Paul Ickstadt war Sozialdemokrat der ersten Stunde in Bremthal

Paul Ickstadt am 70. Hochzeitstag, Dezember 2016.

 

Jahrzehntelang war er für alteingesessene Bremthaler der „rote Paul“, weil er als einer der ersten 1953 dem neugegründeten SPD-Ortsverein beitrat und viele Jahre politisch für sein Heimatdorf aktiv war. Jetzt ist der frühere Ortsvorsteher im Alter von 96 Jahren gestorben.

Er sei friedlich eingeschlafen, sagte Tochter Elke Roth. Bis zuletzt wohnte er in dem Haus in der Wiesbadener Straße, in dem er 1923 geboren wurde und wo er über 70 Jahre lang mit seiner Ehefrau Theresia gelebt hat.

Seine Kriegserlebnisse an der Front in Russland, aber auch Ungerechtigkeiten während seiner Lehrzeit, waren Auslöser für sein Engagement nach dem Krieg in der SPD und in der Gewerkschaft. Ickstadt, der aus einfachen Verhältnissen stammte, wollte dazu beitragen, die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft zu überwinden und setzte sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik ein, aber auch in der Gewerkschaft ÖTV, als Personalratsvorsitzender, Arbeitsrichter, Schöffe, Ortsgerichtsvorsteher, im Ausschuss für Wehrdienstverweigerer und bei der Arbeiterwohlfahrt.

1956 wurde Paul Ickstadt Fraktionsvorsitzender der Bremthaler SPD und war vor der Eingemeindung von 1972 bis 1976 Ortsvorsteher und danach von 1989 bis 1997. Zusammen mit Nachkriegsbürgermeister Heinrich Anton Ickstadt und später mit dem ersten Beigeordneten Bernhard Parian erzielte Ickstadt hervorragende Kommunalwahlergebnisse für die SPD in Bremthal. Gemeinsam arbeiteten sie daran, das Bauerndorf zu einer modernen Wohngemeinde zu entwickeln. So hatte Bremthal bei der Eingemeindung 1977 Sportplatz, Grundschule, Neubaugebiete, Abwasserentsorgung und Straßenbauprojekte. Auch den Waldlehrpfad hat Ickstadt mit initiiert und die Bepflanzung der Freifläche in Höhe der Bushaltestelle an der Niederjosbacher Straße, die seitdem das „Rote Eck“ genannt wird. Von 1968 bis 1997 war Ickstadt im Kreistag.

Gelernt hatte Ickstadt Huf- und Wagenschmied in Hofheim und wurde 1941 direkt nach der Gesellenprüfung eingezogen. Nach dem Krieg wechselte er zum Hessischen Straßenbauamt. In Bremthal war er Gründungsmitglied und der erste Vorsitzende der SG, züchtete Brieftauben im Brieftaubenverein, war Mitbegründer des Geschichtsvereins und Mitglied in vielen Vereinen. Trotz seiner zahlreichen Ämter verlor Ickstadt nie seine Bodenhaftung: „Ich habe immer den Leuten aufs Maul geschaut und bin geblieben, was ich war“, fasste er einmal seine Lebensmaxime zusammen.

Für sein soziales Engagement erhielt er unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ickstadt hinterlässt seine Ehefrau, zwei Kinder, drei Enkel und drei Urenkel.bpa

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