Noch lange keine freie Fahrt in Sicht

Trübe Aussicht – übers Wochenende bis Mitte dieser Woche blieb die Kreuzung B455/Lorsbacher/Fischbacher Straße gesperrt, weil Hessen Mobil die Ampelregelung für den nächsten Baubschnitt aus Sicherheitsgründen nicht verantworten wollte.Foto: Julia Palmert

Trübe Aussicht – übers Wochenende bis Mitte dieser Woche blieb die Kreuzung B455/Lorsbacher/Fischbacher Straße gesperrt, weil Hessen Mobil die Ampelregelung für den nächsten Baubschnitt aus Sicherheitsgründen nicht verantworten wollte.Foto: Julia Palmert

Hessen Mobil hat die eigentlich für den vorigen Freitag vorgesehene Aufhebung der Vollsperrung der Bundesstraße 455 bei Eppstein am Freitagvormittag „aus Sicherheitsgründen“, so die Begründung von Hessen Mobil, kurzfristig gestoppt …

… und teilte am Montag mit, dass die Verkehrsführung voraussichtlich bis Mittwochmorgen, 19. August, soweit umgebaut ist, dass die Sperrung endlich aufgehoben werden kann. Unterlagen für die Baustellen-Verkehrsführung seien durch ein Bauunternehmen zu spät eingereicht worden, gibt Hessen Mobil als Begründung an. Ohne eine geprüfte und funktionierende Signalanlage sei eine sichere Nutzung nicht gewährleistet, hieß es.

Bei vielen Eppsteinern stieß die Verschiebung auf Unverständnis, zumal die B455 bis zur Lorsbacher Straße längst fertig ist und Hessen Mobil aus ihrer Sicht nur bürokratische Gründe für die Verschiebung anführte. Die verpatzte Freigabe war das Stadtgespräch auf dem Wochenmarkt. Bei vielen Geschäftsleuten liegen die Nerven ohnehin blank. Und auch unsere Leser kommentieren die Eilmeldung von Hessen Mobil am Freitag: „Die Straße hätte nach acht Wochen Bauzeit freigegeben und zuvor in einem Jour Fix sämtliche offenen Fragen geklärt werden können“, schreibt einer.

Etliche Kunden, unter anderem aus Fischbach, hatten sich Freitag darauf eingestellt, die Geschäfte in der Altstadt wieder erreichen zu können – und mussten dann doch wieder den Umweg über Schloßborn oder Richtung Hofheim nehmen. Auch Edeka hatte sich auf Normalbetrieb eingestellt, die Regale gefüllt und blieb auf frischer Ware sitzen.

Feinkosthändler Erhard Jauß rechnete in seinem Laden in Höhe der Talkirche eigentlich nicht mit großem Andrang zu seinem Mittagstisch und hatte am Ende nicht genug Backfisch vorrätig: „Die Kunden kamen nach Eppstein, weil sie glaubten, die Einbahnregelung sei endlich aufgehoben“, sagte er am Nachmittag verärgert über diese kurzfristige Entwicklung.

„Die angeblich so wichtigen Unterlagen der Baufirmen hätten längst besprochen sein müssen“, kritisiert ein Leser die aus seiner Sicht fragwürdige Verschiebung der Freigabe. Ohnehin seien die Arbeiten viel zu kurzfristig ausgeschrieben worden. „Dann haben Sie (Hessen Mobil) sieben Bauabschnitte geplant und benannt und sind nicht in der Lage, Details wie Ampelanlagen zu bedenken?“, fragt ein Leser die Verantwortlichen von Hessen Mobil in einem Beschwerdebrief. Er ist überzeugt, dass sich alles mit dem Rathaus auf kurzem Dienstweg hätte regeln lassen.

Aber auch Bürgermeister Alexander Simon erfuhr erst am späten Freitagvormittag von der Terminverschiebung – viel zu spät, um noch irgendetwas zu bewirken.

So werde dem Bürger immer wieder vorgegaukelt, dass die Politik Bürokratie abbaue. „Dieses Beispiel zeigt explizit, wie die Verwaltung von Hessen Mobil dies torpediert“, spricht der Leser aus, was viele Eppsteiner denken.

Bis zum Start des nächsten Bauabschnitts finden weitere Arbeiten statt. Unter anderem werden an den Gehwegen Restarbeiten durchgeführt, darüber hinaus wird auch an der Abbruchstelle der früheren Fußgängerbrücke auf der Westseite des Sanierungsgebietes gearbeitet.

