Briefe an einen mutigen Piloten

Andreas Hennig erklärt den Jungen und Mädchen seine Arbeit als Rettungshubschrauberpilot.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Andreas Hennig erklärt den Jungen und Mädchen seine Arbeit als Rettungshubschrauberpilot.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Im März hörte Lehrerin Stefanie Lauer auf dem Weg zur ersten Stunde mit ihrer Klasse R5a in den Nachrichten von einem Unfalleinsatz mit einem Rettungshubschrauber bei Schotten, bei dem ein uneinsichtiger Autofahrer, die Absperrung umfuhr und den Piloten bedrohte und mit dem Auto bedrängte.

„Das hat mich so fassungslos gemacht, dass selbst die Klasse merkte, dass mit mir etwas nicht stimmte und einige Kinder fragten, was los sei“, erinnert sich Lauer.

Sie habe den Kindern den Vorfall geschildert. Die waren genauso empört wie sie. Ein paar hatten dann die Idee, dem Rettungshubschrauberpiloten Briefe zu schreiben und für seinen Einsatz zu danken. Briefe schreiben hatten die Fünftklässler schon vor Weihnachten geübt. Stefanie Lauer nimmt mit ihren Deutsch-Klassen seit etlichen Jahren an der Aktion „Post mit Herz“ teil. Die Kinder schreiben an Menschen, die Weihnachten allein oder in einer Einrichtung feiern. „Sie machen anderen eine Freude damit und lernen nebenbei die korrekte Briefanrede, die Pronomen groß zu schreiben und achten nebenbei auch auf die Rechtschreibung“, beschreibt Lauer den Lerneffekt, den sie damit erzielt.

Diesmal kam die Idee von den Jungen und Mädchen selbst. Sie wollten Pilot Andreas Hennig persönlich ihre Betroffenheit und ihren Dank schildern. Sie schrieben Briefe, malten Bilder und wünschten dem Piloten alles Gute. Stefanie Lauer besorgte ein paar Süßigkeiten und packte Briefe, Bilder und Süßes in ein hübsches Paket, dass sie an die Luftrettungsstation in Reichelsheim adressierte, wo Andreas Hennig stationiert ist.

Der Hubschrauberpilot war sehr gerührt und meldete sich umgehend bei der Deutschlehrerin und wollte sich persönlich für das schöne Paket bedanken. Am vergangenen Freitag war es soweit: Andreas Hennig stand vor der R5a und schilderte den Jungen und Mädchen, wie ein Rettungshubschrauber-Einsatz abläuft, zeigte ihnen Fotos von den unterschiedlichen Helikoptern, die für die Johanniter-Unfall-Hilfe fliegen.

Die Kinder hatten sich ebenfalls auf den Besuch vorbereitet und Plakate gemalt: Eines mit sämtlichen Unterschriften der Schülerinnen und Schüler und eines auf dem sie aus dem Namen des Piloten Andreas Hennig Eigenschaften bildeten von A wie „Aufmerksam“ bis G wie „Großartig“.

Die Notfallnummer 110 schallte Andreas Hennig auf Nachfrage im Chor entgegen. Überhaupt hatten auch die Kinder etliche Fragen: Braucht ein Helikopter eine Landebahn, was war dein längster Einsatz, wie viel wiegt ein großer Hubschrauber und wie viel ein kleiner, ist ein Hubschrauber teuer? Und vor allem: „Macht dir das Fliegen immer noch Spaß?“ Hennigs Antwort kam umgehend: „Das Fliegen selbst ist eher stressig, vor allem wenn das Wetter richtig schlecht ist und ich entscheiden muss, ob ich fliegen kann.“

Spaß mache es, wenn die Aufgabe gelöst und der Arzt beim Patienten gelandet oder der Patient sicher im Krankenhaus sei. bpa

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