Umweltgruppe „Eppstein-Farm“: Natur lehrt, ohne zu belehren

Daniela Heinz vom Campingplatz-Team und Natalie Bach (v.l.) entwickeln gemeinsam das Projekt „The Eppstein-Farm“.

Seit drei Jahren lebt Natalie Bach, geborene Rosenau, wieder in Eppstein. Mitten während der Corona-Pandemie zog sie mit Mann und vier Kindern nach 15 Jahren Großstadtleben in Frankfurt zurück ins beschauliche Eppstein. Ihre Kinder sind jetzt zwischen sechs und elf Jahre alt.

Ihr großes Thema schon vor der Pandemie war, sie für die Natur und die Tiere zu sensibilisieren. „Während der Pandemie wurde das noch dringender, wenn man die Kinder nicht vor dem Bildschirm sich selbst überlassen wollte“, erinnert sich Rosenau, die als Produktmanagerin in einem Softwarehaus in Offenbach arbeitet.

Kaninchen gab es in ihrem Haushalt schon früh, während der Pandemie kamen Hühner, Fische, ein Hund und seit einigen Monaten so exotische Tiere wie afrikanische Achatschnecken – verwaiste Tiere eines Schulprojekts – hinzu. Sie lege den Schwerpunkt auf tiernahe Pädagogik, betont Bach. Denn schon im Kindergarten, später in der Grundschule ihrer Kinder habe sie mit Erschrecken festgestellt, dass die Jungen und Mädchen keinerlei Bezug mehr zur Natur haben. Deshalb bildete sie sich in Naturpädagogik weiter und bot zunächst in den Einrichtungen, die ihr Nachwuchs besuchte, Projekte wie den „Kaninchenführerschein“ oder „Hühnerkurse“ an. Dabei stellte sie fest, wie beruhigend die Ausstrahlung von Tieren selbst auf unruhige Kinder ist.

Zurzeit macht sie eine Weiterbildung in Natur- und Umweltpädagogik und will eine neue Kindergruppe in Eppstein gründen, in der Kindergarten- und Grundschulkinder Naturerfahrungen machen und Umwelt und Nachhaltigkeit erleben können. Einen geeigneten Ort habe sie inzwischen auch schon gefunden: Die Schafweide oberhalb des Campingplatzes „The Eppstein Project“ bei Niederjosbach. Die Inhaber des Campingareals, Daniela Heinz und Ralf Bröske, waren begeistert von der Idee, denn Bach bot an, sich um die Schafe zu kümmern, wenn sie dort eine Kindergruppe mit tiernaher Pädagogik aufbauen dürfe.

„Wir lieben unsere Schafe“, sagt Heinz, „aber wir sind froh, dass wir nun jemand haben, der sich um sie kümmert.“ So entstand das Projekt „The Eppstein Farm“. Denn auch die Hasen und Hühner der Familie Bach sollen dort einziehen. Außerdem fand Natalie Bach offene Ohren bei der Eppsteiner BUND-Gruppe, die schon länger ihre Jugendgruppe wieder aktivieren möchte und schnell mit ihr über die Zielsetzung einig wurde. An die Schafweide grenzt eine Blühwiese des BUND an, die die Gruppe ebenfalls nutzen darf. Grundlage für die neue BUND-Jugendgruppe seien die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Konkret sollen die Kinder die Natur bewusst erfahren, die unterschiedlichen Jahreszeiten wahrnehmen und mit der Natur kommunizieren lernen. „Vielleicht suchen wir bei Nebel nach Feen und im Frühling nach Kräutern“, sagt Bach. Auch Märchen und Sagen, die sich um Pflanzen ranken und tief in der europäischen Kultur verankert sind, sollen die Kinder kennenlernen. „Wir machen keine abenteuerlichen Klettertouren“, betont Bach, „die Kinder sollen sich in der Natur selbst erfahren“. Nur durch Verbundenheit könne auch Verantwortungsgefühl für die Umwelt entstehen.

Ihr Motto laute: „Natur lehrt, ohne belehrend zu sein“, fasst Bach zusammen und führt als Beispiel an, dass Konsequenzen in der Natur oft unmittelbar zu spüren seien: „Wer durch den Bach watet, muss hinterher nasse Füße aushalten, und wer auf Tiere zuläuft statt sich behutsam anzunähern, stellt fest, dass sie davonlaufen“, zählt Bach zwei Beispiele auf.

