Lars und Melanie Landau experimentieren mit Hopfen und Malz

Melanie und Lars Landau haben ihre eigene Brauerei gegründet.Foto: privat

Melanie und Lars Landau haben ihre eigene Brauerei gegründet.Foto: privat

Seit fast genau einem Jahr hat Eppstein eine eigene Brauerei. Der Name „EppBräu“ verrät schon den lokalen Bezug, ebenso wie das Logo mit der Burgsilhouette und einem Löwen, ...

... der dem historischen Wappen entnommen sei, „aber moderner gestaltet wurde“, sagen Melanie und Lars Landau, die Gründer der neuen Mikrobrauerei.

Beide stammen aus Eppstein, der 43-jährige Lars wuchs in Bremthal auf, Melanie (34) in Vockenhausen, beide waren seit ihrer Jugend in den Stadtteilwehren ihrer Heimatorte aktiv und lernten sich auch bei der Feuerwehr kennen. Nach der Hochzeit wohnten sie zunächst in Vockenhausen und zogen 2019 nach Ehlhalten, wo sie inzwischen die örtliche Feuerwehr verstärken. „Dann kam Corona“, erinnern sich beide, „und wir überlegten, welche Hobbys uns außer den Feuerwehreinsätzen noch bleiben“, erinnern sich beide. Lars kam schließlich auf die Idee, an einem „Online-Live-Tasting“ für Bier teilzunehmen. Weil ein Freund kurzfristig den zweiten gebuchten Platz absagte, sprang Ehefrau Melanie ein. Beide waren begeistert und hatten die Idee: „Wir brauen unser eigenes Bier“.

Sobald die Corona-Regeln es zuließen, absolvierten die beiden einen Braukurs bei einer regionalen Brauerei und besorgten sich die Ausrüstung: für die einzelnen Arbeitsschritte insgesamt drei Kessel und einen Gärbehälter. Mit dem Fassungsvermögen von 150 Liter „können wir etwa 80 bis 100 Liter Bier pro Brauvorgang herstellen“, sagt Melanie Landau. Bis zu 500 Liter Bier pro Jahr dürfe man für den Eigenbedarf brauen. Alles darüber hinaus muss steuerlich angemeldet werden. So gab es 2023 zunächst das erste selbst gebraute Bier bei Geburtstagsfesten oder zu Treffen mit Freunden.

Die Nachfrage wuchs. „Bald stellten wir fest, dass wir ein Gewerbe anmelden müssten, um alle Wünsche zu erfüllen“, erinnern sich die beiden. Zunächst aber tüftelten sie noch am Geschmack, ihr Bier sollte möglichst jedem schmecken. „Wir haben viel ausprobiert, alles nach dem deutschen Reinheitsgebot“, erzählt Landau, also nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Aber erst mit ihrer Sorte „Rotes Weizen“, waren sie zufrieden. „Das schmeckt auch den anderen“, stellten sie schnell fest. Im Sommer 2024 meldeten sie ihre Mikrobrauerei an, besorgten sich Pfandflaschen und Pfandkästen und meldeten ihren Online-Shop an. Denn für einen Werksverkauf oder privaten Shop zu Haus fehle es an Platz und Lagerkapazität.

Ursprünglich wollten sie im eigenen Haus in Ehlhalten brauen, hatten bereits die Genehmigung des Gesundheitsamts. Doch dann lehnte das Bauamt ab, eine Produktionsstätte im Wohngebiet sei nicht erlaubt. „Inzwischen haben wir uns gut arrangiert“, sagen beide. Gebraut wird in Eppstein, allerdings möchte der Vermieter nicht, dass an der Braustätte verkauft wird. Deshalb haben sie einige Lagerräume für den Nachschub.

Vier Sorten haben sie inzwischen im Programm: Neben dem Roten Weizen, die Sorten „Milder Hesse“, „Eppsteiner Rotbier“ und ein gehaltvolles „Winterbock“. Aktuell tüftelt Melanie Landau an einem neuen „Frühlingsbier“, das das Winterbock ablösen soll. Sie probiert gern unterschiedliche Rezepturen aus, arbeitet mit verschiedenen Hopfensorten, Malz und Hefearten. Alles zusammen ergibt am Ende den individuellen Geschmack jeden Bieres.

Auch das erste Craft-Bier mit weiteren Rohstoffen sei fast fertig. „Es wird eine Hommage an Ehlhalten mit einem leicht rauchigen Abgang“, sagt Melanie Landau. Mehr will sie dazu noch nicht verraten. Lars Landau ist der Verkoster. „Er hat die feineren Geschmacksnerven“, sagt seine Frau. Deshalb absolviert er aktuell eine Ausbildung zum Bierbotschafter, die Vorstufe zum Biersommelier, den er nächstes Jahr machen will.

