Vorige Woche stattete Bürgermeister Alexander Simon ihm einen Besuch im neu gestalteten Studio ab und erkundigte sich über das Geschäftsmodell des Unternehmens. Der 35-jährige Philipp Bilz ist eigentlich über seine Liebe zu Autos zum Fotografieren gekommen: Eine Mechatroniker-Lehre musste er abbrechen wegen einer Allergie gegen Öle und Fette. Stattdessen machte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, allerdings bei einem Tuning-Profi in Liederbach, hatte also weiterhin mit Autos zu tun und schraubte selbst an Traktoren und alten Autos.
Schließlich machte er sich mit einer Folier- und Tuning-Werkstatt selbstständig, veredelte Oldtimer und merkte nach einem Jahr, dass er mit einem reinen Saison-Gewerbe nicht genug verdiente, um eine große Werkstatt zu halten. Er fing bei einem Logistik-Unternehmen an: „Ein toller Job mit viel Verantwortung, aber mir fehlte die Kreativität“, sagt Philipp Bilz rückblickend.
Seit 2013 lebt er schon in Eppstein, zuerst in der Hintergasse, später zog er nach Vockenhausen und 2023 nach Ehlhalten.
Während des ersten Lockdowns 2020 fing er an sein Hobby, die Fotografie, intensiver zu betreiben und kaufte nach ersten Aufträgen seine erste Profi-Kamera. „Ich fotografierte damals bei Hochzeiten mit nur drei Gästen“, erinnert er sich und war erfolgreich. Das Fotografieren und die Bildbearbeitung am Computer habe er sich weitgehend selbst beigebracht und einige Fortbildungen besucht. Ein Auftrag folgte auf den nächsten. Produktfotos kamen hinzu und Eventfotografie.
Seine Firma, bei der er eigentlich im Büro angestellt war, engagierte ihn für Imagefilme und stellte ihn dafür zeitweise frei. Schließlich machte er sich selbstständig und stellte schnell fest, dass er ein eigenes Studio für die Arbeit am Mischpult benötigte und wurde von der damaligen Mieterin Stefanie Fichtner als Untermieter aufgenommen. So wurde aus dem früheren Buchladen nach Stationen als Kreativ-Büro, EMS-Studio und Second-Hand-Laden ein Fotostudio.
Er sei froh, dass sein Vermieter sofort nach der Kündigung einverstanden war, einen neuen Mietvertrag mit ihm abzuschließen, sagt Bilz. Portraits oder Passfotos mit Laufkundschaft sei nicht sein Tagesgeschäft. Deshalb werde die Türglocke nicht ständig läuten. Wer zu ihm kommt, hat vorher einen Termin vereinbart. „Bevor ich fotografiere, nehme ich mir Zeit und rede mit den Kunden, um herauszufinden, wie ich sie ins beste Licht setze“, sagt Bilz, denn seine Portraits versteht er eher als „Geschichten in Bildern“.
Aktuell hatte er mehrere Filmdrehs mit Resi Berger, einem angehenden Star am Schlagerhimmel. Solche Aufträge, hofft er, können ein Sprungbrett für neue, größere Aufträge werden. Ansonsten verdient er sein Geld als Event-Fotograf, im Sommer vor allem bei Hochzeiten, und im Winter mit Portraits, Social Media, Produktfotografie und Image-Filmen. Ein regionales Produkt hängt schon als Foto in seinem neu eingerichteten Studio: Das Bier von „Epp Bräu“, dem neuen Craft Beer aus Eppstein. bpa



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