Kelterfest nach Sommer der Extreme

Beim Schaukeltern war Handarbeit angesagt: Christoph Gräber füllte den Obsthäcksler immer wieder nach.Foto: Julia Palmert

Beim Schaukeltern war Handarbeit angesagt: Christoph Gräber füllte den Obsthäcksler immer wieder nach.Foto: Julia Palmert

Klein und süß – und vermutlich eine Rarität wird der Apfelwein-Jahrgang 2026. Das vermutet zumindest Christoph Gräber vom Obst- und Gartenbauverein (OGV).

Er stand zusammen mit seinem Vereinskollegen Sven Kilb beim Kelterfest des OGV an der Kelter und berichtete, dass die Apfelernte dieses Jahr deutlich kleiner ausfällt als in den vergangenen Jahren: Rund um Niederjosbach zumindest warfen viele Apfelbäume bereits im Sommer einen Teil ihrer Äpfel ab, um bei der wochenlangen Dürre selbst zu überleben. Auf der Streuobstwiese des Vereins gab es fast gar keine Äpfel. Deshalb brachte Gräber zum Schaukeltern Äpfel von seinen eigenen Wiesen mit.

Noch immer ist die Situation angespannt: Die Böden sind bis zu einem Meter tief ausgetrocknet. Das wirkt sich auf Wasserhaushalt und Vegetation aus. Die Zahlen in Gräbers Kelterbuch, das er seit vielen Jahren über die Ernte von seinen Apfelbäumen führt, zeigen, wie dramatisch die Situation dieses Jahr ist: Voriges Jahr erntete Gräber noch 105 Säcke Kelteräpfel, bislang eine durchschnittliche Erntemenge. Dieses Jahr füllte seine Ernte gerade einmal 15,5 Säcke.

Lediglich drei seiner Bäume lieferten den üblichen Ertrag, alle anderen hatten nur noch wenige und kleine Äpfel. „Das wird eher eine Trockenbeerenauslese“, sagte Gräber deshalb scherzhaft.

Tatsächlich ist der Most dieses Jahr ausgesprochen süß. Die ersten Öchsle-Messungen ergaben einen Rekordwert von 67 Grad, üblicherweise schwankt er zwischen 50 und 55 Grad.

Auch OGV-Chef Michael Dörr hofft auf einen hochwertigen Apfelwein-Jahrgang. Denn voraussichtlich im nächsten Frühjahr plant der Verein wieder eine Apfelweinverkostung.

Dörr zollte dem Helfer-Team ein großes Lob. Denn diesmal stemmten sie das Kelterfest ohne die beiden Vorstandsmitglieder und erfahrenen Helfer Michael Dörr und Jan Morgenstern. Dörr war beruflich verhindert, Morgenstern ist im Urlaub: „Am Morgen waren alle noch sehr nervös“, erzählte Dörr, abends waren die Helfer an Herd und Tresen jedoch stolz und glücklich, dass nahezu alles ausverkauft war. Nur der Kassensturz von Kassierer Jens Kupfer fehlte bei Redaktionsschluss noch.

Zu Mittag füllten sich die Tische mit hungrigen Gästen, darunter auch viele Gottesdienstbesucher, die an diesem Morgen die Patroziniumsfeier zu Ehren des Kirchenpatrons St. Michael besucht hatten. Statt der Kirchweih feierten sie beim OGV Apfelernte und Kelterfest.

Die Besucher ließen sich Spießbraten mit Spätzle und Wirsinggemüse schmecken und sprachen am Nachmittag der gut bestückten Kuchentheke zu. Kein Wunder: Die hausgemachten Kuchen sahen zum Anbeißen aus.

Die Traktorfreunde des Landmaschinentreffens in Diedenbergen kamen im Konvoi zum Fest. Ihre auffälligen historischen Fahrzeuge parkten entlang der Obergasse und lockten den ein oder anderen neugierigen Passanten zum Dorfplatz. bpa/jp

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