Als Nächstes werden voraussichtlich bis Ende August für die Arbeiten im neuen Bauabschnitt die Fahrbahn der B455 sowie der Gehweg ab Einmündung Staufenstraße in Richtung Kelkheim-Fischbach auf einer kurzen Strecke halbseitig gesperrt, kündigt Hessen Mobil an. Die Sperrung der Fahrspur endet auf Höhe der Einmündung Burkhardweg und Fischbacher Straße. Der Edeka-Markt bleibt von Eppstein aus erreichbar. Der Verkehr auf der B455 wird mittels einer provisorischen Ampelanlage in Höhe der Baustelle wechselseitig vorbeigeführt. Aufgrund der Nähe zur Kreuzung B455/L3011 muss die provisorische Ampelanlage sieben Einmündungen einbeziehen. Dadurch entstehen sehr lange Umlaufzeiten.

Neue Gesichter in der Gastro-Szene

Hessen Mobil weist darauf hin, dass die Wartezeiten vor den Signalanlagen deshalb sehr lange dauern werden.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es am Freitagnachmittag: Die Eppsteinerin Jasmin Mackovic hat einen Mietvertrag für das Burg-Café unterzeichnet und will so bald wie möglich zumindest das Obergeschoss wieder öffnen. Das Motto ihres neuen Lokals: Café, Eis und Kleinigkeiten im „Wohnzimmer für Eppstein“. Im Erdgeschoss müsse erst noch renoviert werden, sagte sie auf dem Wochenmarkt, wo sie in den vergangenen Wochen einen Aperol-Ausschank betrieb, um für sich zu werben. Neu in Eppstein ist Muhittin Dündar, der das bisherige „Castello“ in der Burgstraße 71 übernimmt und am Freitag als Güney Kebab-Haus neu eröffnet.

Veränderungen könnte es in absehbarer Zeit auch im Burg-Lädchen geben. Das historische Fachwerk-Gebäude steht seit einigen Monaten zum Verkauf. Die Ladeninhaber, Sabine und Roland Knab, bewohnen auch die Wohnung im rückwärtigen Teil des Hauses und wären doppelt von einem Verkauf betroffen. Ihr Geschäft habe schwer unter der Sperrung gelitten. Aufhören wollen sie dennoch nicht und vorerst weitermachen, „solange die Gesundheit es zulässt“, sagen die beiden 67-Jährigen.

Ansonsten kocht die Gerüchte-Küche in der Altstadt über und schädigt so manchen Geschäftsmann. Vorige Woche sah sich, wie berichtet, Apotheker Timo Reichard zu einer Richtigstellung gezwungen, weil ihn viele Kunden verunsichert darauf ansprachen: Die Goldbach-Apotheke in Vockenhausen stehe nicht vor der Schließung, betonte der Inhaber.

Diese Woche wehrt sich Wirt Le vom Gasthaus zum Taunus gegen ähnliche Gerüchte, dass er nach seinem ersten Jahr in Eppstein aufgeben wolle. Er fühle sich hier sehr wohl und habe viele Stammkunden auch von außerhalb. Deshalb sehne er wie alle anderen Altstadtbewohner die Aufhebung der Sperrung herbei. Noch schlimmer seien Verleumdungen seiner Arbeit: Zum Beweis, dass sein Sushi täglich frisch und von ihm selbst angefertigt werde, zeigte er der Eppsteiner Zeitung wie er in seiner Küche ganze Lachse in Windeseile zerlegt und sämtliche Fleischfasern verwertet: für Sushi, Tartar, Suppen und Soßen. Die gebratenen Köpfe seien in seiner Heimat Vietnam Delikatessen: Darüber, so Le, freuen sich dann seine Mitarbeiter.

Im Pflasterschisser gibt es einen neuen Wirt, den bisherigen Koch Tarsem „Toni“ Singh. Der 43-jährige Inder lebte gut 20 Jahre in Eppstein, stand bereits in etlichen Eppsteiner Gastronomie-Küchen, zuletzt bei Faruk Khan im Pflasterschisser. Jetzt wagte er zusammen mit Ehefrau Simarjit den Sprung in die Selbstständigkeit und übernahm zum15. August den Pflasterschisser als Pächter. Er suche für sich und seine Familie einen festen Standort. An Speisenkarte und Öffnungszeiten ändert er vorerst nichts, will aber zusätzlich einige indische Spezialitäten aufnehmen.bpa

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