Die beiden Saison-Biere brauen die beiden in Eppstein, dort entwickelt Melanie Landau auch ihre neuen Sorten. Die laufenden Sorten wie das „Rote Weizen“ brauen sie inzwischen bei einer befreundeten Brauerei. „Da deren Brauerei nicht an jedem Tag voll ausgelastet ist, können wir an deren Leerlauf-Tagen unser Bier brauen“, erklärt Melanie Landau.

Der Arbeitsablauf sei in beiden Brauereien gleich. Er beginnt mit der Herstellung der Maische mit Malz und Wasser und dem Läutern, wobei die Maische abgegossen wird und der Nachguss mehrmals über die Maische gegossen wird. Anschließend wird der Hopfen hinzugefügt und das ganze Gemisch aufgekocht. Dabei wird der Sud zehn Minuten lang sprudelnd gerührt – „in unserer kleinen Brauerei machen wir das tatsächlich noch von Hand“, erklärt Melanie Landau, in größeren Brauereien gibt es auch dafür Geräte. Danach wird die heiße Flüssigkeit umgepumpt und dabei abgekühlt.

Sobald die Flüssigkeit auf 10 bis 20 Grad Celsius abgekühlt ist, wird die Hefe zugeführt. Wenn die Hefe nach zwölf bis 24 Stunden erwacht ist, beginnt der Gärprozess, der ungefähr eine Woche lang dauert. Bei manchen Sorten wird der Hopfen auch erst beim Gären zugeführt, bei der sogenannten „Kalthopfung“. „Damit verändert man das Aroma des Biers“, sagt Landau.

Dann wird das Bier in Lagertanks umgefüllt, wo es in ein bis zwei Wochen die für Bier typische Kohlensäure entwickelt. Zum Reifen füllen die Landaus das Bier in die Flaschen ab und lassen es noch einmal drei bis vier Wochen ruhen. Erst danach, so Melanie Landau, haben sich alle Zutaten gut gemischt und der Geschmack voll entwickelt. „Wir füllen zur Reifung in die Flaschen um, damit wir die Töpfe und den Gärbehälter für den nächsten Brauvorgang frei haben“, erklärt sie den Arbeitsablauf. Die aufwändige Herstellung, die lange Entwicklung und der Reifeprozess erklären auch, warum das Eppsteiner Bier etwas teurer ist als Bier aus einer Großbrauerei.

Übrigens gibt es, so Landau, bewusst nur 0,33 Liter-Flaschen: „Wir machen Biere zum Genießen. Die Menge lässt sich gut trinken, ohne, dass das Bier schal wird.“ Trotz des Zeitaufwands ist das Brauen eher ein Hobby für die beiden. Leben können sie davon nicht. Melanie, die beim Finanzamt das Studium zur Diplom-Finanzwirtin absolvierte, arbeitet bei der Stadt und ist inzwischen Leiterin des Fachbereichs Finanzen, Ehemann Lars ist gelernter Rettungsassistent und arbeitete rund 20 Jahre lang im Rettungsdienst im Rheingau-Taunus-Kreis, absolvierte etliche Lehrgänge und ist inzwischen Schichtführer in der Rettungsleitstelle in Hofheim.

„Eine kleine Brauerei mit Verkaufstheke wäre unser Traum“, sagen die beiden, doch habe sich der Online-Shop im vergangenen Jahr gut entwickelt. Im Raum Eppstein liefern sie ihre Ware selbst aus. Außerdem wird ihr Bier auch in der Region ausgeschenkt: Zum Beispiel im Bistro Altes Spritzenhaus in Ehlhalten und im Schlosshotel Rettershof. Sehr gut gelaufen sei es auch vorigen Sommer im Biergarten des Campingplatzes „The Eppstein Project“. Weitere Aktionen gab es mit Friseurmeister Markus Meiners. Im März sind sie mit ihrem roten Weizenbier bei der „Störtebeker Abenteuerreise“ vertreten, einer Online-Verkostung der Stralsunder Brauereimanufaktur. Zwei Paletten mit insgesamt 1200 Flaschen haben sie dafür geliefert.

Die nächste Aktion in Eppstein ist für Dienstag, 24. Februar, um 19 Uhr beim Ku-Di in der Wunderbar Weite Welt geplant: Autorin Brina Stein liest aus ihrem jüngsten Eppstein-Krimi. Passend dazu gibt es eine Bierprobe mit den Kreationen von „EppBräu“. Beim Radrennen durch den Taunus am 1. Mai wollen sie ihr Bier auf dem Gottfriedplatz ausschenken.

Rückblickend auf ihre Erfahrungen als Bierbrauer sagen die beiden: „Egal wie sich unsere Marke entwickelt: Allein für die vielen Menschen, die wir dadurch kennengelernt haben, hat sich der Aufwand schon gelohnt.“ bpa

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