Kira und Michael Biehal erfüllen sich auf dem Rettershof ihren Traum

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Kira und Michael Biehal leiten das Schlosshotel Rettershof. Das Familienfoto zeigt das Paar vor dem Hotel mit den Kindern Ilsa (3), (vorne v.l.) Anton (6), Ludwig (8) und Moritz (6).
            Foto: Miriam Castle-Weiss Fotografie

Kira und Michael Biehal leiten das Schlosshotel Rettershof. Das Familienfoto zeigt das Paar vor dem Hotel mit den Kindern Ilsa (3), (vorne v.l.) Anton (6), Ludwig (8) und Moritz (6).

Foto: Miriam Castle-Weiss Fotografie

Kira und Michael Biehal aus Niederjosbach haben sich ihren Traum erfüllt: Seit gut einem Jahr führen sie gemeinsam das Schlosshotel Rettershof auf dem gleichnamigen Gut zwischen Fischbach und Schneidhain.

Das idyllisch gelegene, 1885 errichtete Schloss sei ihnen ein Herzensprojekt, sagen die beiden und berichten, wie sie Abläufe und Strukturen in ihrem ersten Jahr nach und nach verändert und umgestellt haben – „im laufenden Betrieb“, betonen beide stolz. Zu den 33 Hotelzimmern samt Business-Suite im Anbau und drei Schlosszimmern kommen noch etliche Tagungsräume, ein Wintergarten, Restaurant- und Gasträume, die sich über beide Etagen erstrecken. Veränderungen haben sie bei den über 20 Mitarbeitern und etlichen Aushilfen durchgesetzt, indem sie überall selbst mit angepackt haben. „Wir setzen auf Teamarbeit“, sagen die beiden. Selbst in der Küche gebe es keinen klassischen Küchenchef mehr, sondern vier gleichberechtigte Köche, die die Arbeit selbst einteilen. „Das funktioniert einfach“, haben die beiden festgestellt.

Für Kira Biehal sei der Rettershof immer schon ein fester Begriff. Sie kenne ihn von Spaziergängen mit der Familie und Schulausflügen, denn die 41-Jährige ist in Vockenhausen zusammen mit drei älteren Schwestern aufgewachsen. Musik spielte ein große Rolle in der Familie: „An meinem fünften Geburtstag hatte ich meine erste Klavierstunde bei Hans Jakob Sauer.“ Sauer war in Eppstein bekannt als Architekt, Zeichner, Chorleiter und Organist und gab unzähligen Eppsteiner Kindern Klavierunterricht.

An ihre Grundschulzeit in der Burg-Schule erinnert sie sich immer noch gern: „Wir hatten eine tolle Klassengemeinschaft.“ Während der Konfirmationszeit in der Talkirchengemeinde seien diese Freundschaften wieder aufgelebt. Denn da ging sie schon in Königstein in die St. Angela-Schule. Pfarrerin Heike Schuffenhauer kenne sie seit der Grundschule als Religionslehrerin. Die Verbindung zur Talkirchengemeinde sei nie abgerissen. Obwohl sie mit ihrer Familie in Niederjosbach wohnt, entschieden sich die Biehals, weiter der Talkirchengemeinde anzugehören und ließen alle vier Kinder von Heike Schuffenhauer taufen. Voriges Jahr feierte Kira Biehal dort ihre silberne Konfirmation.

Kira Biehals Vater war Pilot, ihre Mutter Stewardess. Deshalb kam die Familie in den Ferien nahezu durch die ganze Welt. Kira, die Jüngste, wurde in Kolumbien geboren und von den Eltern im Alter von vier Monaten adoptiert. In ihrer Kindheit war sie in Vereinen wie Tennisclub, etliche Jahre im Kinderchor des Gesangvereins Sängerbund und in der Talkirche aktiv: beim Krippenspiel und zusammen mit ihrer Schwester Victoria, der Sopranistin Victoria Esper, und einer Freundin als Gesangs-Trio in der Weihnachtszeit.

