MFE sucht junge Menschen mit etwas Zeit für Nachbarschaftshilfe

Oswald und Ursula Staudacher zeigen, wie Einkaufshilfe funktioniert: Der Einkauf wird an der Haustür abgestellt und das Geld im Umschlag bereitgelegt. Foto: Beate Schuchard-Palmert

„Wir sind froh, dass wir gewisse Leistungen auch in der Coronapandemie aufrecht erhalten können“, beschreibt Herrmann May, Erster Vorsitzender des Vereins Miteinander-Füreinander die derzeitige Lage. Das Büro sei nach wie vor besetzt.

Es sei wichtig, dass die Mitglieder einen Ansprechpartner hätten, der Auskunft gebe, Informationen beschaffe oder beim Vereinbaren eines Impftermins über das Internet helfe. Doch das breite Spektrum der Nachbarschaftshilfe sei geschrumpft.

Gelegentlich konnten Kleinigkeiten im Haushalt erledigt werden, beispielsweise eine Glühbirne tauschen, wenn der Hilfesuchende nicht mehr selbst auf die Leiter steigen konnte. Nur 330 Dienste wurden 2020 geleistet, während in den davorliegenden, „normalen“ Jahren mehr als tausend Dienste protokolliert wurden. Komplett ausgefallen sind alle Aktivitäten in der Seniorenresidenz. Dort traf man sich sonst zum Singen und Spielen. Beides fiel dem Corona-bedingten Singverbot und den Kontaktbeschränkungen zum Opfer.

Das gleiche Schicksal ereilte den beliebten, für alle offenen Kaffee- und Kuchen-Treff im Fliednerhaus. Vorschriften, aber auch das Alter der Helfer setze Grenzen für Angebote wie Hausaufgabenhilfe, begleitetes Einkaufen und Fahrdienste. Geblieben seien die Kooperation mit dem Familienzentrum der Talkirchengemeinde und die Zusammenarbeit mit der Hattersheimer Tafel. Einmal im Monat werden Päckchen an Bezugsberechtigte ins Jakobus- und ins Fliednerhaus geliefert.

Statt die Menschen zum Einkauf zu begleiten, arbeite man jetzt deren Listen ab, ergänzen Ursula und Oswald Staudacher. Die beiden sind seit gut vier Jahren im MFE aktiv. Seitdem beide im Ruhestand sind, erledigen sie Einkäufe für hilfsbedürftige Mitglieder oder den Telefondienst im Büro. Gern übernehmen sie feste Partnerschaften. So organisiert Ursula Staudacher Fahrdienste für zwei ältere Eppsteiner.

Sie bedauert, dass Besuche zurzeit nicht möglich sind, hofft aber, dass auch jüngere Eppsteiner sich auf die Vorteile solidarischen Handelns besinnen und sich beim MFE zum Mithelfen melden. Denn nur, wenn weiterhin jüngere Mitglieder dazukommen, profitieren die heutigen Helfer davon, wenn sie selbst alt und hilfsbedürftig sind.

Einige wenige Vereinsmitglieder konnten dank jüngerer Helfer zu Ärzten oder zum Impfzentrum gefahren werden. Mit Maske und Transport auf dem Rücksitz, des Abstands wegen. „Wir haben nur noch wenige Fahrer. Unsere aktiven Mitglieder sind meist selbst schon über 60 Jahre alt und wer sogar zur Risikogruppe gehört, der fällt als Helfer ganz aus“, so May. Zudem sind von den derzeit 421 Mitgliedern nur 65 als aktive Helfer tätig. 200 fördernde Mitglieder würden derzeit als passive Mitglieder keine Hilfe in Anspruch nehmen. Etwa zwei Drittel der Mitglieder sind über 70 Jahre alt.

Der Sinn des Vereins sei Nachbarschaftshilfe, Geben und Nehmen laute das Motto. Die Währung im Austausch von gegenseitigen Leistungen sind Punkte. Wer hilft, sammelt zwei Punkte für jede geleistete Stunde. „Eines unserer Vereinsmitglieder hat 2000 Punkten auf seinem Konto. Er war also rund 1000 Stunden für andere Menschen im Einsatz“, lobte May ein 90-jähriges Vereinsmitglied. Solch eine engagierte Vereinsbiografie sei leider selten. Viele Menschen treten dem Verein erst bei, wenn sie selbst hilfsbedürftig seien. Oft fielen derartige Neu-Mitglieder auch durch übertriebene Anspruchshaltung negativ auf. Der Verein sei aber kein billiger Dienstleister, sondern eher ein hilfsbereiter Nachbar. „Wir wollen nicht ausgenutzt werden“, so May, deshalb führe man mittlerweile persönliche Aufnahmegespräche, um den Verein zu schützen.

Willkommen sei jeder, der das Motto des Miteinander-Füreinander der gegenseitigen Hilfe trage. Das Engagement könne man selbst dosieren, denn gerade junge Menschen im Berufsleben hätten wenig Zeit.

Zur Auswahl ständen Bürotätigkeiten, Organisation, Koordination und Netzwerken mit anderen Institutionen, handwerkliche sowie soziale Tätigkeiten mit Kindern oder Senioren. Informationen und Bürozeiten stehen unter www.mfe-eppstein.de. Telefonisch ist der Verein unter 34 96 77 zu erreichen.

Insgesamt sei das Spektrum extrem breit. Für einen guten Ein- und Überblick sei der zeitlich gut zu handhabende Posten des Beisitzers im Vorstand perfekt geeignet, wirbt May für die anstehenden Vorstandswahlen.ffg

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