Nun wartet sie auf die Lieferung ihres Bauwagens, der in wenigen Tagen eintreffen und an der Schafweide aufgestellt werden soll, die sie als Dauercamperin übernehmen will. Das wird der Gruppenraum, in dem bei schlechtem Wetter gebastelt und gespielt wird. Ein Regal mit umweltpädagogischen Büchern werde es auch geben, um die Kinder schon früh an Literatur heranzuführen.

Auf der Wiese gibt es Platz für Hühner und Kaninchen, denn Bach will Wissen rund um die Themen Pflanzen, Tiere und Umweltschutz sowie Selbsterfahrung in der Natur vermitteln. Dafür sucht sie noch tatkräftige Mitstreiter, die beim Bau von Zäunen und Ställen und in der Gruppenarbeit mithelfen. Außerdem sammelt sie unter dem Dach der BUND-Jugend Spenden für Baumaterial, Sitzgelegenheiten für die Kinder und ein Sonnensegel. Je mehr Helferinnen oder Helfer sich finden und je schneller der Spendentopf gefüllt ist, desto schneller könne das Projekt umgesetzt werden, sagt Bach.

Spenden sind über das Konto der BUND Ortsgruppe Eppstein möglich, DE17 5019 0000 0022 1100 04, Verwendungszweck: „Kindergruppe The Eppstein Farm“. Genauso wichtig ist aktuell die Abstimmung bei der Spendenaktion der Sparda-Bank Hessen für das ihr Projekt ausgewählt wurde. Noch bis zum 12. Juni kann jeder das Projekt „Eppstein Farm“ mit seinem Online-Voting unterstützen. Die Spenden gehen an die Vereine mit den meisten Stimmen. Zu gewinnen gibt es 30 mal 3000 Euro für soziale Projekte. Zugang zum Voting gibt es über die Seite sparda-vereint.de, Kategorie „Umwelt“ oder über den nebenstehenden QR-Code. „Dabei hat man nicht nur eine Stimme, sondern soll täglich für sein Projekt voten“, betont Bach. „Zurzeit stehen unsere Chancen recht gut,“, sagt sie und hofft, dass noch möglichst viele Eppsteinerinnen und Eppsteiner beim Voting-Endspurt bis zum 12. Juni mitmachen. Infos gibt es per E-Mail an: kindtiernatur[at]outlook[dot]de.

Seit ihrer Rückkehr nach Eppstein engagiert sich Bach in etlichen Vereinen: Zum Beispiel in ihrem alten Verein, der TSG Eppstein, als Leichtathletiktrainerin für die Jugend. Beim Verschönerungsverein (VVE) ist sie Ansprechpartnerin für den Bergpark. Zunächst hatte sie die Idee, eine Jugendgruppe im früheren Garten der Neufvilles am alten Taubenhaus anzusiedeln. Allerdings gebe es dort zu viele Naturschutz- und Denkmalschutzauflagen und keinen Konsens mit dem Besitzer, dem Jugendhilfe-Verein JJ. bpa

Café und Biergarten auf dem Campingplatz

Die neue BUND-Kindergruppe wird voraussichtlich Ende des Jahres starten, sobald der Bauwagen und die neuen Ställe stehen. Die Saison auf dem Campingplatz hat längst begonnen und auch Besucher sind willkommen: Der Biergarten ist donnerstags bis samstags ab 17 Uhr geöffnet, sonntags und feiertags schon ab 14 Uhr, die Kaffeebar auf der Sonnenterrasse ist samstags, sonntags, an Feier- und Brückentagen von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet.

Über Konzerttermine und Aktionen informiert die Internetseite the-eppstein-project.de. Die nächsten Termine stehen fest: Am Samstag, 8. Juni, spielen „The Fabs“ „a tribute to rock!“ und am Sonntag, 16. Juni, gibt es ab 16 Uhr live Instrumentalmusik aus Latin, Jazz, Rock und eigene Lieder mit der Band „Lola“ – mit Piano, Saxophon, Schlagzeug und Percussion.

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