Ihr sei schon früh klar gewesen, dass sie nach der Schule etwas mit Reisen oder Tourismus machen wollte, sagt Biehal. Nach einem Praktikum, noch während der Schulzeit in einem renommierten Hotel, stand ihre Berufswahl fest. Nach dem Abitur machte sie ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem großen Messehotel, schnitt mit der Traumnote 1,0 ab. Die Lehre sei hart gewesen. Der Ton in der Branche ist rau, die Arbeitszeiten gingen oft bis spät in die Nacht und begannen am nächsten Morgen ganz früh.

Nach der Ausbildung wollte sie noch mehr von der Welt sehen, arbeitete ein Jahr lang in Arizona, lernte dort einen wertschätzenden Umgang mit den Angestellten kennen. Auch auf einem Kreuzfahrtschiff fuhr sie mit, arbeitete danach wieder in einem großen Messehotel und merkte schnell, dass sie die Dinge anders machen wollte, vor allem im Umgang mit Mitarbeitern und Hilfskräften.

Sie beschloss, sich in einer Hotelfachschule für eine Leitungsposition zu qualifizieren. Dort lernte sie während des Studiums ihren späteren Mann Michael kennen, der damals noch Martin mit Nachnamen hieß. Er nahm bei der Hochzeit den Namen seiner Frau an, nicht zuletzt weil es mit seinem Nachnamen immer wieder Verwechslungen und Missverständnisse gab.

Auch Michael Biehal wuchs behütet auf. In einem renommierten Hotel im Schwarzwald machte er seine Ausbildung zum Restaurantfachmann mit Zusatzqualifikation im Küchen- und Service-Management. Schon damals habe er davon geträumt, Hoteldirektor zu werden. Auch er arbeitete zunächst in verschiedenen Betrieben, in Stuttgart, auf Sylt und in den USA. In der Hotelfachschule Heidelberg lernte er schließlich Kira kennen. Beide machten ihren Diplom-Hotelbetriebswirt und später den Hotelmeister. Nach dem Abschluss, 2016, heirateten die beiden, ihr Ziel klar vor Augen: Ein eigenes Hotel zu führen. Doch dann kam 2018 Sohn Ludwig zur Welt, zwei Jahre später die Zwillinge Anton und Moritz und vor drei Jahren Ilsa.

Gemeinsam schauten sie sich einige Objekte an. Vor fünf Jahren war auch der Rettershof schon einmal eine Option. Doch das sollte damals noch nicht sein. Michael Biehal nahm eine Stelle als Eventleiter in Bad Homburg an, war stellvertretender Geschäftsführer in einem Hotel und betreute fünf Jahre lang die Neueröffnung des Wiesbadener Sporthotels.

Während dieser Jahre engagierte sich Kira Biehal zunächst im Elternbeirat der Kinderkrippe Zwergenburg, später im Kindergarten Löwenzahn und inzwischen auch in der Comenius-Schule. Als der Ukraine-Krieg begann, nahmen die Biehals eine junge Mutter mit einer kleinen Tochter und einem Baby bei sich auf und sammelten Spenden für Hilfstransporte ins Kriegsgebiet.

Solange die Kinder in der Kita oder in der Schule sind, organisiert Kira Biehal entweder von zu Hause oder im Rettershof das gesamte Sales-Management, also alles was zu Familienfeiern, standesamtlichen Trauungen und Hochzeitsfeiern, Firmenfesten, Tagungen und besonderen Veranstaltungen gehört. „Zu den Besprechungen bin ich am Rettershof“, sagt sie, abends kümmert sie sich um Abrechnungen und Büroarbeit. Ehemann Michael kümmert sich um den Hotelbetrieb – sieben Tage die Woche. Als Ausgleich nimmt sich die Familie Zeit für Kurzurlaube – beispielsweise über Himmelfahrt ins Hochsauerland – oder auch mal sonntags für kleinere Ausflüge in der Region.

