Timo Winzler im Nachbarschaftsraum Kelkheim-Eppstein unterstützen, zu dem neben der Talkirchengemeinde auch die Kelkheimer Lukas- und Stephanusgemeinden gehören. „Ich werde daher schauen, was es schon gibt und wo ich mich einbringen kann. Zumal die Gemeinde besonders aktiv und lebendig ist“, erklärt Rindermann. Heike Schuffenhauer habe enorm viel aufgebaut und die Gemeinde in den über 30 Jahren sehr geprägt.
Mit Organistin und Gemeindepädagogin sei das neue Team für Kelkheim und Eppstein nun komplett. Teamarbeit sei bereits im Studium ein wichtiges Thema gewesen: „Wir haben uns alle darauf vorbereitet, dass wir nicht mehr der eine Stadtpfarrer sein werden, sondern mit anderen zusammenarbeiten“, sagt Rindermann. Andererseits sehe er seine Kernaufgabe immer noch darin, Menschen in ihren wichtigen Momenten zu begleiten, „in traurigen und in glücklichen“, sagt er. Die Gemeinde sei immer noch ein Ort, an dem Glauben gelebt wird. Er wolle auch in Zeiten des Umbruchs zeigen, „dass Kirche weiterhin Leben vor Ort bedeutet und für die Menschen da ist“, so Rindermann.
Deshalb freue er sich darauf, mit seiner Partnerin nach der Renovierung ins Pfarrhaus in der Rossertstraße einzuziehen. Aktuell werde dort alles für umfassende Sanierungsmaßnahmen vorbereitet. Deshalb habe er sein Büro nur provisorisch eingerichtet: ein paar Bilder an der Wand und eine Luther-Handpuppe auf dem Sessel verbreiten ein wenig Atmosphäre. Seine Bücher werde er wohl vorerst nach Kelkheim bringen, bis das Pfarrhaus fertig saniert ist. Er sei froh, dass er mit Hilfe von Gemeindemitgliedern für den Übergang eine Wohnung in Vockenhausen gefunden habe und schon in seinem Hauptwirkungskreis wohne. In den vergangenen Monaten habe er einige Veranstaltungen besucht: zum Beispiel die Kerb in Vockenhausen und die Aufführung von „Ein Sommernachtstraum“ bei den Burgfestspielen. Der nächste Neubürgertreff im September auf dem Wochenmarkt in Eppstein stehe auch schon in seinem Kalender.
Auch der Veranstaltungskalender der Kirchengemeinde sei gut gefüllt. Viele eingespielte Aktionen sind schon lange geplant: Die Abendmusiken jeden ersten Samstag im Monat stehen immer etwa ein Jahr im Voraus fest. Auch für das Klavierfest werde schon bis 2029 im Voraus geplant, lobt er die vorausschauende Arbeit in den verschiedenen Arbeitsgruppen der Gemeinde. Er selbst spiele zwar auch Klavier, „aber für Auftritte müsste ich noch ganz schön üben“, sagt er schmunzelnd. Das beliebte Bobbycar-Rennen ist für Sonntag, 20. September, vorgesehen
Am vorigen Sonntag hielt er seinen ersten Gottesdienst als Pfarrer vor rund 40 Besuchern in der Talkirche. „Beim Abschiedsgruß am Ausgang der Kirche habe ich viele gute Wünsche gehört. Über das Lob für meine Predigt habe ich mich besonders gefreut – und über den Konfirmanden, den ich in der Kirche gesehen habe“, fasst der neue Pfarrer hinterher seine Eindrücke zusammen. Das erste Konfi-Treffen mit neun Eppsteiner Jugendlichen fand am Dienstag danach statt. Am Montag traf er sich zur ersten turnusmäßigen Sitzung mit dem Kirchenvorstand. Dort stellte der beauftragte Architekt seine Vorschläge für die Sanierung des Pfarrhauses vor.
Die Vorsitzende Lydia Rauh, so Rindermann, unterstütze ihn aktuell bei den Vorbereitungen für den Gottesdienst zu seiner Ordinierung durch Pröpstin Henriette Crüwell am kommenden Sonntag, 23. August, um 15 Uhr in der Talkirche. bpa

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