Bei Kaffee und Kuchen über Gottfrieds „Baadtstube“ sinniert

Alla Serhiieva (li.) und Monika Rohde-Reith präsentieren eines der Ausstellungsbanner.

Alla Serhiieva (li.) und Monika Rohde-Reith präsentieren eines der Ausstellungsbanner.

Beim Internationalen Museumstag am vergangenen Sonntag herrschte reges Treiben auf der Burg. Klein und groß pilgerten hinauf. Rund 200 Menschen besuchten das Burgmuseum mit Kapelle und Backhaus. Um 14 Uhr öffnete zum ersten Mal in diesem Jahr das Juchhe-Café der Burgschauspieler.

Lange Schlangen bildeten sich vor dem Tresen. Mehr als 15 Kuchen, die Eppsteiner Frauen für den Verein gebacken hatten, gingen über die Theke, darüber hinaus Waffeln mit Kirschkompott und „Helgas Spargelcremesuppe“. Gekocht hatte sie Helga Terzka, Vorstandsmitglied der Burgschauspieler und Chefin des Juchhe-Cafés. Souverän bewältigte sie mit ihrem Team hinter dem Tresen den Andrang.

Noch ein oder zweimal wollen sie im Laufe der Burg-Saison ihr Juchhe-Café öffnen – „zum Beispiel im Spätsommer, wenn wir Apfel- und Birnenkuchen backen können“, hat Helga Terzka schon neue Ideen.

Im Juchhe-Bau war in Kooperation mit dem Burgmuseum außerdem die Ausstellung „Im Bad mit Gottfried“ zu sehen. Wer erfahren wollte, unter welchen hygienischen Bedingungen Gottfried II. von Eppstein und seine Nachfolger lebten, konnte auf Spurensuche gehen. „Heute riecht es hier nach Kaffee“, sagte Museumsleiterin Monika Rohde-Reith, „aber im Mittelalter stach der strenge Geruch von Fäkalien und Schweiß in die Nasen“. Rund 30 Menschen lebten zur Zeit der Grafen von Eppstein auf der Burg.

Toiletten mit Wasserspülung gab es bereits in der Römerzeit. Warum die hygienischen Standards im Mittelalter drastisch nachließen, bleibe ein Rätsel, sagt Rohde-Reith. „Bei Kaffee und Kuchen wollten wir allerdings das Bild mit Ritter Ulrich auf einem Abort mit Ausgang zur Burgmauer nicht zeigen“, sagte sie Augen zwinkernd, deshalb kamen nur sechs der acht Roll-ups zum Zug.

Schon 2014 hat sie die bunten Fahnen mit Bildern und Texten zusammengestellt und griff dabei auch auf Quellen zurück, die von anderen Burgen überliefert sind. Für die Eppsteiner Burg gilt als gesichert, dass spätestens 1492 – vermutlich schon früher – eine Badestube zum urkundlich erwähnten Inventar gehörte. Um 1700 sind dann Baumaßnahmen belegt, die darauf hindeuten, dass es sich bei der 1715 im Inventar der Burg erwähnten „Baadtstube“ um ein mit Schiefer gedecktes Badehaus handelte.

Lange nach der Zeit der Eppsteiner Herren ist in historischen Quellen im Jahr 1714 ein steinerner Sarg oder Trog erwähnt, in dem die neuen Herren, die hessischen Amtmänner, badeten. Ab 1755 wurde dann das Badehaus als Strohkammer genutzt.

Im Burgmuseum hatte am Nachmittag Team-Mitglied Alla Serhiieva aus der Ukraine Dienst.

„Die Burg ist das Herz von Eppstein“, sagte sie nachdenklich, „mir gefällt, dass Deutsche – im Vergleich zu Osteuropäern – ihre Geschichte kennenlernen und würdigen. Wenn Leute ihre Geschichte kennen, machen sie weniger Fehler“, ist die Museumshelferin überzeugt, die derzeit online Lehrbeauftragte für Ukrainisch und Soziale Medien an der Universität Charkiw ist.mi

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