Im Restaurant und auf dem Gelände haben die beiden etliche neue Formate eingeführt: Regelmäßig laden Sie zum „Krimi-Diner“ mit schauspielerischen Einlagen ein oder zur „Royal Teatime“ mit Scones und clotted Cream im Chesterfield-Salon. „Das Schlösschen ist im Tudor-Stil erbaut, da lag es einfach nah, diese englische Tradition einzuführen“, sagt Kira Biehal. Auch Autoren-Lesungen haben die beiden im Programm: So liest die Niederjosbacher Autorin Deike Wichmann am Mittwoch, 17. Juni, ab 18.30 Uhr aus ihrem neuen Roman „Weil wir gleich sind“. Im August ist eine Krimi-Lesung mit der Eppsteiner Autorin Brina Stein geplant. Dazu wird das Selbstgebraute der Mikrobrauerei Epp Bräu ausgeschenkt.

Das Eppsteiner Bier steht ohnehin auf der Getränke-Karte des Restaurants. „Wir arbeiten, wenn möglich, mit Partnern aus der Region zusammen“, sagt Kira Biehal. Sie hofft, dass sich das auch bei den Menschen in der Region herumspricht: „In den vergangenen Jahren haben viele Restaurants zugemacht. Dennoch hat sich noch nicht rumgesprochen, dass man bei uns auch einfach zum Essen oder zum Sonntagskaffee einkehren kann.“

Im Mai hat die Hochzeitssaison begonnen. Bis zu 100 Besucher können im Rettershof feiern – Standesamtliche Trauung inklusive. Die Stadt Kelkheim hat im Rettershof eine Außenstelle des Standesamts, ähnlich wie auf Burg Eppstein. Nur, dass im Schlosshotel einmal im Monat bis zu vier Trauungen samt Sektempfang an einem Tag stattfinden.

Für Hochzeitsfeiern wird der Frühstücksraum leer geräumt und zwischen der massiven Treppe aus Eichenholz, die zu einer hohen Galerie hinauf führt, und einem alten Kamin eine Tanzfläche eingerichtet. Auf der Galerie stehen einige kleine Sitzgruppen mit alten hohen Stühlen, die Eppsteiner Burgbesuchern bekannt vorkommen dürften: Die Burgschauspieler erhielten zur Eröffnung ihres Vereinsraums, der Juchhe, vor einigen Jahren etliche dieser Stühle aus dem Rettershof von einem Spender geschenkt.

Seit Mai ist auch der Beach Club wieder geöffnet, mit einer separaten Karte: freitags und samstags ab 16 Uhr, sonntags schon ab 12 Uhr. Auf mehreren Tonnen Sand lässt es sich auf Strandliegen gut aushalten und die Aussicht auf den Taunus und den Sonnenuntergang genießen.

Im Herbst sind Whisky-Tastings geplant, und zum Tag des offenen Denkmals im September eine Führung zu einem versteckten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Rettershof-Gelände.

Auf dem Rondell unterhalb der großzügigen Freitreppe warten Sitzgruppen mit Gartenmöbeln und eine „Vierpfotenstation“ auf müde Wanderer. Denn als Zwischenstopp für eine Taunus-Tour oder einen Sonntagsspaziergang vorbei an Obstwiesen, Viehweiden und Wald eignet sich der Rettershof allemal. „Nur schade, dass viele Wanderer und Besucher des Hofguts unser schönes Schlösschen gar nicht entdecken“, sagen die Biehals, denn wie im Märchen ragen von der unteren Einfahrt aus gesehen nur die Zinnen eines kleinen Turmes über den Baumwipfeln empor.

Besucher müssen einige Wegbiegungen zurücklegen, bevor sich der Torbogen zur Wiese und der großen Freitreppe zum Schloss hin öffnet.bpa

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