Burgverein lebt Tradition beim Mittelalteressen

Volker Pottmann stöbert mit Gertrud Löns in deren Kochbüchern.
            Foto: Beate Schuchard-Palmert

Volker Pottmann stöbert mit Gertrud Löns in deren Kochbüchern.

Foto: Beate Schuchard-Palmert

Traditionen leben, wenn sie bewahrt werden – und sich weiter entwickeln. So bietet der Burgverein auch dieses Jahr ein Mittelalteressen auf der Burg an und verbindet das festliche Menü mit Hintergrundwissen übers Mittelalter.

Der Termin steht fest: am Freitag, 30. Oktober, wird die Tafel dafür wieder in der Kemenate gedeckt und um 19.30 Uhr eröffnet. Das Menü wird in Anlehnung an mittelalterliche Überlieferungen zusammengestellt und mit den einzelnen Gängen korrespondierende Weine ausgeschenkt.

Neu ist das Küchenteam. Der frühere Bremthaler Pfarrer und leidenschaftliche Koch Moritz Mittag, der seit einigen Jahren als Küchenchef für die Menüfolge verantwortlich war, ist in Ruhestand gegangen. Die Männerkochgruppe aus Mittags Emmausgemeinde möchte die Tradition gern weiterführen.

Den Kontakt knüpfte der Chef des Burgvereins, Ramon Olivella, der regelmäßig am gemeinsamen Kochen in der Emmausgemeinde teilnimmt. Beim Plausch über Rezepte, möglicherweise auch ans Mittelalter angelehnte Gerichte, kam auch die Frage auf, wie das Mittelalteressen des Burgvereins seinerzeit entstand. Der frühere Stadtarchivar Bertold Picard hatte großen Anteil daran, denn zu jedem Mittelalteressen gab es einen historischen Bildervortrag und während des Menüs eine abendliche Führung bei Laternenschein durch die dunkle Burg und in die ebenfalls finstere Talkirche. Seine Frau Hilde gehörte mit Gertrud Löns, Brigitte Schier und Heinz Reinisch zur ersten Kochgruppe, die schon Mitte der 1990er Jahre Mittelalteressen auf der Burg organisierte.

Volker Pottmann von der Männerkochgruppe wollte die Erinnerungen einer Zeitzeugin hören und besuchte Gertrud Löns, die zum ersten Küchenteam gehörte und sich noch gut an einige Gerichte erinnerte: „Rotkohl nach Art der ,feinschmeckerischen Welserin‘ stand oft auf dem Speisenplan, manchmal auch grüne Bohnen“, sagte sie. Die Gerichte wurden bereits am Vortag gekocht und auf der Burg nur noch erhitzt. Statt Kartoffeln, die erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa kamen, servierte ihr Team Gemüse, aber auch Nudeln oder selbst gebackenes Brot. Hilde Picard erinnert sich an deftige Fleischpasteten mit Geflügel. Fleisch, auch Wild, gab es zumindest an der herrschaftlichen Tafel reichlich, kam also auch bei den Mittelalteressen in der Kemenate auf den Tisch. Für die Zubereitung von Braten und Fleischgerichten war Brigitte Schier zuständig, eine hervorragende Köchin und treibende Kraft der Kochgruppe. Auch mit Gewürzen wurde im Mittelalter nicht gespart: Pfeffer, Safran, Zimt, Ingwer und Muskat, Gewürznelken, Kardamom und der an Ingwer erinnernde Galgant gehörten in die höfische Küche. Zum Abschluss jedes Mittelalteressens wurde deshalb ein süßer Gewürzwein ausgeschenkt, ein Hypokras, der im Mittelalter als gesundheitsfördernd galt.

Seine Rezepte holte das erste Mittelalter-Kochteam aus historischen Kochbüchern, zum Beispiel aus Frankreich, aber auch von Hildegard von Bingen. Ein Zugeständnis an die Moderne war die Kürbissuppe, die Gertrud Löns zumindest im Herbst für das Mittelalteressen zubereitete. Suppen und deftige Eintöpfe waren Hauptnahrungsmittel in früheren Zeiten. Fürs Servieren hatten sich die Frauen mittelalterliche Kleider nähen lassen, um in der Kemenate stilecht aufzutreten.

Die neue Kochgruppe für das Mittelalter­essen will sich zwar an historischen Speisen orientieren, aber ein zeitgemäßes Menü vorbereiten. Gekocht wird gemeinsam am Vorabend des Mittelalteressens in der Küche der Emmausgemeinde. Außer Volker Pottmann haben sich fürs Küchenteam zum ersten Mittelalteressen der Männerkochgruppe Paddy Mohr, Stefan Kaiser, Hansjörg Gerny, Dominic Destrange gemeldet. Die Männerkochgruppe sei nicht fest gefügt, sagt Pottmann: „Wir freuen uns über neue Hobby-Köche“.

Die Abendveranstaltung am 30. Oktober kostet inklusive des Menüs und der Getränke 50 Euro. Anmeldung per E-Mail an ramon.olivella[at]burgverein-eppstein[dot]de.

Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Der Betrag sollte erst nach der Bestätigung durch den Burgverein überwiesen werden.bpa

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